zur Navigation springen

Seeschwalben-Nachwuchs : Nistflöße: erste Adresse für die Küken

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Künstliche Inseln haben sich als Brutplätze etabliert / Erfolgreiche Brutsaison bei den Fluss-Seeschwalben am Wittensee

Vor zwei Jahren waren sie als Notlösung gedacht. Mittlerweile haben sich die beiden Brutflöße für Fluss-Seeschwalben, die auf dem Wittensee vor Sande verankert sind, als Erfolgsmodell etabliert. In der aktuellen Brutsaison haben sie sich erneut bewährt.

Im Jahr 2013 hatte der Ornithologe Horst Andritzke das erste Floß in Eigenleistung gefertigt und zusammen mit anderen Mitgliedern des „Vereins zur Förderung des Umweltschutzes und der Landschaftspflege im Raume des Naturpark Hüttener Berge“ (VFUL) als alternative Brutmöglichkeit ausgebracht. Anstoß für diesen Schritt waren die teilweise sehr hohen Wasserstände in den niederschlagsreichen Sommern der vergangenen Jahre. Diese hatten durch die Überflutung der natürlichen Sandbänke im See regelmäßig das Ertrinken fast der kompletten Brut zur Folge. So wurden die Vogelschützer aktiv. Im vergangenen Jahr folgte der Bau eines zweiten Floßes. Mit den Nisthilfen wollten die Naturschützer auch in diesem Jahr wieder an den Start gehen und so installierten sie die beiden Flöße im April an der gewohnten Stelle. Gespannt wartete Horst Andritzke, der ebenfalls Betreuer im FFH-Gebiete Wittensee (Flora-Fauna-Habitat) ist, auf die Ankunft „seiner“ Fluss-Seeschwalben. Mitte Mai konnten dann endlich die ersten Rückkehrer aus Afrika wieder am Wittensee beobachtet werden. Schnell füllten sich die Plätze auf den Nisthilfen. Ob die Flöße jedoch genauso gut angenommen werden würden, wie in den zurück liegenden Brutzeiten, sollten einige Kontrollen ergeben.

„Wir sind mit einem guten Gefühl in die Saison gestartet“, erinnert sich Horst Andritzke an die erste Fahrt in der neuen Saison. Doch die Situation auf den Flößen überraschte selbst den seit Jahrzehnten aktiven Ornithologen. Mit 136 Eiern in 49 Nestern hatten die Fluss-Seeschwalben für einen bisherigen Höhepunkt in der noch jungen Geschichte der Nisthilfen gesorgt. „So viele Gelege mit so vielen Eiern hatten wir noch nie“, freute sich Andritzke. Etwa zwei Wochen später seien dann die ersten Küken geschlüpft.

Doch auch unerwartete Situationen erreichten den Ornithologen in dieser Saison. So hatte sich die Anzahl der Küken bei der folgenden Kontrolle plötzlich dramatisch reduziert. „Wir hatten zunächst nur Vermutungen, was passiert sein könnte“, berichtete Horst Andritzke. Am Wahrscheinlichsten erschien dem Vogelexperten, dass ein Großteil der Küken in der Zwischenzeit flügge geworden und bei der Kontrolle mit den Altvögeln auf dem See unterwegs war. Denn Prädatoren (Räuber), wie zum Beispiel Möwen, so Andritzke, hätten auf der Jagd nach Jungvögeln eigentlich kaum eine Chance. „Einmal flog eine junge Rabenkrähe in der Nähe der Flöße. Sofort haben die Seeschwalben den Feind angegriffen“, erzählte er. Die Schnabelhiebe auf die Krähe machten den Vogel so benommen, dass er nur schwimmend und durch die rettende Hand der Vogelschützer das Ufer erreichte. „Andere Vögel, wie Limikolen, akzeptieren die Seeschwalbe jedoch meist neben ihren Gelegen“, konnte Horst Andritzke beobachten.

Insgesamt zeigt sich der Gebietsbetreuer hoch zufrieden mit dem Verlauf der Brutsaison. Auch wenn ungewiss geblieben ist, wie viele Jungen genau die Fluss-Seeschwalben erbrütet haben, ist die Rechnung der Naturschützer aufgegangen. Einige junge Seeschwalben konnten die Experten beim Jagen auf dem Wittensee schon beobachten. Und dies sei das Wichtigste: „Die genaue Anzahl wäre zwar schön zu wissen. Die Hauptsache ist aber, dass keine Küken mehr ertrinken“, freut sich Horst Andritzke über den mittlerweile stabilen Bestand am Wittensee.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen