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OHNSORG–THEATER IN STADTHALLE : Patente Hilfe bei der Brautsuche

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Hamburger Theater spielte am Donnerstag vor ausverkaufter Stadthalle „Op Düvels Schuuvkoor“. Die Schauspieler glänzten mit Witz und Situationskomik.

Das war das dralle Theaterleben, knackig und saftig. Für Donnerstag hatte das Ohnsorg-Theater mit dem plattdeutschen Stück „Op Düvels Schuuvkoor“ so viel Vergnügen in die Stadthalle nach Eckernförde gebracht, dass man noch weit nach der Aufführung viele Gäste auf dem Weg nach Hause lachen hörte. Das Stück nahm einen für „Volkstheater“ gewohnten Anfang: Tisch und Stühle auf der Bühne, Fenster an der Rückwand. Doch kaum fingen die beiden ersten Darsteller an zu agieren, dachte man: Hoppla! Da geht wohl bald die Post ab. Die Magd Taline (Beate Kiupel) und Knecht Jan Spin (Wolfgang Sommer) – beide schon recht betagt und lange auf dem Hof – machen sich so ihre Gedanken. Jungbauer Heiko Herkens (Patric Dull) ist noch Junggeselle und hat mehr für den Schnaps übrig als für die Landwirtschaft. Ställe misten, „ausgebüchste Biester“ einfangen? Allein der Gedanke daran ist ihm ein Greuel, und schließlich hat er ja seine „Mit“-Arbeiter.

Unter ihnen ist Marie, das bildhübsche und eher zurückhaltende Flüchtlingsmädchen, das händeringend nach Hilfe ruft. Alleine bekommt sie das Vieh nicht eingefangen – und das würde auch nichts nützen, denn zuerst mal müssten die Zäune repariert werden.

Es muss also was geschehen, nur wie fängt man das am besten an? Was man als Zuschauer zunächst nicht gleich mitbekommt: Taline, die wohl auf dem Hof als einzige die Hosen an hat, weiß guten Rat. Und während die Mannslüüd noch kräftig dem Selbstgebrannten zusprechen, der Gendarm auf Kontrollgang bestechlich einen mithebt, sinnt Taline auf eine List. Schnaps selber zu brennen ist nach dem Krieg so was von verboten, und des Gendarmen lockeres Töchterlein Helga (Luisa Rhöse) gehört erst recht verboten. Sie will sich rauchend, trinkend, lose Sprüche klopfend den Jungbauern angeln – und das gewiss nicht, um ihm bei der Arbeit zu helfen.

Der ist schon ziemlich doon und verlobt sich mit Helga. Er ist erst recht doon, als er auf Talines Vorschlag eingeht: Sie mistet die Ställe aus, und er wird sie heiraten. Wieder nüchtern, stellt er entsetzt fest, worauf er sich da eingelassen hat. Taline könnte seine Mutter sein, und sie spielt die (neue) „Verlobte“ so katzenhaft schnurrend, glaubhaft sexgeneigt und zudringlich, dass allein schon diese Szenen den ganzen Abend wert gewesen wären. Dazu der Knecht mit seinem steten Spruch: „Mien Jung, sei helle, bliev Junggeselle“, die aufgebrachte, schrille Helga, der hilflose Gendarm, der viele schwarz gebrannte Schnaps. Und für den in 30 Flaschen finden Jan und Heiko auch noch ein passendes Versteck – einen verschließbaren Alkoven in der Wand. Taline bereitet glaubhaft die dörfliche Verlobungsfeier mit dem Jungbauern vor. Der kommt aus dem Entsetzen nicht raus. Zu allem Überfluss hat er sich nun auch noch in die kleine, ansehnliche Marie verliebt, mit der zusammen die Arbeit auf dem Hof selbst ihm jetzt richtig Spaß macht. Doch Marie will nicht – Taline zuliebe nicht, der sie für alle Güte und Herzlichkeit in den vergangenen Jahren dankbar ist. Ein nettes, liebes Mädel halt, eines, das man dem „verirrten“ Heiko nur wünschen könnte. Oder will sie doch? Heiko mit gleich drei Verlobten? Das kann nur gut ausgehen. Das helle Verlobungskleid, das sich Taline angeblich zur eigenen Verlobungsfeier schneidern ließ, hat sie für Marie gedacht. Der Gendarm (Dieter Schmitt) schämt sich für seine wilde Tochter, die bei so viel Konkurrenz schimpfend wie ein Rohrspatz abzieht. Jan macht der Taline einen Heiratsantrag, und ein nüchterner Heiko freit die goldige Marie. Alles gut. Nach wenigen Minuten hatte man sich ins Plattdeutsche eingehört und war schnell im Geschehen. Das ging Schlag auf Schlag, ein guter Spruch nach dem anderen, viel Situationskomik war zu sehen, so dass die Schauspieler des Ohnsorg-Theaters die Zuschauer in bester Laune entließen.



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