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„Operation Sophia“: Menschenrettung im Mittelmeer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit Juli 2015 ist der „Tender Werra“ aus Kiel auch mit Eckernförder Soldaten an Bord im Mittelmeer vor der libyschen Küste im Einsatz. Die Ausrüstung des Versorgers wurde ganz auf die Rettung von Flüchtlingen in Seenot umgestellt. Ein Sonnendeck mit der entsprechenden Versorgung ist der erste sichere Platz für die Menschen, die ihre Heimat verzweifelt verlassen haben. Anhand detaillierter Videos schilderte Kapitänleutnant Mark Köppe beim Wintervortrag der Bundeswehr zum Thema „Operation Sophia“ im Marinestützpunkt vor rund 100 Gästen die Einsatzszenarien. Die Zuhörer konnten zumindest erahnen, welch schwierige Aufgabe die Besatzung bei der Flüchtlingsrettung zu bewältigen hat.

Im Mai 2015 wurde die European Union Naval Force Mediterranen durch die EU- und Verteidigungsminister eingerichtet, eine Aktion gegen die Schleuser vorzugehen, die das Leben von Menschen aufs Spiel setzen und aus der Not dieser Menschen ein Geschäft machen. Den Namen „Operation Sophia“ ist einem kleinen somalischen Mädchen zu verdanken, dass an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“zur Welt kam.

Der Einsatz beginnt mit dem Orten der Schiffe, meistens sind es Schlauchboote oder Holzschiffe, die meist so voll von Flüchtlinge sind, das kaum Bewegungsfreiheit auf den Schiffen besteht. Die Besatzung ist dafür ausgerüstet, von wasserdichten Anzügen bis hin zum Mundschutz, um sich vor Seuchen zu schützen. Die Flüchtlingsboote werden vorsichtig angefahren, um eine Panik an Bord zu vermeiden. „Meist können wir die Boote schon vorher riechen, bevor wir sie sehen“, berichtet der Kapitänleutnant von den katastrophalen hygienischen Zuständen an Bord. Die Bergung der entkräfteten Menschen erfolgt routiniert, sie werden in Bergungsboote gesetzt und zum Tender gebracht. Dort werden die Flüchtlinge untersucht, erfasst, gefährliche Utensilien werden abgenommen und vermerkt. Jeder der Flüchtlinge erhält eine Decke, Essen und Trinken und ist das erste Mal seit langem in Sicherheit. Erschreckend seien die Bilder der kleinen Kinder. Die Soldaten versuchen so einfühlsam wie möglich mit den Hilfe suchenden Menschen umzugehen. Fast alle Menschen seien traumatisiert. Um etwaige Hinweise auf Schleuser zu bekommen, versuchen die Marinesoldaten die Außenbordmotoren zu bergen, damit über deren Nummer weitere Nachforschungen möglich sind. Seit Beginn der Operation hätten Einheiten des Verbandes mehr als 330 Schleuserboote zerstört, diese würden auf See verbrannt, erzählt Köppe. Aufgrund der hohen emotionalen Belastung würden die Mannschaften meist alle zwei Monate ausgewechselt. Innerhalb von zwei Monaten habe der Tender Werra 1046 Menschen gerettet, seit Beginn der Beteiligung deutscher Schiffe an der Seenotrettung Mittelmeer hätten deutsche Marinesoldaten 19  100 Menschen aus Seenot gerettet.


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