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Obdachlosenunterkunft: Das Nötigste muss reichen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Stadt hält 37 kleine Wohnungen für obdachlose Menschen in der Ostlandstraße vor

von
erstellt am 19.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Die Adresse zählt nicht zu den Feinsten in der Stadt, sie ist aber elementar wichtig für die Menschen am Rand der Gesellschaft – die Obdachlosenunterkunft in der Ostlandstraße 100-126. Die Stadt Eckernförde hat die Schlichtwohnungen 1968 gebaut. Es handelt sich dabei um vier einfachste, eingeschossige Wohnhäuser ohne Duschen mit 33 Ein-Raum- und vier Zwei-Raum-Wohnungen. Stand heute leben dort 28 Menschen. Dazu gibt es einen separaten Block mit besserer Grundausstattung und Duschen mit drei Wohneinheiten für Asylbewerber, in dem derzeit neun Personen untergebracht sind. Auf dem Gelände lebt noch eine Frau, die die Stadt beim Betrieb der Anlage unterstützt und sich als Betreuerin um einzelne Bewohner kümmert. Außerdem befindet sich dort noch eine Jugendeinrichtung des Kreises Rendsburg-Eckernförde.

Die Obdachlosenunterkunft liegt zwischen den Einkaufsmärkten in der Ostlandstraße direkt neben der B 203 (Schwansenstraße). Immer wieder geben die dortigen Zustände Anlass zur Diskussion (siehe auch EZ v. 14. September 2012: „Leben auf Sparflamme“). Die neue Ratsfrau der Fraktion Die Linke, Monika Ipsen, hat die Obdachlosenunterkunft am Dienstag besucht und zeigte sich am Abend im Sozialaussschuss „entsetzt“ über die Wohnverhältnisse: „keine Duschen, kein Waschbereich, der Fußboden unbeschreiblich, ein Wahnsinn, wie die Menschen dort hausen“.

Klaus Kaschke, Leiter des Amts für Ordnungs- und Sozialwesen, steckt voll im Thema. Die Wohnungen entsprächen alle den gesetzlichen Vorgaben und seien so konzipiert, dass sie Menschen ohne Obdach eine vorübergehende Bleibe bieten. Natürlich ohne jeden Komfort, „aber die Mindestanforderungen werden von uns eingehalten“, erläuterte Kaschke. „Jeder neue Bewohner bekommt eine renovierte Wohnung.“ Die Wohnungen hätten alle Waschbecken und WC, aber „was sich in den Wohnungen abspielt, ist nicht unsere Sache“. Die derzeitigen Leerstände begründete Kaschke damit, dass in den vergangenen 14 Tagen vier Bewohner gestorben seien und zwei ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten.

Die Stadt ist zwar nicht für das Innenleben, wohl aber für die Bausubstanz verantwortlich. Und die hat die Stadt gerade mit etlichen Litern weißer Außenfarbe und vor allem neuen Fenstern im ersten Block aufpoliert. Bestückt werden konnte auch nach langer Wartezeit die erste, bis dahin zugemüllte Wohnung, deren Bewohnerin der Stadt nach Worten Kaschkes bislang den Zutritt verweigert hat, jetzt aber in eine andere Wohnung in der Anlage umgezogen ist. Für Sanierungs- und Renovierungsarbeiten stehen der Stadt jährlich 30  000 Euro zur Verfügung.

„Die Zustände dort sind nicht schön, aber die Wohnungen sind nur Übergangslösungen und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben – das muss reichen“, sagte der Vorsitzende des Sozialausschusses, Heinz-Michael Kornath (CDU). „Ofen, WC, Waschgelegenheit – mehr ist dort nicht.“

Klaus Kaschke wies auf Anfrage unserer Zeitung darauf hin, dass die Bewohner der Obdachlosenunterkünfte die gleichen Transferleistungen erhielten wie andere Hartz IV-Empfänger. Für die Einrichtung sowie die Betriebs- und Heizkosten sei jeder Bewohner selbst verantwortlich.

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