Inklusions-Radtour Eckernförde - Kiel : Nur die Radler ließen auf sich warten

Ministerpräsident Daniel Günther nutzte die Wartezeit auf die Inklusions-Radtour, um mit den Bürgern wie hier mit Brigitte Thies (Mitte) und ihrer Mutter Erika Jaffke ins Gespräch zu kommen. Anschließend ging es für ihn ins Holstein-Stadion.
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Ministerpräsident Daniel Günther nutzte die Wartezeit auf die Inklusions-Radtour, um mit den Bürgern wie hier mit Brigitte Thies (Mitte) und ihrer Mutter Erika Jaffke ins Gespräch zu kommen. Anschließend ging es für ihn ins Holstein-Stadion.

Ministerpräsident Daniel Günther war pünktlich vor Ort. Er wartete aber vergebens auf die in Flensburg gestartete „Inklusion braucht Aktion“-Radtour.

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13. August 2018, 06:34 Uhr

Eckernförde | „Ja, wo laufen sie denn?“ Wer kennt nicht diesen wunderbaren Sketch, den Loriot 1972 vom 1946 adaptierten Original mit dem Komiker Wilhelm Bendow und dem Schauspieler Franz-Otto Krüger berühmt gemacht hat. „Ja, wo fahren sie denn?“, hieß es gestern nicht auf der Pferderennbahn, wohl aber an der Hafenspitze in Eckernförde. Diese Frage stellten sich gestern zwischen 13.30 und 14.30 Uhr einige Eingeweihte, allen voran Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Der erste Mann im Lande war pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, der von Fischmarktständen gesäumten Hafenspitze, zur Stelle, um den Startschuss für die zweite Etappe der „Inklusion braucht Aktion“-Radtour von Eckernförde nach Kiel zu geben, die zuvor um 10 Uhr in Flensburg gestartet war. Viele Fischmarktbesucher waren da, aber keine Radfahrer aus Flensburg. Mehrfach hat der Ministerpräsident anschließend persönlich versucht, den Projektkoordinator Karl Grandt auf dem Mobiltelefon zu erreichen und eine Terminabsprache vorzunehmen. Die Versuche schlugen fehl – „the person you’ve called is temporary not available“.

Karl Grandt war zwar nicht auf Empfang, doch der ortskundige Ministerpräsident, der immer wieder die Grüße zahlreicher Menschen freundlich erwiderte und auch noch seinen Parteifreund, den einstigen Ministerpräsidentschaftskandidaten Jost de Jager, im Jungfernstieg traf, ließ nicht locker und kämmte die gut besuchte Hafenmeile nach einem Pulk (schiebender) Inklusion-Radfahrer ab – keine Radler in Sicht. Daniel Günther unternahm einen letzten Versuch und ließ sich zum Stadthallenvorplatz fahren, wo er aufgrund des dichten Gedränges an der Hafenspitze und der ebenfalls Adressenangabe „Am Exer 1“ den alternativen Sammelpunkt vermutete – doch auch von Radler keine Spur. Da es nun bereits auf 14.45 Uhr zuging und das blaue Holstein-Trikot unter der schwarzen Sportjacke des Ministerpräsidenten untrüglich auf seinen Folgetermin um 15.30 Uhr im Kieler Holstein-Stadion hinwies, verabschiedete sich Daniel Günther von seinen Eckernförder Gesprächspartner und fuhr mit seiner Frau in der schwarzen Dienstlimousine die knapp 30 Kilometer Richtung Westring. „Schade, ich hätte wirklich gerne den Startschuss für die nächste Etappe der Inklusions-Radtour gegeben, es ist eine tolle Aktion“, sagte der Ministerpräsident unserer ebenfalls wartenden Zeitung. So aber wurde es nichts mehr mit der prominenten Starthilfe an der Hafenspitze und der Unterstützung der Gruppe durch weitere Teilnehmer aus Eckernförde, die den Tross bis zur Stadtgrenze hätten begleiten können. Nach Auskunft des Flensburger Stadtpräsidenten, Hannes Fuhr, war die Inklusion-Radtour zumindest programmgemäß um 10 Uhr in Flensburg gestartet. Vermutlich haben Gegenwind, schlechtes Wetter oder unvorhergesehenen Ereignisse wie ein Platten das Eintreffen in Eckernförde nur verzögert, so dass die Radtour zwar verspätet fortgesetzt, nicht aber unterbrochen oder gar abgesagt worden ist – von einem ernsthaften Zwischenfall war bis gestern Abend jedenfalls nichts bekannt. Mobil erreichbar war der Organisator aber weiterhin nicht.

Wie dem auch sei: Ziel der Projekte ist es, Vorurteile und „Barrieren in den Köpfen“ abzubauen und durch inklusive Aktionen während der Touren neue Verbindungen, Partnerschaften und Netzwerke zwischen Vereinen sowie Menschen mit und ohne Handicap zu schaffen, heißt es in einer Pressemitteilung. In den kooperierenden Städten sollen Freunde mit und ohne Handicap die Stammfahrer zur Stadtgrenze begleiten, die dann das nächste Etappenziel ansteuern. Von Flensburg aus, dem Stammsitz des ausrichtenden Vereins „Health-Media“, geht es über Berlin, Erlangen, Saarbrücken nach Nordhorn und über Bremen zurück nach Flensburg – 3000 Kilometer quer durch Deutschland und 14 Bundesländer. Es ist nach 2014, 2015 und 2016 die vierte Inklusions-Tour. Tour-Botschafter sind unter anderem Kerstin Cristina Brachtendorf, eine der erfolgreichsten deutschen MTB Radsportlerinnen Handicap/No Handicap, Lars Hansen, Paratriathlon Vize-Weltmeister 2013, Ironman Finisher 2014, Hans-Peter Durst und Pierre Senska, beide Deutsche-, Europa- und Weltmeister im Paracycling.

>www.Inklusion-braucht-Aktion.de




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