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Angler in der Pflicht : Nur noch fünf Dorsche pro Tag

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neue EU-Regelung: Erstmals müssen nicht nur Berufsfischer, sondern auch Angler ihre Fangmengen reduzieren.

Eckernförde | Die Dorschbestände in der Ostsee sind ausgelaugt. Berufsfischer müssen deshalb eine Reduzierung ihrer Fangquote um 56 Prozent in der westlichen Ostsee hinnehmen, aber auch Freitzeitfischer sind nach einer neuen EU-Regelung erstmals betroffen. In der gesamten westlichen Ostsee gilt für Angler im Jahr 2017 eine Fangbegrenzung: In der Laichsaison Februar und März dürfen nur drei, im übrigen Jahr nur fünf Dorsche pro Angler und Tag entnommen werden. Diese Regelung gilt unabhängig davon, wo oder wie diese Dorsche gefangen wurden - ob von Land oder auf See.

Durch eine Einschränkung der Fangmenge soll sich der Dorschbestand möglichst schnell erholen. Erste Untersuchungen, zum Beispiel des Thünen-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig) zeigen, dass Freizeitfischer in der westlichen Ostsee etwa halb so viele Dorsche fangen wie die kommerzielle Fischerei.

Die Datenermittlung durch Telefon- und Vor-Ort-Umfragen ist dabei nicht unumstritten. Zum Beispiel bezweifelt der Vorsitzende des Eckernförder Angelsportverein „Gut Fang“ Dirk Milanowski, ob die Berechnungen repräsentativ sind. Nichtsdestotrotz sei der Dorschbestand zweifellos zurückgegangen. Das könne er aus eigener Erfahrung bestätigen. „Und nur durch Maßnahmen wie eine Fangreduzierung kann sich der Bestand erholen.“ Doch damit ist es seiner Meinung nach nicht getan. Sollte die Maßnahme anschlagen, „muss man einen Fischerei-Management-Plan entwickeln und umsetzen“. Ein Zurück zur unbegrenzten Fangmenge widerspreche einer nachhaltigen Fischerei. Seiner Meinung nach ist vielen Freizeitfischern die Problematik bewusst. „Ich glaube, dass viele Angler den Sinn einer Fangbegrenzung sehen und sich auch selbst regulieren.“

Dass der Dorschbestand zurückgegangen ist, merken auch die Anbieter von Angeltouren auf Hochseekuttern wie der „Simone“ von Tanja Lutz im Eckernförder Hafen. „Die Leute waren verwöhnt, haben manchmal 30 Dorsche

pro Tour gefangen“, sagt Kapitän Oliver Egerland. Durch den Rückgang des Bestands sei das in diesem Jahr nicht mehr so gewesen. „Wir haben deshalb viele Absagen.“ Er rechnet mit einem weiteren Rücklauf, wenn im kommenden Jahr zusätzlich eine Fangbegrenzung herrscht. Wer 45 Euro für eine Tour ausgibt, will auch fangen. Ein Ausweichen auf andere Fische sieht Oliver Egerland problematisch. Um Heringe zu fangen, fahre niemand mit einem Kutter raus, die Makrelen seien nur saisonbedingt in der Bucht und der Butt beruhige die Angler zwar, sei aber nicht der bevorzugte Fisch. „Die Leute wollen Dorsche angeln.“ Für ihn heiße das, sich Gedanken über Alternativen zu machen, zum Beispiel mehr touristische Fahrten anzubieten.

Um die Einhaltung der neuen EU-Regelung zu überwachen, sollen laut Umwelt- und Fischereiministerium die Kontrollen an der Küste deutlich ausgeweitet werden. Schwerpunkte der Überwachung sollen die Anlandehäfen der gewerblichen Angelkutter und wichtige Konzentrationspunkte für kleine Angelboote sein, doch auch der individuelle Brandungsangler an der Küste müssen ab dem kommenden Jahr mit verstärkten Kontrollen rechnen



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erstellt am 07.Dez.2016 | 06:14 Uhr

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