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Rollatortraining : Oberstes Gebot: Im Bus nie auf den Rollator setzen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Verkehrswacht und die Awo Eckernförde hat am Donnerstag ein Sicherheitstraining für Senioren angeboten. Tipps und praktische Übungen standen auf dem Programm.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 05:20 Uhr

Eckernförde | Bereits drei Mal ist Elfriede Mensch im Bus mit ihrem Rollator gestürzt. Die 84-Jährige fühlt sich unsicher, wenn sie in einen Stadtbus einsteigt. „Die Angst fährt immer mit“, verrät die Eckernförderin. Damit sie wieder an Sicherheit gewinnt, ist sie dem Rat ihrer Tochter gefolgt und hat gestern Nachmittag am Rollatortraining der Verkehrswacht und der Awo Eckernförde teilgenommen.

„Der Rollator und Sie müssen ein Team sein, vier Räder und zwei Beine“, begrüßt Wilfried Lüthge von der Verkehrswacht die Senioren in der Bürgerbegegnungsstätte. Das seien sie sehr wohl, so Helga Zacharias. Die 77-Jährige benutzt seit 2013 einen Rollator, ist aber noch nie mit dem Stadtbus gefahren. „Ich wollte so gerne mal lernen, mit dem Bus zu fahren“, begründet die Eckernförderin ihre Teilnahme am Training. Ihre Tischnachbarin Marianne Ziesemer (81) bestätigt: „Vor allem beim Aussteigen fühle ich mich unsicher.“

Diese Ängste will Busfahrer Roger Zacharias, seit 1981 beim Stadtverkehr Eckernförde, den Senioren nehmen. Vor dem praktischen Teil gibt er wertvolle Tipps. Das sichere Busfahren beginne bereits vor dem Einsteigen. „Halten Sie ruhig schon Ihre Monatskarte oder Ihren Schwerbehindertenausweis (mit der Wertmarke) hoch, bevor Sie hinten einsteigen“, empfiehlt er. Äußerst wichtig sei eine Standsicherung der Rollatoren im Bus. „Wir haben das häufig, dass die Bremsen nicht angezogen sind“, sagt der 55-Jährige, was aber zwingend notwendig sei. Mithilfe eines einfachen Klettbandes könne man den Rollator zusätzlich an der Haltestange befestigen. Oberstes Gebot im Bus: „Nie auf den Gehwagen setzen. Das ist verboten“, bestätigt auch Wilfried Lüthge und warnt: „Wenn ein Bus bremsen muss, fallen Sie hin.“

Generell sollten Senioren, die auf Rollatoren angewiesen sind, während Stoßzeiten, wie Schulbeginn oder- schluss, auf den Bus verzichten und etwas später fahren. Denn das sei eine schwierige Situation. Beim Aussteigen solle jeder sich gern helfen lassen. „Versuchen Sie als erste auszusteigen. Es gibt viele junge Männer, die helfen wollen“, weiß der Busfahrer aus Erfahrung.

Eine große Angst sehr vieler Senioren kann Roger Zacharias beim Training den Teilnehmern nehmen – die Angst, von der Bustür eingeklemmt und verletzt zu werden. Seinen Bus hat er auf dem Rathausmarkt geparkt, stellt sich zwischen die beiden Türen und lässt Wilfried Lüthge diese schließen – obwohl er mit Körper und Kopf dazwischen steckt. Ein Schließsicherungssystem verhindert das vollständige Schließen der Tür. „Bei keinem Stadtbus geht es, dass ich einen Fahrgast einklemme“, so Zacharias.

Vorwärts einsteigen, rückwärts aussteigen – jeder der sieben Teilnehmerinnen kennt oder lernt diese Technik. An der Haltestelle am Awo-Haus übt Lüthge mit den Damen: Mit dem Rollator bis an das Trittbrett des Busses heranfahren, beide Bremsen feststellen, den rechten Fuß hinten vor das hintere rechte Rad stellen, Rollator anheben, Bremsen lösen und hinein in den Bus.

Die Awo-Haltestelle in der Reeperbahn sei wie die Haltestelle am Rathaus eine sehr gute Haltestelle, so Busfahrer Zacharias. Überhaupt nehme Eckernförde in Sachen Barrierefreiheit bei Haltestellen eine Vorreiterrolle ein. Zirka 65 Prozent der insgesamt 129 Haltestellen im Ostseebad seien bereits barrierefrei, bestätigt Axel Sperber, Sachgebietsleiter Tiefbau des Bauamtes.

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