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Eckernförder Zeitung

23. September 2017 | 09:36 Uhr

Lecker : Norddeutsches auf dem Teller

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mariechen Hannemann (77) aus Holtsee kocht gerne alte Gerichte. In der Alten Schule tischten sie und andere auf.

Die Töpfe scheppern, ein Handrührgerät rattert. Flink wechselt Mariechen Hannemann zwischen den Töpfen, sortiert Zutaten und mixt sie in einer Rührschüssel. Neben ihr steht eine mit Speckscheiben ausgelegte Auflaufform. Birnen im Teig stehen auf dem Speiseplan. „Der Rauchgeschmack zieht nachher in den Teig“, sagt die 77-Jährige, während sie den gelblichen Teig rührt. Alte norddeutsche Rezepte kocht Mariechen Hannemann gerne. Sie hat Hauswirtschaft in Angeln und Pankenrade gelernt und zwischendurch die Landwirtschaftsschule in Eckernförde besucht. Kürzlich wurden in der Alten Schule norddeutsche Gerichte gegessen. Mariechen Hannemanns Birnen im Teig gab es, unter anderem auch Mehlbüddel und Ofenkater.

Der Geruch von Butter liegt in der Luft, als die Holtseerin nach und nach die Eier in den Teig gibt. Ei, rühren, Ei, rühren – fünfmal geht das so. „Alte Rezepte werden immer mit sehr vielen Eiern gemacht“, berichtet sie. „Als es noch kein Backpulver gab, wurden Eier genommen, damit der Teig aufgeht.“ Nun kommt das Mehlsieb zum Einsatz. Unter dem knackenden Geräusch des Handgriffs rieselt nach und nach ein Pfund des weißen Puders aus dem blechernem Gerät in die Schüssel. So werde es gleichmäßiger im Teig verteilt, sagt die Köchin. Jetzt noch einen halben Liter Milch dazugeben, und fertig sind 1,2 Kilogramm Teig.

Die zähflüssige Masse lässt Mariechen Hannemann in die Form laufen, in die sie mittlerweile auch Birnen gelegt hat. Das Obst hat sie selbst eingemacht. „Wenn ich Obst habe, wecke ich das auch ein, weil ich Spaß dran habe“, sagt sie. Nicht nur Birnen, sondern auch Kirschen, Äpfel und Pflaumen. Garniert wird das Ganze mit einer weiteren Schicht Speck. 30 Minuten hat die Zubereitung gedauert, dann kommt das Gericht für eine Stunde in den Backofen.

Kaum ist die Ofentür geschlossen, beginnt Mariechen Hannemann mit dem nächsten Schritt: Aus dem Birnensaft kocht sie eine Soße. Auch ein paar klein geschnittene Birnenstücke wandern in den Topf, der auf dem Herd steht und in dem die Soße schon vor sich hinköchelt. Drei Esslöffel Weizenstärkepuder werden mit Wasser verrührt und kommen in die kochende Soße. „Früher nahm man Kartoffelmehl“, sagt die Köchin. „Das wird ein bisschen zäh.“

„Bis 1998 waren wir in der Landwirtschaft tätig“, sagt sie, während sie die Soße rührt. 1959 heiratete sie ihren Mann Hubert und übernahm mit ihm den Hof von dessen Eltern. Beim Mittagessen waren die fünf Kinder, drei Auszubildende und die Schwiegereltern dabei. Auch norddeutsche Speisen kamen auf den Tisch. „So ein Kuchen reichte den jungen Leuten natürlich nicht“, sagt sie jetzt. „Deswegen gab es dann noch eine Tomatensuppe oder eine Brühe.“ Den Hof, der vom Garten aus zu sehen ist, hat Sohn Christoph übernommen.

„So, jetzt ist gut.“ – Mariechen Hannemann schaltet den Herd ab. Mit einem Schwappen lässt sie die Soße in ein Gefäß laufen. Eine Mischung aus Speck und dem leicht säuerlichen Geruch von Birnen liegt in der Luft. Nach einer Stunde Backzeit heißt es: „Essen ist fertig“.

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