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89 Stimmen zu viel : „Nichts zu tun, kann nicht die Lösung sein“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bundestagswahl bringt NPD 89 Stimmen aus dem Dänischen Wohld – zu viele, mahnt Michael Janowski, Beauftragter der Aktion „Gettorf – kein Ort für Neonazis“.

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erstellt am 07.Okt.2013 | 15:01 Uhr

Während CDU und SPD in Berlin an einer großen Koalition feilen, gibt das Ergebnis der Bundestagswahl auch Michael Janowski, Beauftragter der Initiative „Gettorf – kein Ort für Neonazis“, Grund, sich mit dem Ausgang der Wahl zu beschäftigen. Im Dänischen Wohld haben 89 Personen ihr Kreuz bei der NPD gemacht – nach Prozenten betrachtet eine verschwindend geringe Zahl. Wenn man jedoch die tatsächliche Größe dahinter sieht, jedoch eindeutig zu viele, mahnt Janowski.

„Ich warne davor, sich anhand der Zahlen in einer Sicherheit zu wiegen, die nicht da ist“, sagt Janowski. Die 89 NPD-Wähler seien nur die Spitze des Eisbergs. Studien belegten, dass hinter jeder Stimme rund vier weitere Sympathisanten steckten. Alarmierender noch fällt das Ergebnis einer Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung aus: Danach haben zehn Prozent der Bevölkerung ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, das heißt, sie sind bereit, sich freiwillig einem Stärkeren zu unterwerfen, sie heben die eigene Nation über andere, werten andere Ethnien ab und grenzen sie aus, diskriminieren Menschen mit anderem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergrund, sind feindselig gegenüber Juden und verharmlosen den Nationalsozialismus. „Dieses Bild ist da und zieht sich durch alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen“, mahnt Janowski. Die Demokratie in Deutschland sei noch jung und müsse jeden Tag aufs Neue verteidigt werden. Es sei wichtig, sich für Demokratie und Zivilcourage einzusetzen, die Situation zu thematisieren und zu informieren – in der Politik, in der Schule, im Sport. Janowski: „Je höher die Aufklärung, desto geringer ist die Bereitschaft, das menschenverachtende Weltbild zu übernehmen.“ Die Isarnwohld-Schule, die einen Wahlpflichtkursus Rechtsextremismus anbietet und mit Veranstaltungen wie kürzlich der Präsentation des Dokumentarfilms „Blut muss fließen“ klare Signale gegen Rechts aussendet, komme dem ganz toll nach, hebt Janowski hervor. Er wünscht sich, dass sich in jeder größeren Gemeinde oder in Amtsbereichen Menschen finden, die sich – wie er – dieser Aufgabe annehmen und sich nicht nur Gettorf, sondern das gesamt Amt Dänischer Wohld als „Kein Ort für Neonazis“ bekennt. Und er betont: „Nichts zu tun, kann nicht die Lösung sein.“

 

 

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