"Ohne Bäume geht es nicht"

Mindestens 200 Jahre alt sind die Linden, die den Weg zum Gut Lindau säumen. Foto: Meise (2)
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Mindestens 200 Jahre alt sind die Linden, die den Weg zum Gut Lindau säumen. Foto: Meise (2)

Lindenallee in Lindau: Privatleute pflegen letztes Zeugnis des gartenkulturellen Schaffens der berühmten uradeligen Familie Ahlefeldt

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13. Juli 2012, 07:24 Uhr

Lindau | Als sie sich 2010 ihren Traum vom Wohnsitz auf dem Lande erfüllten, ahnten Juliane Schiffbauer-Gruber und ihr Mann nicht, was mit dem Kauf des Grundstücks in ihr Eigentum über ging: eine der ältesten, noch relativ geschlossen erhaltenden Lindenalleen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Mittlerweile steht die Lindauer Lindenallee unter Denkmalschutz.

Jahre lang war an den mehr als 30 Meter hohen Bäumen nichts gemacht worden. "Es steckte ganz viel Totholz drin, wir hatten Angst, dass beim Sturm was herunterfällt", erinnert sich Juliane Schiffbauer-Gruber. Um die Verkehrssicherheit für sich selbst, aber auch die Bewohner, Mitarbeiter und Besucher des Seniorenheims im Gut Lindau, das ebenfalls über die Allee angefahren wird, sicher zu stellen, war schnelles Handeln angezeigt. Die neuen Eigentümer der Straße, die als letztes Zeugnis des gartenkulturellen Schaffens der berühmten uradeligen Familie Ahlefeldt gilt und daher von besonderem historischen Wert ist, wandten sich mit der Bitte um Unterstützung an verschiedene Stiftungen - jedoch vergebens. Beim Landesamt für Denkmalpflege stieß das Anliegen schließlich auf Interesse. Unter der Auflage, dass ein Fachmann die mindestens 200 Jahre alten Linden saniert, wurde die Allee unter Denkmalschutz gestellt. Dafür war neben der historischen Bedeutung auch ausschlaggebend, dass sie die umliegende Agrarlandschaft auf herausragende Weise prägt, "so dass ihr eine besondere die Kulturlandschaft prägende Bedeutung zukommt", wie auf Blatt 218 in Band K des Denkmalbuchs zu lesen ist. "Ihr Schutz und ihre Erhaltung liegt daher im öffentlichen Interesse."

Der Auflage kamen Juliane Schiffbauer-Gruber und ihr Mann nach, investierten zudem ungezählte Stunden Handarbeit in das Freischneiden der Stämme von Grün am Wegesrand und ließen die mit Fichten bewachsene Fläche hinter dem Zugbrunnen, den die Freie Wählergemeinschaft Lindau in ihre Aktionen einbindet, auslichten, um zehn neue Linden anpflanzen zu können. So zählt die historisch bedeutsame Lindenallee heute 55 Bäume auf knapp 180 Metern Länge. Auch einen Imker konnten sie gewinnen, der seine Bienenstöcke dort aufstellt und seither köstlichen Lindenblütenhonig herstellt. Nicht jeder habe Verständnis dafür gehabt, dass sie so einen Aufwand um die Bäume betrieben, berichtet Juliane Schiffbauer-Gruber. "Aber Bäume gehören zum Leben, ohne geht es nicht", sagt sie. Jeden Tag laufe sie mehrmals mit ihren Hunden durch die Allee, und jedes Mal sei anders. "Wenn es sonnig ist und windstill, dann duftet es so schön", schwärmt die Eigentümerin.

Mit dem Tausch der Stadtwohnung in Kiel gegen den Wohnsitz auf dem Land wandelte sich ihr Leben um 180 Grad. "Es war unser Lebenstraum, mitten in einem Dorf zu wohnen und trotzdem in Alleinlage", erklärt Schiffbauer-Gruber, die sich täglich nicht nur um Hunde und Katzen, sondern auch um Hühner, Emdener Gänse, Deutsche Riesen und Ostpreußische Skudden kümmert. Ein fernes Ziel sei es, auf dem Grünland zwischen Haus und Allee eine Art Park anzulegen und diesen auch für die Öffentlichkeit zu öffnen - in Anlehnung an den "Gutspark auf Lindau".

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