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Neubau in der Noorstraße : Parkhaus-Fassade aus Keramikstäben

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Siegerentwurf des Fassadenwettbewerbs Parkhaus Noorstraße besteht aus Keramikstäben. Im Rathaus werden alle fünf Entwürfe gezeigt. Als Bauherr treten die Stadtwerke auf, die auch den Parkplatz am Bahnhof um eine Ebene aufstocken wollen.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 06:42 Uhr

Eckernförde | Es geht „nur“ um ein neues Parkhaus in der Noorstraße, doch eines, das bereits jetzt in einem skizzenhaften Vorentwurf für viel Gesprächsstoff sorgt. Gestern stellten der Bauherr, Stadtwerke Eckernförde, und die siegreichen Planer vom Kieler Architekturbüro Ax5 das zukunftsweisende Gebäude am Rande der Innenstadt im Zuge der Ausstellung über die fünf eingereichten Entwürfe für den Parkhaus-Fassadenwettbewerb im Foyer des Rathauses öffentlich vor. Wesentliches Merkmal des siegreichen Entwurfs ist die Transparenz, die durch den vertikalen Einbau von 4100 keramikummantelten Vierkanthohlstäben erzielt wird. Weil die Stäbe im Abstand gesetzt werden, dringt viel Licht ins Gebäude, das dadurch eine gewisse Leichtigkeit erhält. Dunkle Angsträume sollen dadurch vermieden werden.

Das kostenpflichtige Parkhaus wird später über circa 230 Stellplätze auf drei Ebenen verfügen. Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens sagte unserer Zeitung, dass nach dem Abbruch der freigezogenen Stadtwerke-Wohnhäuser etwa im Frühjahr 2015 mit dem Neubau begonnen werden könne. Für eine verlässliche Kostenschätzung („So günstig wie möglich, so teuer wie nötig“) sei es noch zu früh, auch die Höhe der Parkgebühren stehe noch nicht fest. In einem weiteren Schritt werden die Stadtwerke auch den P+R-Parkplatz am Bahnhof um eine Ebene aufstocken und dadurch etwa 250 zusätzliche Parkplätze schaffen. Es soll ein Blockheizkraftwerk integriert werden, mit dem neben der Pestalozzischule auch weitere Verbraucher „bis hin zum Rathaus“ versorgt werden könnten. Auch dieses Parkdeck werde kostenpflichtig sein, sagte Steffens. Da die Stadtwerke als Unternehmen Verluste aus dem defizitären Bereichen Wellenbad, Hafen und demnächst auch Parkhäuser und -decks mit den Gewinnen aus den Versorgungsgeschäften mit Gas, Wasser und Strom verrechnen und steuermindernd geltend machen, müsse das Unternehmen dem Fiskus gegenüber eine Gewinnerzielungsabsicht nachweisen, begründete der Geschäftsführer die Einführung der Gebührenpflicht. Steffens: „Wir können ein Parkhaus schließlich nicht als Hobby betreiben.“

Bürgermeister Jörg Sibbel schlug in seiner Begrüßung den großen Bogen von der Initialzündung für das Großprojekt Nooröffnung vor sechs Jahren über den europaweit ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerb, die Aufstellungsbeschlüsse für die vier tangierten Bebauungspläne bis hin zum künftigen Parkhaus als erstem Baustein für die Nooröffnung. Der Bau wird notwendig, weil die gegenüberliegende Parkpalette vor Aldi im Zuge der Neugestaltung der Nooröffnung demontiert wird.

Die Stadtwerke sind bereits Eigentümer des Grundstücks, die steuerlichen Vorteile aus der Verlustzuweisung im Querverbund des Unternehmens sprechen ebenfalls dafür, dass nicht die Stadt, sondern die 100-prozentige Tochter Stadtwerke als Bauherr auftritt. „Das Geld bleibt in der Familie, das ist eine Super-Sache für Eckernförde“, betonte Stadtwerke-Geschäftsführer Steffens. Das Grundstück wäre nur „bedingt alternativ nutzbar“, weil der Standort am Verkehrsknotenpunkt sich nicht für eine Wohnbebauung eigne, zum anderen verliefen im Erdreich darunter „extrem viele Versorgungsleitungen“. In der Einfahrt zum Parkhaus könnten vier Autos wartend vor der Schranke stehen, ohne dass sich auf der Noorstraße ein Rückstau bilde, so Steffens. Die Ausfahrt sei nur nach rechts in Richtung B 76 geplant. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Verkehrssituation entwickle und ob eventuell auch eine Linksabbiegespur sinnvoll sei. Wer sein Auto abgestellt hat, kommt über zwei Treppenhäuser nach unten und soll über eine fußläufige Querung über die Noorstraße Richtung Innenstadt gelangen. Nach Rücksprache mit den Anwohnern habe man auf ein viertes Parkgeschoss verzichtet, die Höhe des Parkhauses liege somit nicht über den Traufhöhen der Nachbargebäude, es füge sich harmonisch in die Umgebung ein, erklärte Steffens weiter. „Ein Teil des morbiden Charmes Eckernfördes wird verschwinden, dazu soll das Parkhaus beitragen.“

Fünf Architekturbüros, die Mehrzahl aus Eckernförde, sind dem Einladungswettbewerb gefolgt, sagte der Kieler Architekt Dieter Richter, der das Verfahren fachlich betreut und sich freute, dass vier der fünf Büros an der Ausstellungseröffnung teilnahmen. Die Entwürfe seien der Jury – Jörg Sibbel, Dietmar Steffens sowie die Architekten Laust Lorenzen, Klaus Petersen und Jörg Steinbrenner – anonymisiert vorgestellt und von diesen bewertet worden. Das Ergebnis war am Ende einstimmig, sagte Richter. Fassadenkonzeption, Material, Transparenz und die Lichtverhältnisse hätten alle überzeugt. Durch die gläserne Front im Erdgeschoss und die lichte Stabkonstruktion komme dieses Parkhaus ohne Dunkel- und Angsträume aus, hob er die besonderen Vorzüge des Entwurfs hervor.

Architektin Johanna Ruge vom Büro Ax5 ging anschließend ins Detail. Man habe bei der Fassadengestaltung die typische Giebelfront und kleinteilige Struktur in abstrakter Form übernommen und der Parkhaus-Silhouette einen „leichten Schwung“ verliehen. Klaus Petersen, Architekt des Siegerentwurfs für die Nooröffnung, lobte das transparente Wettbewerbsverfahren und den Entwurf selbst, er sei prädestiniert für diesen Standort. Die Pläne würden später dem Gestaltungsbeirat vorgelegt.

Kritische Stimmen zur Verkehrsführung und möglichen Gefährdung von Schülern der Dänischen Schule wurden aufgenommen, diskutiert und für eine spätere Aufarbeitung notiert.

>Die Ausstellung der fünf Wettbewerbsentwürfe ist bis zum 28. Januar im Foyer des Rathauses zu sehen

 

 

 

 

 

 

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