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Plattdüütsch Kulturdaag : Nur Sprechen hält Platt am Leben

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine Gesprächsrunde mit Peter Harry Carstensen und Norbert Radzanowski hat die Plattdeutschen Kulturtage eröffnet. Die Meinungen zur Zukunft des Plattdeutschen gingen dabei auseinander.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 05:29 Uhr

Norbert Radzanowski ist eigentlich gar kein Plattdeutscher. Dabei ist der ehemalige Moderator des Schleswig-Holstein-Magazins vielen geradezu der Inbegriff der niederdeutschen Sprache, hat er die NDR-Sendung doch jahrelang auch „op Platt“ angesagt. „Irgendwann kam der Chef der Sendung auf die Idee, sie am folgenden Sonnabend auf Plattdeutsch auszustrahlen“, erzählte Radzanowski am Montagabend beim Auftakt der Plattdeutschen Kulturtage im Ratsaal des Rathauses. „Da guckten Christian Schröder und ich uns nur an und sagten: ’Na, dann haben wir ja frei. Wir können nämlich kein Platt.’“ Das wurde aber nicht akzeptiert. Übersetzer schrieben die Moderationen auf Plattdeutsch um, und die beiden Moderatoren mussten sie vom Teleprompter ablesen. Radzanowski: „Ich habe gesagt, dass wir uns damit bis auf die Knochen blamieren werden. Mein Herz bummerte und ich habe wie verrückt geschwitzt.“ Doch das Gegenteil war der Fall. „Die Zuschauer waren begeistert und haben reihenweise beim Sender angerufen.“ Viele rätselten jedoch, was für ein Platt das gewesen sein mochte. Ab da wurde die Sendung an jedem Freitag plattdeutsch moderiert. „Und weil ich ein bisschen besser Platt gesprochen hatte als Christian Schröder, musste ich das machen.“ So lernte Norbert Radzanowski Plattdeutsch.

Das erfuhren die 65 Besucher der Gesprächsrunde zum Auftakt der Plattdeutschen Kulturtage am Montag aus erster Hand. Neben Norbert Radzanowski konnte der Vorsitzende der Plattdüütsch Gill Heiko Gauert auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und die Autoren plattdeutscher Bücher, Karl-Heinz Groth (gleichzeitig Initiator der plattdeutschen Kulturtage) und Birgit Lemmermann, zu einer kurzweiligen Gesprächsrunde im Ratssaal des Rathauses begrüßen.

Das Plattdeutsche, so Peter Harry Carstensen, habe durchaus seine Vorteile: „Ich habe das Gefühl, wenn ich etwas auf Plattdeutsch erklären kann, dann habe ich es selbst begriffen.“ Oft sei viel Abstand zwischen ihm und den Menschen, „aber im Plattdeutschen ist eine gewaltige Nähe da.“ Heimat als Inhalt der Sprache – das empfinden alle so. „Plattdeutsche Gottesdienste sind immer am vollsten“, weiß Norbert Radzanowski, der lange Pressesprecher der Nordelbischen Kirche war. „Die Sprache geht mehr ins Herz und in die Seele als das Hochdeutsche.“

Dennoch ist die plattdeutsche Sprache bedroht: „Weniger als ein Prozent der Kinder schnacken noch Platt“, stellte Heiko Gauert fest. „Wann haben Sie zum letzten Mal Kinder miteinander Platt schnacken gehört?“ In den Familien werde zu wenig Plattdeutsch gesprochen, deshalb müssten jetzt Kindergärten und Schulen die Lücke schließen. Dem schloss sich Birgit Lemmermann an, die von einem Projekt in Ostfriesland berichtete, bei dem jungen Menschen während der Lehrjahre von älteren Mitarbeitern das Plattdeutsche beigebracht werde – mit großem Erfolg.

Nach der Zukunft des Plattdeutschen gefragt, wollte sich Karl-Heinz Groth als Realist verstanden wissen: Untersuchungen hätten gezeigt, dass das Plattdeutsche als gesprochene Sprache in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen sei. In 150 bis 200 Jahren werde sie wahrscheinlich ganz verschwunden sein. Mit den Aktivitäten an Schulen könne man den Tod der Sprache lediglich hinauszögern. Peter Harry Carstensen sah das anders: „Ich habe das Gefühl, dass heute viele junge Leute mehr Plattdeutsch sprechen als noch vor 25 Jahren.“

Letzten Endes waren sich alle einig: Die plattdeutsche Sprache kann nur überleben, wenn sie auch gesprochen wird. Oder gesungen, so wie vom Gerrit Hoss Duo aus Hamburg. Der studierte Musiker Gerrit Hoss (34) und die gleichaltrige Bassistin Julia Stegk aus Itzehoe haben sich mit plattdeutschen Liedern schon einen Namen gemacht.

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