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Süsse Ernte : Obstträume aus dem eigenen Garten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eigene Herstellung von Marmeladen, Chutneys und Gelees ist wieder gefragt. Marlene Kunze aus Altwittenbek macht das schon ihr Leben lang.

Altwittenbek | Die roten Johannisbeeren sind reif. Marlene Kunze sitzt auf einem Holzschemel zwischen den Büschen in ihrem Garten und pflückt die roten Beeren. Die Schüssel ist schon gut gefüllt. Mit ihrem hohen Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen gehören Johannisbeeren zu den gesündesten Beerensorten überhaupt. Marlene Kunze will heute Saft aus ihnen machen. Dafür gibt sie die Beeren in das Siebteil ihres Dampfentsafters, der schon in der Küche auf dem Herd steht, füllt unten Wasser hinein, setzt den Deckel drauf, lässt das Ganze etwa zwei Stunden kochen und dann noch etwas stehen. Gegen Abend wird sie den Saft abfüllen, mit ein bisschen Zucker noch einmal aufkochen und ihn in saubere, abgekochte, sterilisierte Flaschen füllen. „Das ist dann unser Getränk“, sagt sie. „Oder man kann den Saft eindicken und zu Pfannkuchen servieren.“

Aus den frischen Beeren ließe sich auch gut Johannisbeerkuchen machen, fällt ihr ein. „Rührteig oder Mürbeteig, Johannisbeeren oben drauf, Eischnee darüber, in den Backofen, fertig. Und das schmeckt!“ Marlene Kunze ist 82 Jahre alt, in Altwittenbek geboren, hat mit ihrem Mann eine Landwirtschaft betrieben und drei Kinder groß gezogen. Sie lacht oft, wenn sie erzählt, rutscht immer mal wieder ins Plattdeutsche. Sie erinnert sich noch gut daran, dass früher immer viele Kinder aus der Nachbarschaft zu ihr kamen, um zu helfen. „Wenn ich Erbsen pulte oder Bohnen strippelte, haben sie mitgemacht, und wir haben dabei gesungen“, erzählt sie. Vieles von dem, was man braucht, um einen ländlichen Haushalt mit Garten zu führen, hat sie als junge Frau in der Landwirtschaftsschule in Kiel gelernt. Auch kochen, backen und einmachen. Sie findet es schade, dass immer weniger Leute wissen, wie das geht. In den letzten Jahren ist es allerdings wieder modern geworden, selbst Marmelade, Konfitüre, Gelees, Kompotte und Säfte einzukochen. Gemüse einzulegen oder Chutneys zuzubereiten ist eine willkommene Gelegenheit, eigenes Obst und Gemüse zu verwerten. Auch das Dörren von Obst, Pilzen und Kräutern wird wieder neu entdeckt. Immer mehr Menschen setzen sich zudem kritisch mit der Produktion von Lebensmitteln auseinander, was zu einem bewussteren Umgang führt und zur Rückbesinnung auf das wertvolle Wissen von Mutter oder Großmutter um besagte Methoden der Konservierung ohne Chemie und schädliche Inhaltsstoffe. Auch die Zahl derer, die im eigenen Garten wieder Obst und Gemüse anbauen, steigt.

Während der Saft kocht, zeigt Marlene Kunze ihren Garten auf der nahegelegenen Koppel. Hühner und Enten laufen dort herum. Die Erdbeeren sind bereits abgeerntet. Aber die Apfelbäume tragen reichlich. Es gibt Grünkohl, Wirsing, Spitzkohl, Blumenkohl, Bohnen, Wurzeln und Kartoffeln. Ihr Sohn, der gleich nebenan wohnt, fährt den Mist dorthin, hacken und ernten übernimmt sie. „Dieses Jahr hatte ich viele Erdbeeren“, erzählt sie. Davon hat sie reichlich Marmelade gekocht. Die Äpfel werden zu Apfelmus, rote Johannisbeeren zu Saft, schwarze Johannisbeeren zu Gelee. Immer für die ganze Familie. „Mir hat mein Leben immer Spaß gemacht, und das tut es heute noch“, sagt Marlene Kunze. „Es geht alles nicht mehr so schnell. Aber ohne meinen Garten kann ich es mir gar nicht vorstellen.“

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