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BELLA DONNA IM CARLS : „Örötuledö“: 12 Punkte für Bella Donna

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Besser als der ESC in Kiew: Die Sängerinnen von Claudia Piehl rockten am Sonnabend das ausverkaufte Carls. Das Konzert in zwölf europäischen Sprachen begeisterte das Publikum.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2017 | 05:30 Uhr

Eckernförde | „Ich hoffe, Sie haben „Ein Lied für Kiew“ aufgezeichnet, denn bei uns geht es heute Abend ja auch um Europa.“ Claudia Piehl, Eckernfördes wohl leidenschaftlichste Entertainerin, begrüßte zusammen mit den Sängerinnen von „Bella Donna“ am Sonnabend das Publikum mit einem Augenzwinkern. Trotz oder gerade wegen des Eurovision Song Contest 2017 aus der ukrainischen Hauptstadt, der bundesweit zeitgleich über die Mattscheibe flimmerte, war das „Carls“ bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Das aktuelle Programm des Chores unter der musikalischen Leitung von Piehl wartete mit einem buntgespickten Potpourri von Songs in zwölf europäischen Sprachen auf. Mit „Örötuledö“, so der zungenbrecherische Konzerttitel, begaben sich die Damen auf eine musikalische Heimatsuche. Und das in den jeweiligen Originalsprachen der europäischen Nachbarländer.

Was ist eigentlich Heimat und wo genau verorte ich sie? In mir selbst, bei Menschen, die ich liebe oder ist Heimat an eine bestimmte Topografie gekoppelt? Mit jenen Leitfragen, die sich das Ensemble im Vorfeld gestellt hatte, führten die Sängerinnen in abwechselnder Moderation gekonnt durch den Konzertabend.

Ausgangspunkt des musikalischen Streifzugs durch die Populärmusik Europas war Skandinavien. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der erste Song des Abends „Et liv för mig“ aus der Feder der aktuell bekanntesten A-capella Formation „The Real Group“ stammte. Mit einem Arrangement durch Piehl wandelten die Sängerinnen auf ABBAs musikalischen Pfaden. Nächstes Gastland war Norwegen mit einer Rückbesinnung auf die guten alten Zeiten der Kindheit im Stil einer Ballade. Es folgten Finnland, Lettland, die Niederlande und die Färöer Inseln mit einem Song, der mit dem Joiken ähnlichen Gesangsparts Anleihen an die musikalische Tradition der indigenen Inselbevölkerung hoch oben im Norden präsentierte. In der zweiten Konzerthälfte wechselte das Programm inhaltlich in die südeuropäische Hemisphäre. Plötzlich fand sich das Publikum zusammen mit den 18 „schönen Frauen“ auf einem mazedonischen Marktplatz oder in andalusischen Gefilden wieder. Das andere Temperament und die Hitzigkeit der europäischen Nachbarn brachte das Ensemble – nun allesamt in rot und mit platinblondem Bob gekleidet – mühelos auf die Bühne. Souverän im Auftritt meisterten die zunächst glamourös mit weißer Federboa und Silberpumps auftretenden Sängerinnen die kurzweilige Show inklusive kompletten Kostümwechsel nach der Pause. Selbst schwierige Aussprachen des Finnischen oder Lettischen schienen für sie keine Barriere zu sein. Große Freude am einstimmigen Gesang, an Solopartien einzelner Sängerinnen und an schillerndem Entertainment ganz im Zeichen geballter Frauenpower prägte den Abend. Es schien, als habe Piehl zusammen mit ihrem Erfolgsensemble ein Thema bearbeitet, dass den einzelnen Sängerinnen ein Herzensanliegen ist.

Immer an ihrer Seite die vierköpfige Band, bestehend aus Piano, Percussion, Kontrabass und Querflöte. Insbesondere die georgische Flötistin Sylwia Timoti bereicherte die ganz eigenen Interpretationen Bella Donnas von „Solveigs Klage“ aus der Peer Gynt-Suite von Edvard Grieg oder Cyndi Laupers „True Colours“. Mal jazzig, mal progressiv-rockig wie Jethro Tull, mal mit innig lyrischer Qualität glänzte Timoti musikalisch souverän im Hintergrund. Durch diese musikalische Kollaboration mit Georgien entstand eine ganz eigene Note, die überzeugte und für die es einen langanhaltender Applaus gab.



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