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Fest im Sattel : Pensionär radelt bis zu den Alpen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Karl-Heinz Hapke hat über seine Radtour ein Buch geschrieben

von
erstellt am 25.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Groß Wittensee | Es hat ein paar Jahre gedauert, bis Karl-Heinz Hapke seine Radtour von Groß Wittensee bis nach Obersdorf zu Papier gebracht hat – knapp fünf Jahre. Doch umso glücklicher ist der 72-Jährige jetzt, das 220-Seiten-starke Buch in den Händen halten zu können. „Ungebremst von Null auf 1000“ lautet der Titel des Buches, in dem Hapke jede seiner Etappen auf der knapp 1700 Kilometer langen Tour schildert. „Ich startete bei Meereshöhe Normal Null und landete schließlich in 1000 Meter Höhe im Oberallgäu“, erläutert der Pensionär den Titel seines Buchs.

„Ich wollte die Radtour schon als Jugendlicher machen“, sagt Hapke. Doch immer kam etwas dazwischen. In den Ferien stoppte ihn erst eine Verletzung, später hinderten Beruf und Familie ihn daran, seinen Jugendtraum zu verwirklichen. Karl-Heinz Hapke war Schiffselektriker, später Soldat. Er und seine Frau Ute bekamen einen Sohn und eine Tochter. Nach der Pensionierung war es dann soweit. „Ich las das Buch von Hape Kerkeling und seine Erlebnisse auf dem Pilgerweg“, sagt Hapke, das habe ihm imponiert und an seinen Jugendtraum erinnern lassen. Hapke lebte mit seiner Familie damals in der Nähe von Bonn, in Groß Wittensee hatten sie ein Ferienhaus. 2005 baute er das Haus, in dem mittlerweile sein Sohn mit seiner Familie wohnte, aus und zog ganz aus dem Rheinland an den Wittensee, wo er am 6. September 2009 seine Deutschlandtour startete. Fleißig trainiert habe er, den Aschberg rauf und runter, 20 bis 50 Kilometer pro Tag, um einigermaßen fit zu sein für sein Projekt. An ein neues Fahrrad dachte er noch nicht, sein 40 Jahre alter Drahtesel mit Drei-Gang-Nabenschaltung musste reichen. Er besorgte sich Kartenmaterial und plante die Route. Nicht zu bergig sollte sie sein, dafür nahm er lieber ein paar Kilometer mehr in Kauf. Das Mittelgebirge wollte er umfahren. „Schon die Straße nach Haby verlangte mir erste Kraftanstrengungen ab“, schreibt der Pensionär.

„Sorgen habe ich mir nicht gemacht“, sagt heute sein Frau Ute, sie sei stolz gewesen, dass ihr Mann sich in seinem Alter dieser Aufgabe stellte.

Am ersten Tag erreichte Hapke Bad Segeberg. Weiter ging es dann nach Lauenburg und Uelzen, nach acht Tagen war er in Kassel. Doch da erreichte ihn die Meldung von einem Todesfall in der Familie, und er brach seine Tour ab. Im Mai 2010 setzte er sie fort. „Dann gönnte ich mir auch ein neues Fahrrad“, erzählt der Groß Wittenseer, ein Rad mit 14 Gängen, außerdem ein Navi und Funktionsbekleidung für alle Wetterlagen. Von Kassel aus ging es weiter nach Bad Hersfeld, Fulda, Großwallstadt, Rothenburg, Augsburg und nach 14 Tagen erreichte er sein Ziel, Obersdorf.

Karl-Heinz Hapke übernachtete meist in Jugendherbergen, trat dafür vor seiner Abreise noch dem Deutschen Jugendherbergswerk bei. „Unterwegs war oft schlechtes Wetter“, sagt er. Teilweise sogar Sturzregen, Blitz und Donner, vor allem an das Unwetter im „Lieblichen Taubertal“ denkt er mit Grauen zurück. Auch Fahrradpannen musste er in den Griff bekommen und unnötige Umwege in Kauf nehmen. Er lernte aber auch nette Menschen kennen, viele sogar aus dem Norden, einen Mann aus Sörup, zwei Ehepaare aus Taarstedt und in Bayern eine Radlergruppe aus Kiel, „alle mit Prinz-Heinrich-Mütze“.

Doch den größten Stress hatte Karl-Heinz Hapke gar nicht mal auf dem Zweirad. Die Rückreise mit der Deutschen Bahn, das Umsteigen und Bahnsteigsuche, daran denkt der Groß Wittenseer gar nicht gerne zurück.

 


>„Ungebremst von Null auf 1000“, Karl-Heinz Hapke; epubli GmbH, Berlin; ISBN978-3-7373-31-48-1; 11,99 Euro.

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