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Ohne Ausweis keine Einreise, nicht einmal nach Dänemark

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kollegiumsausflug mit Hindernissen / Umweg über Flensburg mit der Bahn nach Westerland

von
erstellt am 17.Sep.2014 | 06:51 Uhr

Der Stadtverkehr Eckernförde hatte früher mit der Werbung „Das ist die Idee - fahre mit ’SE’“ sehr interessante Tages- und Mehrtagesausflüge angeboten. Einige Kolleginnen und ich, einschließlich meiner Tochter – sie war wohl damals etwa zehn Jahre alt –, hatten uns für einen kombinierten Tagesausflug nach Westerland angemeldet. Kombiniert heißt in diesem Fall: Mit dem Bus über die dänische Grenze bis zur Halbinsel Rømo, dann mit dem Bus auf die Fähre in Richtung List auf Sylt und weiter nach Westerland mit Stadtrundfahrt und Aufenthalt, und auf dem umgekehrten Weg zurück nach Eckernförde.

Wir waren alle in sehr guter, ausgelassener Stimmung als wir uns frühmorgens am ZOB trafen und die Reise begann. Eine Kleinigkeit zum Essen und Trinken für die lange Fahrt hatten sich alle mitgenommen und natürlich hatte jeder seinen gültigen Ausweis dabei, der für die damalige intensive und gründliche Grenzkontrolle unerlässlich war.

Wirklich jeder? Kurz vor der Überfahrt in unser Nachbarland kramte die gesamte Busfahrgemeinschaft in Hand- und Jackentaschen, um seinen Ausweis persönlich vorzeigen zu können. Den Ausweis meiner Tochter hatte ich bereits in der Hand, er war mir wohl morgens beim Packen unserer kleinen Reisetasche ganz besonders wichtig. Nur meinen fand ich trotz langem und intensivem Suchen, Handtasche auskippen und das Innere nach außen drehen nicht.

Hinter einem Sitz oder unter einer großen Jacke oder einem Mantel verstecken ging nicht, dazu war einfach keine Möglichkeit, und außerdem waren die Kontrollen bei der Einreise nach Dänemark damals noch sehr streng und wurden gründlich durchgeführt. Jeder einzelne Businsasse musste sich für eine Personenkontrolle im Abgleich mit seinen Personaldokumenten bereithalten. Was blieb mir also anderes übrig, als beim Busfahrer und Grenzbeamten Farbe zu bekennen. Ende der Fahrt … dachte ich, nachdem ich aus dem Bus steigen musste und mich schrecklich elendig am deutsch-dänischen Grenzkontrollpunkt fühlte.

Jemand machte den Vorschlag, dass ich doch problemlos von Flensburg mit dem Zug nach Westerland fahren könne, wo der Bus dann auf dem Busparkplatz warten würde. Meine Tochter schaute mit einem verunsicherten Blick aus dem Fenster runter zu mir. Sie hatte sich so sehr auf die Fahrt gefreut, und dachte wohl in diesem Augenblick, dass nun auch für sie der Ausflug zu Ende wäre. Da meine Kolleginnen und meine Tochter sich bereits seit vielen Jahren kannten, hatte ich keine allzu großen Bedenken als mir geraten wurde: „Ja, mach‘ das doch. Wir passen schon gut auf deine Kleine auf, da brauchst du dir keine Sorgen machen, und in ein paar Stunden treffen wir uns ja in Westerland wieder – gute Bahnfahrt!“

Der Bus rollte ohne mich davon. Ich war sehr traurig, innerlich angespannt bis kurz vorm Explodieren und wütend auf mich selbst, dass ich morgens nicht auch noch an meinen eigenen Ausweis gedacht hatte. Wie und mit wem ich zum Flensburger Bahnhof gekommen bin, weiß ich heute nicht mehr so ganz genau. Ich meine mich zu erinnern, dass von der Grenze zum Hauptbahnhof Flensburg ein Pendelverkehr organisiert war. Die Fahrt hat einwandfrei geklappt, und an einer Kreuzung in Westerland haben „mein“ Bus und alle lieben Menschen mich wieder „an Bord nehmen“ können.

Die Rückfahrt verlief ohne Komplikationen, mit mir im Bus, denn unser erfahrener Busfahrer berichtete, dass die Kontrolle an der Grenze auf der Rückfahrt nicht mehr so gründlich wäre. Ein kurzer Blick des Grenzbeamten in den vollbesetzten Bus wäre meistens die ganze Kontrolle, und so war es auch. Dass nun eine Person mehr in dem Bus saß, nämlich ich ohne Ausweis, fiel dabei nicht auf.



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