zur Navigation springen

Anti-Windkraft-Kundgebung auf dem Rathausmarkt : Ohnmacht und „mafiöses Gehabe“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Windkraft-Gegner protestieren auf dem Rathausmarkt und fordern eine offene Auseinandersetzung über die Gefahren der Windkraftanlagen. Betroffene berichten von gesundheitlichen und wirtschaftliche negativen Auswirkungen.

Eckernförde | Um auf die Gefahren von Windrädern aufmerksam zu machen, hat der Landesverband „Für Mensch und Natur – Gegenwind aus Schleswig-Holstein“ die Öffentlichkeit mobilisiert und am Sonnabend eine Kundgebung auf dem Rathausmarkt mit weit über 100 Teilnehmern organisiert. Als wichtigste Redner trat dabei ein Ehepaar aus Oesterwurth im Kreis Dithmarschen auf. Zudem sprachen die 1. Vorsitzende des Landesverbandes Dr. Susanne Kirchhof aus Holtsee, der 2. Vorsitzende der Bundesinitiative „Vernunftkraft“, Detlef Ahlborn, und Frank Dreves aus Rieseby, Heiko Böhringer und Norbert Schumacher aus Mecklenburg-Vorpommern.

Christel und Peter Siegert aus Oesterwurth traten zwar als letztes auf, berichteten aber aus persönlicher Erfahrung und berührten die Kundgebungsteilnehmer auch emotional. Nachdem beide in Rente gegangen waren, zogen sie 2007 von Hamburg nach Schleswig-Holstein. „Davon hatten wir schon Jahre geträumt. Wir haben ein schönes Haus gebaut und uns auf die Zeit gefreut“, blickt Christel Siegert zurück. Das Ehepaar baute sich ein Haus und zog in der oberen Hälfte ein, unten wollten sie zwei Ferienwohnungen vermieten. Für das Paar schien ein Traum in Erfüllung zu gehen. Eines Morgens aber gegen 4.30 Uhr sei das Paar durch ein Donnern geweckt worden. „Es hörte sich an, als würden Panzer über die Straße fahren“, erinnert sich Christel Siegert. Aber es waren Lastwagen, die Teile für Winkraftanlagen brachten. Der Bürgermeister habe gesagt, es sei eine „reine Lückenbebauung“, und das sei nun mal der „Beitrag zu Energiewende“. Anfangs sollten dort 14 Mühlen entstehen. Heute stehen hinter dem Haus 20 Mühlen. Einige sind 200 Meter hoch und stehen nur 400 Meter vom Haus entfernt. „Als sie das Fundament in den Boden getrieben haben, sind bei uns am Haus Stürze, Fenster und Türen gerissen“, sagt Siegert aufgebracht. Auch Gäste blieben aus, denn sie wollten nicht in einem Industriegebiet Urlaub machen. „Das war gar nicht mal das Schlimmste. Kurz darauf erlitt Peter einen Schlaganfall aufgrund des Stresses. Nachdem er wieder zu Hause war, kam noch ein Herzinfarkt dazu. Und bei mir wurde Krebs diagnostiziert. Heute wissen wir, dass der Infraschall der Anlagen dafür mitverantwortlich ist“, sagt Christel Siegert.

Unter Infraschall versteht man akustische Signale im Niederfrequenzbereich, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind. Im Bereich von Windkraftanlagen würden sich Meldungen über Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit häufen. Dies soll auf den Infraschall zurückgehen. Peter und Christel Siegert wollten eigentlich wegziehen, da sie es nicht mehr aushalten und ihre Klagen allesamt gescheitert sind. „Doch die Bank sagte uns, dass unser schönes, neues Haus nicht mal beleihungswürdig ist.“ Schlussendlich hatte Christel Siegert noch einen Tipp parat: „Wenn die erste Mühle steht, ist es vorbei. Man muss vorher intervenieren“.

Frank Dreves aus Rieseby dankte am Beginn der Kundgebung allen, die gekommen waren. Er forderte die Teilnehmern auf, sich gegen die Verschandelung der Landschaft aufzulehnen. Dr. Susanne Kirchhof unterstütze ihn. Vor zwei Jahren habe sie an Umweltminister Robert Habeck geschrieben, um sich über den flächendeckenden Ausbau von Windkraftanlagen zu beschweren. Als Antwort habe sie nur eine lapidare Antwort von einem Mitarbeiter bekommen. „Die Regierung scheut die Diskussion“, sagt Kirchhof. Ihr Landesverband habe mehrere Symposien mit Expßerten organisiert, es sei nie jemand aus der Regierung gekommen. Das erneut eine Technologie als Allheilmittel vorgestellt werde, ohne dass man über die Gefahren nachdenkt, könne nicht hingenommen werden. Zudem sei eine Entfernung von 800 Metern zu geschlossenen Ortschaften nachweislich zu gering für die Schallemissionen. „Die Richtlinien sind falsch, und die Regierung weiß das“, sagt Kirchhof. Bei der Energiewende gehe es vor allem um viel Geld. „Schon jetzt sehen wir uns mit mafiösem Gehabe in den eigenen Gemeindevertretersitzungen konfrontiert“, bedauert Kirchhof. Noch im Januar habe Ministerpräsident Torsten Albig betont, dass man die Sorgen der Bürger ernst nehmen wolle. „Keine zwei Wochen später schickte er ein Dokument nach Berlin, um den ungezügelten Windkraftausbau zu fordern.“

Auch Detlef Ahlborn, 2. Vorsitzender der Bundesinitiative „Vernunftkraft“, wies auf die Gefährdung der Gesundheit hin. Er stütze sich auf Aussagen „finanziell unabhängiger Wissenschaftler und des Bundesrechnungshofes“, wonach die Energiewende mit Windkraft nicht möglich sei. „Was alle vergessen ist, dass bei Windstille eine Mühle keinen Strom produziert“, sagte Ahlborn. Und wenn aber Wind da sei, werde schon heute viel zu viel Strom produziert. „Der wird dann in Polen und Tschechien verramscht“, sagt Ahlborn. Er beklagt, dass die Politik seine Initiative in die populistische Ecke stelle. „Wir kommen aus der Mitte der Gesellschaft und sind keine Populisten oder Wutbürger“, so Ahlborn. Die geforderten 6000 Windräder in Schleswig-Holstein würden bedeuten, dass alle 1600 Meter ein Windrad steht. „Dann leben wir in einem Windradwald. Das ist auch eine Art von Aufforstung.“ Auch finanziell sei die Belastung groß. So würde die EEG-Umlage jedes Jahr 24 Millionen Euro kosten – Großverbraucher zahlten hingegen nichts. Auch die Initiative „Freier Horizont“ aus Mecklenburg-Vorpommern schickte Grüße nach Eckernförde. Diese Kundgebung sei nur der Anfang.


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Jun.2016 | 06:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen