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Eckernförder Zeitung

20. November 2017 | 18:38 Uhr

Interview : Pensionär im „Unruhestand“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gerd Finke setzt sich in verschiedenen Positionen für die Belange von Senioren ein. Der demografische Wandel ist seine Hauptsorge.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 06:25 Uhr

Gettorf | Gerd Finke bezeichnet sich selbst als „Pensionär im Unruhestand“. Der 64-jährige Gettorfer ist seit einem Jahr Vorsitzender des Gettorfer Seniorenbeirats, seit August im Vorstand des Landesseniorenrats und somit automatisch Delegierter im Altenparlament – dass Gerd Finke gerne Auto fährt, kommt ihm bei all den Funktionen in jedem Fall zugute. Die EZ hat mit dem SPD-Mitglied, das seine Aufgaben in der Seniorenarbeit aber überparteilich wahrnimmt, über Aufgaben, Ziele und die Relevanz von Seniorenarbeit gesprochen.

Herr Finke, warum ist Seniorenarbeit relevant und wichtig?

Alleine in Schleswig-Holstein leben 600  000 Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten, die Gesellschaft wird immer älter und diese starke Gruppe von Menschen braucht eine Lobby. Das trifft speziell auf ältere Migranten und bildungsferne Ältere zu. Altersarmut ist ein großes Problem. Mich beschäftigt: Wie kommen wir an diese Leute ran?

Warum ist das so schwer?

Altersarmut ist nicht sichtbar. Die Betroffenen haben sich komplett zurückgezogen – warum auch immer. Vielleicht schämen sie sich, dass die Nachbarn mitbekommen könnten, wie schlecht es ihnen geht und nehmen daher keine Hilfe in Anspruch. Aber ich weiß es nicht. Wir kommen an diese Gruppe bisher nicht ran.

Was muss aus Ihrer Sicht im Bereich Seniorenarbeit angepackt werden?

Die Rente muss zum Leben reichen, wir brauchen ausreichend bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen – der zudem barrierefrei sein muss, damit sie dort bis zum Schluss leben können. Außerdem muss die ärztliche Versorgung auf dem Land gesichert sein. Die Leute brauchen einen möglichst kurzen Weg zum Arzt.

Das sind viele Ziele ...

Es ist wie zu Weihnachten. Der Wunschzettel ist ganz lang, alles erreichen kann man natürlich nicht.

Was ist dabei ihr besonderer Anspruch, was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ich will nicht nur alte Menschen bespaßen, sondern eine Botschaft rüberbringen: Wir müssen politischer arbeiten und die Veränderungen in der Gesellschaft im Auge haben. Daraus müssen wir ableiten, was zu tun ist, um älteren Menschen ein vernünftiges Leben zu ermöglichen. Mein Schwerpunkt ist dabei der demografische Wandel. Wir müssen auf die Politik einwirken, damit sie Konzepte für die Zukunft entwickelt. Das ist das Schöne an unserer Arbeit: Wir geben Denkanstöße und legen den Finger in die Wunde, aktiv werden muss aber die Politik. Das gilt speziell für die Rente. Da müssen wir immer wieder drauf hinweisen. Denn nur wenn man ein Thema mehrfach anspricht, wird es wahrgenommen.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?

Selbstverständlich, solange keine vernünftigen Lösungen vorliegen und keiner weiß, wie es weitergeht. Da mache ich mir schon Sorgen, sonst würde ich mir die ganze Arbeit nicht machen.

Wurden die Probleme in Deutschland erkannt?

Es ist ja alles im Wandel. Wir müssen abwarten, wie die neue Regierung aussieht und dann schauen, ob unsere Interessen genug berücksichtigt sind. Da haben wir aber keinen direkten Einfluss – nur Wünsche. Man muss aber berücksichtigen, dass die Generation Ü60 ein großes Wählerpotenzial hat. Ein schöner Spruch lautet: Wer Rentner quält, wird nicht gewählt. 600  000 Menschen alleine in Schleswig-Holstein sind schon ein Gewicht. Wenn die sich einig sind, kann man allerhand bewegen.

Was sagen Sie zu Menschen, die meinen: Es lohnt sich nicht, sich für meine Belange einzusetzen, weil ich selbst davon nicht mehr profitiere?

Die Sachen, die wir heute anpacken, bringen uns selbst keine Vorteile mehr – das weiß ich. Wir können nur die Weichen für die Zukunft stellen und darauf hinarbeiten, dass es nachfolgende Generationen besser haben. Da bin ich froh über jeden, der uns unterstützt.

Gibt es denn genug Unterstützung?

Insgesamt sind zu wenig Leute da, die sich um die Belange der Senioren kümmern. Unser Seniorenbeirat könnte zum Beispiel neun Mitglieder haben, aber wir haben keine neunte Person gefunden. Daher sind wir nur acht, von denen wenige wirklich aktiv sind.

Woran liegt das?

Sie haben andere Interessen, sind in die Familie eingebunden. Außerdem haben sie im Ruhestand endlich die Möglichkeit, zu verreisen und das zu machen, was ihnen Spaß macht. Mir macht die Seniorenarbeit Spaß.

Wie bewerten Sie Einbindung des Seniorenbeirats in Gettorf?

In der Gemeinde sind wir voll anerkannt und werden mit allen möglichen Mitteln unterstützt. Wir stoßen parteiübergreifend auf Wohlwollen und haben in der Vergangenheit Veranstaltungen mit hoher Qualität angeboten, die gut besucht waren. Auch sonst haben wir einiges bewegt. Seit zwei Monaten gibt es eine Broschüre für Seniorenarbeit im Dänischen Wohld. Dort kann man alles nachlesen, was für alte Menschen interessant sein könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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