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Regencape statt edler zwirn : Open-Air-Gala bei strömendem Regen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der strömende Regen vermieste vielen Besuchern die Lust an dem Operngenuss. Dennoch- Das Nabucco-Ensemble sang gegen den Regen an und bekam viel Applaus.

Neid, Gier nach Macht, Geschichte um Liebe und Hass, Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“, zur Zeit des Alten Testaments spielend, war am Sonntagabend aufgrund des strömenden Regens nur etwas für hart gesottene Opernfans, die in diesem Fall ihre festliche Abendgarderobe gegen Ostfriesennerz und Gummistiefel tauschten. Als einer der größten Opern der Musikgeschichte hat sich Verdis Werk in vier Akten als wunderbares Open-Air-Spektakel in zahllosen Aufführungen etabliert und konnte trotz der widrigen Wetterumstände dem 800-köpfigen Publikum den gebührenden Beifall entlocken. Aufgeführt von der Festspieloper Prag, sorgten 90 Mitwirkenden für eine perfekte Darbietung.

In der Titelfigur Nabucco, dem König von Babylonien, brillierte Andrij Shkurhan mit exzellentem Bariton, der begnadeten russischen Bassist Jurij Kruglovin fand sich in der Rolle des Nabucco-Antipoden „Zaccharia“ wieder. Ließ zu Beginn eine kurze Regenpause noch hoffen, hielten dann im Verlauf nicht mehr alle Zuhörer durch und einige verließen bis auf die Haut durchnässt, vorzeitig die Sitzreihen. „Die hätten den Gefangenenchor vorziehen sollen“, sagte eine Zuschauerin eher scherzhaft, die durchnässt nur für den berühmten Chor noch bis zum Ende des dritten Aktes durchhielt.

Auch für Heike Lehmann-Fiß aus Holtsee hat der Chor an diesem Abend eine besondere Bedeutung, gehört sie doch zusammen mit Peter Iles zu den Gewinnern einer Statistenrolle, die beim Gefangenenchor mit auf die Bühne und „Va, pensiero“ – „Flieg, Gedanke“ mitsingen durften. „Ich war zum ersten Mal in der Oper“, gab Heike Lehmann-Fiß zu. „Ich könnte mir jetzt aber vorstellen, wieder hinzugehen.“ Als Gewinnerin der EZ-Verlosung durfte sie vor und nach ihrem Auftritt in der zweiten Reihe Platz nehmen. „Perfekter Platz“, freute sich die Holtseerin.

Zwei Handlungsstränge sind in Verdis Werk ineinander verflochten: Auf der einen Seite ist es die Geschichte der Juden, die sich aus babylonischer Herrschaft befreien wollen, auf der anderen Seite ruft sich der babylonische König Nabucco als Gott aus, wird wahnsinnig, von der Tochter kaltgestellt und ist am Ende geläutert. Für Romantiker wird alles verbunden mit einer Liebesgeschichte, die am Ende gut ausgeht, denn im Mittelpunkt steht die Treue eines Mannes, gefolgt vom Opferwillen der Geliebten.

Komponiert 1841 von Verdi, stammte der Text von Temistocle Solera, wurde am 9. März 1842 im Mailänder Teatro alla Scala uraufgeführt und für die damaligen Zeit als Riesenerfolg 57 Mal in der Folgespielzeit wiederholt.

Schade, dass im Verlauf das Publikum immer weniger wurde. An der dargebotenen Leistung lag es jedoch keinesfalls. Hätte das Wetter wie noch wenige Wochen zuvor mitgespielt, wäre es unter der Globetrotter Lodge am Aschberg ein grandioser Abend geworden.



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