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musik für die seele : Oratorium von einem überragenden Chor

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der St.-Nicolai-Chor und das Ensemble Ars Musica führten am Sonntag Bachs Weihnachtsoratorium auf. Sowohl die Sänger als auch die Musiker glänzten durch hohe Kunst.

Eckernförde | Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehört für viele zum Weihnachtsfest wie Tannenbaum und Heiligabend. Am 4. Adventssonntag konnte man dieses Oratorium (Teil 1 bis 3) in der St.-Nicolai-Kirche hören.

Es war der späte Nachmittag, als der vielköpfige St.-Nicolai-Chor den Altarraum füllte, die Musiker des „Ensemble Ars Musica“ aus Flensburg ihre Plätze davor bezogen. Die Pauke war aufgestellt, die Kronleuchter und die vier Kerzen am großen Kranz leuchteten – erwartungsvolle Stille in der Kirche. Und dann – mit Paukenschlag und Trompeten, mit allen Stimmen und allen Instrumenten ein großer gemeinsamer Jubel. Immer wieder überwältigend und jedes Mal aufs Neue die gleiche Wirkung: Man wird als Zuhörer überrollt von dieser mächtigen Welle aus unbändiger Freude: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage…!“ Ob man nun selber mitsingt – bei der Lautstärke sicher nicht störend – oder ob man schluckt, weil die Rührung aufsteigt und weil man so berührt am liebsten weinen möchte, dieser Auftakt zum Oratorium ist ein Phänomen. Hier ist es Bach wohl gelungen, Unvergleichliches zu komponieren.

Und wenn sich der begnadete Komponist etwas hätte wünschen dürfen, dann mit Sicherheit diese Interpreten seines Werks. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski sang „ihr“ Chor beseelt, hoch motiviert, selbst ganz getragen von Freude und Begeisterung. Ein gemeinsamer Gesang, diffizil gefächert und doch wie aus einem Guss. Man hat diesen ohnehin sehr guten Chor wohl selten so strahlend und einig erlebt.

Von den Musikern aus Flensburg lässt sich Vergleichbares berichten. Sie ordneten sich dem Chor bei und trugen mit ihrem gekonnten Instrumentalspiel ausgewogen zum akustischen Gesamtergebnis bei. Mal ganz abgesehen von den Ausnahmen, in denen einzelnen Instrumenten eine ganz besondere und tragende Bedeutung zukam.

Wer gehörte noch zum Zauberkreis der Bachschen Musikinterpreten? Mit Karola Hausburg (Alt), Nicholas H. Smith (Tenor) und Jonathan de La Paz Zaens (Bass) nicht genug, auch Katja Kanowski gehörte zu den Solisten. Sie hatte zwar das Dirigat in Händen, verließ aber dann und wann ihre Partitur, um selber die Sopranstimme zu übernehmen.

Die Solisten berichteten vom Weihnachtsgeschehen, sangen die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie alle kennen (Lukas 2). Im Wechsel mit dem Chor und den Instrumentalpassagen – oder als Teil des gesamten Musikrausches – glänzten sie mit ihren herrlichen Stimmen.

Wenn Karola Hausburg – zur erwarteten Geburt des Christkinds – sang „Bereite dich Zion mit zärtlichen Trieben, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehen“, dann ging es ebenso unter die Haut wie Marias himmlisch ruhiges Wiegenlied oder „Großer Herr, o starker König…“, gesungen mit machtvoller Bassstimme. Dazwischen Choräle, deren Texte und Melodien viele auch sonst schon kennen: „Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn’ich dir?“

Eine Passage nur für das Instrumental-Ensemble: Der Konzertmeister war ganz kurzfristig krank geworden, konnte sein Geigen-Solo nicht selber spielen. Eine Geigerin aus dem Ensemble übernahm mutig seinen Part und brachte in der großen Kirche ein vorzügliches Solo – das Herzklopfen dabei war fast zu hören.

„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippen.“ Die Freude ist still und groß. Es gibt ein zartes Intermezzo mit Querflöte, gezupftem Bass und zwei Celli. Der große Engel kommt herbei, erscheint den Hirten auf dem Feld. „Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude!“ Sie vernehmen die frohe Botschaft – sie laufen zur Krippe. Es erschienen die himmlischen Heerscharen, die sprachen „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Frieden auf Erden – ein großer Wunsch.

Noch einmal grenzenloser musikalischer Höhenflug für den „Herrscher des Himmels“, dann Stille, bevor tosender Applaus begann.


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