zur Navigation springen

Thomas Mann an der See : OIC wird zum Literaturhaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Erzähl mir Meer!“ - Geschichten von der See“ macht vom 1. Juli bis 4. September Station im Ostsee Info-Center.

von
erstellt am 09.Jun.2016 | 06:44 Uhr

Eckernförde | Das Ostsee Info-Center (OIC) zwischen Hafen und Strand ist bekannt für seine naturpädagogische Arbeit, das Fühlbecken und die Aquarien mit einheimischen Fischen von der Seenadel bis zum Dorsch. Das OIC ist aber immer auch für Überraschungen und besondere Aktionen und Veranstaltungen bekannt. Eine davon steht Anfang Juli bevor: „Erzähl mir Meer!“ - Geschichten von der See“, Thomas Mann und das Buddenbrookhaus Lübeck sind zu Gast in Eckernförde. In Kooperation mit dem Lübecker Buddenbrook-Haus und der Abschlussklasse der Kaufmännischen Assistenten, Schwerpunkt Fremdsprache des Berufsbildungszentrums Eckernförde an der Fischerkoppel zeigt das OIC 100 Texte unterschiedlichster Art zum Thema Meer, die in vielfacher Version zum Mitnehmen an den Wänden des OIC ausgehängt sind. OIC-Leiter Claus Müller hat sich die Restauflage der Lübecker Ausstellung – rund 2000 Blätter – gesichert. Er selbst ist Germanist und hatte Thomas Mann einst als Prüfungsthema. Die Prüfung muss gut gelaufen sein, denn Müllers Wertschätzung für den Lübecker Schriftsteller ist geblieben.

Bezugspunkt für diese Ausstellung ist das Hanno-Kapitel aus den „Buddenbrooks“. „Sommerferien an der See! Begriff wohl irgend Jemand weit und breit, was für ein Glück das bedeutete?“ So beginnt das Kapitel aus „Buddenbrooks“, in dem der kleine Johann Buddenbrook, kurz Hanno, seine Sommerferien in Travemünde verbringt. Hanno liebt den Aufenthalt am Meer über alles, doch sein sorgloses Glück verrinnt mit jedem weiteren Tag – schon bald muss er zurückkehren zu einem trostlosen Alltag mit einem enttäuschten Vater, spottenden Mitschülern und strafenden Lehrern.

Thomas Manns Texte sind reich an solchen Aufenthalten am Meer, bei denen nicht nur Glück und Freiheit, sondern immer auch das nahende Ende und der Tod mitschwingen. Sie stehen damit in einer langen kulturellen Tradition, die das Meer als zwiespältigen Sehnsuchtsort verehrt. Die Ausstellung „Erzähl mir Meer! Geschichten von der See“ inszeniert auf spannende Weise das ‚Hanno-Kapitel’ des Romans Buddenbrooks, in dem Hannos glückliche Ferientage in Travemünde geschildert und ambivalent aufgeladen werden. „Erzähl mir Meer!“ verortet diesen Textausschnitt im kulturellen Gedächtnis des Meeres, das aus zahlreichen literarischen Texten, Bildern und Liedern besteht, und bringt dem Besucher diese Zwiespältigkeit nahe durch eine Flut von Texten zum Thema Meer.

Im Sommer 2015 zeigte das Buddenbrook-Haus Lübeck als „Laborausstellung“ neue Möglichkeiten für die Inszenierung von Literatur im musealen Raum. Verantwortlich für die Ausstellung ist die aus Eckernförde stammende Caren Heuer. Die wissenschaftliche Projektkoordinatorin hat in Zusammenarbeit mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg neue museale Vermittlungsweisen erprobt. Im Zentrum der Ausstellung stehen 100 Texte verschiedenster Gattungen und Herkunft – von Thomas Mann bis Udo Lindenberg, von Goethe bis Ringelnatz, von Max Kruse bis Siegfried Lenz, von Silbermond bis Franz Kafka. Die Besucher können die vervielfältigten Textproben nach eigenem Belieben in einem Folder zu einer eigenen Meer-Text-Sammlung zusammenfügen. Die – ausreichend großen – Restbestände aus der Lübecker Ausstellung werden nun für zwei Monate im Ostsee Info-Center Eckernförde in gleicher Weise interessierten Besuchern angeboten. Ein weiteres Element der Lübecker Ausstellung bestand darin, die Besucher selbst an der Ausstellung zu beteiligen, indem sie sie mit ihren persönlichen Erinnerungen ans Meer die Textsammlung beständig erweitern konnten: Die eigenen Beiträge wurden gescannt und projiziert.

Inwieweit eine vergleichbare Installation in Eckernförde möglich sein wird, ist noch offen.

Der Teil des Lübecker Ausstellungskonzeptes, der sich in Wort, Ton- und Lichtinstallationen mit dem Hanno-Text auseinandersetzte, wird in Eckernförde – vor allem aus Platzgründen – nicht einbezogen. Stattdessen soll bei der Eröffnung am Dienstag, 5. Juli, sowie in weiteren Veranstaltungen die Hanno-Episode und die literarische Auseinandersetzung mit dem Thema „Meer“ in den Mittelpunkt gestellt werden. Daran werden sich Schüler sowie Künstler aus Eckernförde beteiligen. Unter anderem wird auch der dem Meer sehr verbundene Pastor Manfred Adam aus seinem Gedichtband „Morgen am Meer“ vorlesen. Eventuell kommt im Rahmen der Ausstellung auch das „Bukolische Tagebuch“ des Eckernförder Naturlyrikers Wilhelm Lehmann zum Einsatz. Die Ausstellung ist – in enger Zusammenarbeit mit dem Buddenbrookhaus – vom 1. Juli bis 4. September im Ostsee Info-Center Eckernförde zu sehen.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen