Maritimer Fünfkampf - Interview : Nun sind „blaue Beine“ gefordert

Die deutschen Maritimen Fünfkämpfer nehmen ihren Trainer Matthias Wesemann (5. von links) in ihre Mitte.
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Die deutschen Maritimen Fünfkämpfer nehmen ihren Trainer Matthias Wesemann (5. von links) in ihre Mitte.

Im Interview mit dem Trainer der Maritimen Fünfkämpfer, Matthias Wesemann, blickt dieser zwischen dem Open European Cup und dem World Cup in Korea zurück und blickt voraus.

shz.de von
22. Juli 2015, 13:56 Uhr

Eckernförde | Die Maritimen Fünfkämpfer konnten zuletzt ein paar Tage ausspannen. Ab heute beginnt die Vorbereitung auf den World-Cup, der im Oktober in Korea stattfinden wird. Im Anschluss an den CISM Open European Cup in Eckernförde hat sich die EZ mit dem deutschen Trainer und Weltmeister Matthias Wesemann unterhalten.

Herr Wesemann, beim Ländervergleich in Eckernförde konnten die deutschen Maritimen Fünfkämpfer im Vergleich zum Wettkampf in Finnland überzeugen und insgesamt sieben Medaillen holen. Hat sie dabei gerade die Leistung von Giacomo Gellert überrascht, der zuvor wochenlang krank war und kaum trainieren konnte?

Matthias Wesemann: Ehrlich gesagt, nein. Denn ich weiß um Giacomos Leistungsstärke. Er ist nicht unbedingt ein Trainingsweltmeister. Aber wenn es im Wettkampf drauf ankommt, ist er da. Die paar Ruhetage haben ihm richtig gut getan. Insgesamt war unser Abschneiden vor allem gut für die Köpfe, damit das Vertrauen in die eigene Leistungsstärke nicht verloren geht. Unser schlechtes Abschneiden in Finnland hatte sicherlich auch damit zu tun, dass wir wegen des Wetters nicht immer optimal trainieren konnten. Bei nassen Geräten ist es einfach zu gefährlich, weil alles sehr rutschig ist.

Wer hat Sie denn dann am meisten überrascht?

Hier möchte ich Dominique Bogs nennen, der im Vergleich zum Wettkampf in Finnland mehr als 1000 Punkte draufgepackt hat. Das ist eine Menge. Auch Dirk Schulke möchte ich hier nennen. Er ist ein Perfektionist und gibt in jedem Training alles. Schön, dass er jetzt auch einmal im Wettkampf zeigen konnte, was in ihm steckt.

Und was hat Sie am meisten gefreut?

Dass wir wieder neue Kontakte geknüpft haben, da viele Familien aus dem Ausland mit dabei waren. Auch das Verhalten untereinander. Früher musste ich als Trainer mehr führen. Jetzt sind alle gewachsen und gereift, so dass ich mehr laufen lassen kann.

Sie selbst sind vor kurzem zum dritten Mal Vater geworden. Wie lief denn die eigene Vorbereitung?

Natürlich hat mir zuletzt etwas Schlaf gefehlt (schmunzelt). Aber ich wollte meine Frau in dieser schweren Phase nicht alleine lassen und habe deshalb weiter zu Hause übernachtet.

Und wie sind Sie angesichts dessen mit der eigenen Leistung zufrieden gewesen?

Bis auf den abschließenden Amphibischen Geländelauf bin ich mit dem zweiten Platz und der Leistung sehr zufrieden.

In der letzten Disziplin landeten Sie nur auf Rang 15. Was war denn da los?

Ich hatte Probleme mit meinem Gewehr. Das Magazin ist beim Durchladen verkantet, dadurch ist die Patrone nicht ins Rohr gekommen. Das ist mir in dieser Form bisher noch nie passiert. So musste ich mir etwas einfallen lassen, um das Problem zu lösen – und das hat natürlich wertvolle Zeit gekostet. Schade, denn ich wollte eigentlich zeigen, dass der Pole keine Maschine und schlagbar ist.

Im Oktober geht es zum World-Cup nach Korea. Wie sieht denn diesbezüglich die Trainingssteuerung aus?

Das Grundlagentraining haben wir vor vier Wochen abgeschlossen. Hierbei haben wir eine vernünftige Basis gelegt. Nach ein paar freien Tagen nach dem Open European Cup geht es nun in die Stehvermögen-Phase. Da werden alle Athleten jeden Tag „blaue Beine“ bekommen.

Die Deutschen Damen haben Platz eins und zwei in der Newcomer-Wertung und Platz zwei in der Mannschaftswertung geholt. Was ist von Ihnen in Zukunft zu erwarten?

Auch in der Einzelwertung haben Irène Porschhöfer nur 4,5 Sekunden zu Platz drei gefehlt. Leider ist sie, wie auch Wencke Steensen, Zeitsoldatin. Beide werden uns deshalb im kommenden Jahr verlassen. Das ist sehr schade, denn dadurch haben sie gar nicht die Chance, das Maximale aus sich heraus zu holen, denn das benötigt Zeit, was ich bei mir selbst auch gespürt habe. Der World-Cup in Korea wird deshalb auch ihr letzter internationaler Wettkampf, hoffentlich ihr Höhepunkt, sein.

Muss man denn Soldat sein, um an den Wettkämpfen teilnehmen zu können?

In Deutschland schon. Es gibt aber auch andere Ländern, in denen beispielsweise Sportstudenten mitmachen können. Zudem haben wir in Deutschland nur diese eine Bahn hier in Eckernförde. Da gibt es in anderen Ländern auch mehrere.

Wie ist denn generell das Ansehen der Maritimen Fünfkämpfer im Vergleich zu anderen Nationen?

In Finnland beispielsweise werden die Sportler schon bei der Ankunft am Bahnhof oder Flughafen von vielen sofort erkannt. Hier kennen uns viele nicht einmal in der eigenen Kaserne. Das ist schon schade. Auch um die Öffentlichkeitsarbeit müssen wir uns selbst kümmern.


Wo sehen Sie denn das Hauptproblem?

Ganz klar im – geeigneten – Nachwuchs. Es gibt ein paar, die zwar Interesse, aber nicht die körperlichen Voraussetzungen haben. Heute kann ja kaum noch jemand richtig schwimmen. Selbst Sportstudenten haben da heutzutage große Schwierigkeiten, die geforderten Zeiten fürs Studium zu schaffen.

Weitere Infos: maritimer5kampf.de

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