zur Navigation springen

Partnerschaft : Ostseeküste und Ägäis rücken zusammen

vom

Auftakt für eine intensive "Know-how-Partnerschaft" gelegt. Schwerpunkte Bildung, Tourismus, Gesundheit, Landwirtschaft und Umwelttechnik.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 07:52 Uhr

Eckernförde | Fotis Hatzidiakos, Vizegouverneur der Süd-Ägäis, saß im Eckernförder Rathaus, war aber per SMS stets auf dem Laufenden über die Geschehnisse in seiner Heimat. Und die hatten es in sich: "Ich habe vor einer Minute eine SMS bekommen, dass auf Leros die Mülldeponie brennt", übersetzte der Dolmetscher. Genau solche Szenarien sollen künftig durch die "Know-how-Partnerschaft" zwischen der Süd-Ägäis und der Küstenregion im Norden vermieden werden. Es sollen mit Hilfe aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde moderne Abfallanlagen gebaut werden, die den Müll professionell beseitigen und Unglücksfälle verhindern.

Das ist nur eines von vielen möglichen Projekten, die die Süd-Ägäis und der Kreis Rendsburg-Eckernförde künftig gemeinsam auf den Weg bringen wollen. Führende Vertreter aus den Regionen und der aus Berlin angereiste Koordinierungsstab unter Leitung des Beauftragten der Bundeskanzlerin für die Deutsch-Griechische Versammlung und des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Hans-Joachim Fuchtel, haben gestern im Eckernförder Rathaus die Partnerschaft besiegelt. Ziel ist eine sehr schnelle Kooperation und ein direkter Austausch auf Fachebene in den Bereichen Abfallwirtschaft, Gesundheitswesen, duale Ausbildung, öffentliche Verwaltung, Landwirtschaft und Tourismus.

Ausgangspunkt für die neu entwickelten deutsch-griechischen Aktivitäten auf regionaler Ebene war eine Anfrage aus der Süd-Ägäis nach einer Know-how-Partnerschaf mit Firmen oder Institutionen an der Ostseeküsten. Was lag für Fuchtel näher, als seinen Rendsburg-Eckernförder Bundestagskollegen Dr. Johann Wadephul (CDU) zu bitten, vor Ort ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen. Mit Erfolg: Gestern saßen zahlreiche Spitzenvertreter aus der Region mit der vierköpfigen Delegation aus Griechenland unter Leitung des Vizegouverneurs Fotis Hatzidiakos und in Begleitung des deutschen Honorarkonsuls für die Süd-Ägäis, Dr. Dimitrios Giortsos, am Tisch. Es wurde konkret an den Schwerpunktthemen gearbeitet und ein erster Partnerschaftsbesuch in Griechenland nach den Sommerferien vereinbart. Daran teilnehmen sollen Vertreter der für einen Austausch in Frage kommenden Einrichtungen, fünf Verwaltungsexperten haben bereits zugesagt - Wadephul rechnet mit weiteren Meldungen. Auch Firmenvertreter und Handwerker, die den Austausch als persönliche, personelle und wirtschaftliche Bereicherung sehen, sollen nach dem Motto "business to business" mit auf die reizvolle Reise auf die Inseln Kos, Kalymnos und Leros gehen. "Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer", so Wadephul.

Der Netzwerker wird nun eine Teilnehmerliste zusammenstellen, sie mit Vizegouverneur Hatzidiakos abstimmen und mit ihm und Fuchtel eine Delegation für den Erstbesuch in der Süd-Ägäis zusammenstellen. "Wenn wir wissen, was wir machen können, packen wir es an", legte er Entschlossenheit an den Tag, um die Partnerschaft möglichst schnell mit Leben zu erfüllen . "Wir werden dafür sorgen, dass es umgesetzt wird", versprach der Vizegouverneur, der wie seine Landsleute auf den drei Inseln mit zusammen 52 000 Einwohnern größtes Interesse an dem Austausch hat. Wadephul wurde konkret: Im Tourismus fehlten in Schleswig-Holstein 1000 Auszubildende - in Griechenland suchten junge Menschen Arbeit. "Es macht Sinn, sie hier auszubilden". Ausufernde Müllberge, "die teilweise schon ins Meer rutschen", machen den Griechen größte Probleme. "Wir können ein Entsorgungskonzept für die Region konzipieren", so Wadephul. Tourismus und Gesundheitswesen könnten nach dem Vorbild Damps zusammenarbeiten und medizinische Behandlungen mit touristischer Erholung verbinden. Das würde auch für die dringend benötigte Saisonverlängerung auf den Inseln sorgen. Damp wolle sich einbringen, die Imland-Kliniken ebenfalls, der Dehoga hat Interesse an Auszubildenden aus Griechenland und die Deula und die IHK wollten sich ebenfalls ins Projekt einklinken. Insgesamt zeigte sich Wadephul mit dem Auftakt in Eckernförde und der großen Resonanz sehr zufrieden: "Meine Erwartungen wurden übertroffen."

Griechenland-Beauftragter Fuchtel verwies auf das Know-how in den deutschen Kommunen. "Das sind wahre Schatzkisten, die nun in den Zeiten der Krise für diejenigen geöffnet werden, die daraus Nutzen ziehen können." Es gelte nun, die freundschaftliche Verbundenheit durch "Erfahrungsbrücken" und auf Augenhöhe zu bereichern. Fuchtel sprach von einer "unglaublichen Win-Win-Situation" für beide Seiten. Unterstützung erhofft er sich auch von den über 100 000 "silver stars" - ehemaligen Gastarbeitern, die Deutsch sprechen und jetzt wieder in Griechenland leben.

Vizegouverneurs Fotis Hatzidiakos, einst selbst Gastarbeiter in Deutschland, und der Präsident des Hotelverbandes von Rhodos, Antonios Kampourakis, hoffen auf ein breites deutsch-griechisches Netzwerk zwischen Rendsburg-Eckernförde und der Süd-Ägäis. Man brauche das Know-how aus dem Norden, habe aber auch selbst viel für den Austausch zu bieten. Hatzidiakos und Kampourakis nannten die Fremdenverkehrsschule auf Rhodos, die Schule für ärztliche Dienstleistungen auf Kos, der Heimat des Hippokrates, oder die Schifffahrtsschule auf Kalymnos.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen