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Kinderstation Eckernförde : Pädiatrisches Netzwerk als Stationsersatz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Beratungszeit für den Aufsichtsrat: Bis Ende Februar muss eine Entscheidung über die Zukunft der Kinderstation getroffen werden. Auch die Belegärzte haben ihre Vorstellungen.

Eckernförde | „Es ist keine Gefahr im Verzug, die Geburtshilfe ist sichergestellt.“ Dieses Bekenntnis zum Erhalt der Entbindungsstation in der Imland Klinik Eckernförde durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Thorsten Schulz stand am Mittwochabend in der Pressekonferenz der Imland Klinik zwar nicht im Fokus, spielte aber dennoch eine Rolle. Die Aussage des Aufsichtsratsvorsitzenden untermauerte nochmals den hohen Stellenwert der beliebten und mit über 800 Geburten in diesem Jahr sehr stark gefragten Entbindungsstation.

Vor vier Jahren stand sie auf der Kippe, jetzt die Kinderstation. Die Fortführung des stationären Eigenlebens mit einer ärztlichen Rund-um-die-Uhr-Betreuung scheint nach dem Ausstieg der beiden Beleg-Kinderärzte zum 1. November derzeit trotz der öffentlichen Proteste (siehe nebenstehenden Bericht „Bürgerinitiative: Schließung der Kinderstation gefährdet die Geburtshilfe“) wenig wahrscheinlich. Nach den Ausführungen der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates deutet allerdings vieles darauf hin, dass zumindest die drei Betten erhalten werden, dass es eine Präsenz durch Kinderärzte der Imland Klinik von 8 bis 12 Uhr geben wird und dass danach von 12 bis 8 Uhr des Folgetages eine pädiatrische Rufbereitschaft greift. Die Schließung der Kinderstation wäre zwar ein Verlust – das sieht auch die Ärztliche Direktorin Petra Struve so – doch das medizinische Netzwerk aus stationärer und ambulanter Versorgung, aus Vormittagsdienst und Rufbereitschaft in Verbindung mit der medizinischen Versorgung junger Patienten auf allen anderen Stationen der Klinik, in der Anlaufpraxis sowie in den Praxen der niedergelassenen Ärzte sei dennoch eng geknüpft. Notfälle und schwerere Erkrankungen wie Pseudo-Krupp würden schon jetzt per Rettungswagen zur Behandlung in die umliegenden Spezialabteilungen gefahren.

In der pädiatrischen Belegklinik sind 2015 nach Angaben der Klinik 404 Neugeborene, Kinder und Jugendliche stationär behandelt worden. Davon 192 Neugeborene aus der Geburtshilfe, 25 junge Patienten wurden von niedergelassenen Ärzten eingewiesen, 187 kamen über die Notaufnahme, wobei es sich zumeist um leichtere Erkrankungen gehandelt habe, so die Klinik. Außerhalb der Kinderstation seien 204 Kinder stationär in der Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie und Inneren Medizin behandelt worden.

Die im Februar anstehende Entscheidung über die Pädiatrie steht auch im Zusammenhang mit dem Konzept „Imland 2020“. „Wichtig ist, dass die Standorte Rendsburg und Eckernförde dauerhaft gesichert werden und in öffentlicher Trägerschaft bleiben“, wies Aufsichtsratsvorsitzender Schulz auf die angespannte wirtschaftliche Situation hin.

Der Eckernförder Kinderarzt Dr. Sven-Arne Zeller ist einer der beiden Belegärzte, die ihre Tätigkeit jetzt eingestellt haben. „Es stimmt nicht, dass wir die Kooperation gekündigt haben“, sagt er auf EZ-Anfrage. Bis Oktober hätten er und ein Kollege 9 bis 10 Dienste im Monat übernommen, aufgrund massiver Personalprobleme bei den Imland-Kinderärzte sei ihnen dann mitgeteilt worden, dass sie nun 24 Dienste zu übernehmen hätten. „Zwei bis drei Dienste pro Woche – das können wir nicht“, sagt Zeller, der wie sein Kollege in erster Linie eine Praxis zu führen hat. Der Ausstieg war also keine freie Entscheidung. Nach wie vor wäre er bereit, im Umfang wie bisher auf der Kinderstation mitzuarbeiten und Dienste auf Honorarbasis zu übernehmen. Ein Belegarztsystem mit nur zwei beteiligten Kinderärzten würde hingegen nicht funktionieren. Denkbar wäre eventuell auch, Betten und Personal von Rendsburg nach Eckernförde zu verlegen, sagt Dr. Zeller.

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erstellt am 09.Dez.2016 | 06:06 Uhr

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