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grosses Projekt : Norbert Weber und die Ruhrfestspiele

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Galerist Norbert Weber hat die Kunstausstellung zu den Ruhrfestspielen in Recklinghausen zusammengestellt. Seine Artothek und die Galerie Nemo sind deshalb kommende Woche geschlossen.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 06:19 Uhr

Die Artothek und die Galerie Nemo im alten Ruderhaus am Kurstrand sind in der kommenden Woche geschlossen. Nicht, weil Norbert Weber im Urlaub ist, sondern weil der Galerist an einem seiner wichtigsten Projekte arbeitet: Er ist der Kurator der Kunstausstellung der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Die Festspiele sind eines der ältesten und zugleich größten und renommiertesten Theaterfestivals Europas, das jedesmal von einer Ausstellung in der Kunsthalle begleitet wird.

Das Thema der Festspiele lautet in diesem Jahr „Inselreiche. Land in Sicht – Entdeckungen“. „Bei Inseln dachte der Direktor der Kunsthalle Prof. Dr. Ferdinand Ullrich gleich an Island“, erzählt Norbert Weber. „Und deshalb auch an mich.“ Denn Weber gilt in der Kunstszene als Experte für die nordeuropäischen Länder. Ende September dann kam die Anfrage, ob er ein Konzept erarbeiten und die Bilder für die Ausstellung zusammenstellen könne. Gerade einmal ein halbes Jahr Zeit für diese Aufgabe ist eigentlich zu wenig. Weber: „Mir war klar, dass ich das nur hinbekomme, wenn ich einen Co-Kurator habe, der über viele Werke verfügt.“ Und so rief er bei seinem Freund Halldor Björn Runolfsson an, der die Nationalgalerie in Island leitet. Er sagte seine Mitarbeit gleich zu.

Für Norbert Weber war klar: Nicht das typisch Isländische mit seiner einmaligen Natur und seiner Fabelwelt sollte im Mittelpunkt stehen. „Island ist ein Land mit Erzählkultur“, weiß Weber. Deshalb lautet das Thema der Ausstellung „Island: Wenn Bilder erzählen“. Wichtig ist Weber, einen internationalen Maßstab zu setzen, die Latte für den qualitativen Anspruch hoch zu legen. Deshalb hat er sich von Halldor Björn Runolfssson die E-Mail-Adresse der US-amerikanischen Künstlerin Cindy Shermann – zurzeit die Nr. 2 in den „Künstler-Charts“ – besorgt und sie frei heraus gefragt, ob er Bilder von ihr zeigen kann. Aus New York und aus Genf kommt jetzt jeweils ein Bild. Allein der Transport kostet zusammen 12 000 Euro. Sie zeigen die Künstlerin auf Fotomontagen in 20er-Jahre-Kleidung vor einer isländischen Landschaft.

Aber auch die Werke andere Künstler wie der Sängerin Björk werden gezeigt. Von ihr werden Videoinstallationen zu der Musik ihres letzten Albums „Biophilia“ abgespielt. Dieter Rot ist vertreten und auch der deutsche Landschaftsmaler Johann Heinrich Hasselhorst (1825-1904).

Insgesamt 70 Werke mit einem Versicherungswert von 2,3 Millionen Euro hat Norbert Weber zusammengestellt, viele von ihnen natürlich von Isländern. Er hat die Planung für die Räume übernommen und den Katalog erstellt. „Neben der Ostseebiennale in Rostock 1992 ist das mein größtes Projekt“, sagt er. Und eines, das jetzt schon gefällt: Die isländische Nationalgalerie will die Ausstellung übernehmen, und auch die Direktorin des Kunstmuseums in Tallin hat ihr Interesse angekündigt.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 4. Mai bis zum 6. Juli in der Kunsthalle in Recklinghausen, direkt gegenüber dem Bahnhof. Norbert Weber steht also noch eine stressige Woche in Recklinghausen bevor, doch danach kann er wieder aufatmen – und seine Artothek am 5. Mai wieder öffnen.

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