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Wirtschaftsstandort : „Nicht kleinkariert denken“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

CDU im Dialog in den Räumlichkeiten des Getränkeherstellers Behn / Anregende Worte zu Wirtschaftsstandort und Parkplätzen in der Innenstadt.

Eckernförde | Kleine Feiglinge waren bei der Diskussion nicht dabei: Die CDU Eckernförde hatte sich für ihre Reihe „CDU im Dialog“ am Montagabend einen der größten Arbeitgeber Eckernfördes, nämlich den Getränkehersteller Behn ausgesucht, um in seinen Räumen unter der Moderation des stellvertretenden Ortsvorsitzenden Hendrik Söhler von Bargen zu fragen: „Standort Eckernförde – was braucht die Wirtschaft?“

Waldemar Behn, neben Rüdiger Behn einer der beiden Inhaber und Geschäftsführer, nahm kein Blatt vor den Mund: „Eigentlich sprechen keine Standortfaktoren für Eckernförde“, sagte er vor rund 50 Gästen. „Alle Rohstoffe müssen hergebracht und die Produkte wieder weggebracht werden. Besser wäre ein Standort an der Autobahn.“ Doch das sei zu kurz gedacht: „Wir finden relativ gut Arbeitskräfte zu vertretbaren Gehältern. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, und Eckernförde hat einen hohen Freizeitwert.“ Trotzdem: Große Firmen nach Eckernförde zu holen, bezeichnete Waldemar Behn als fast unmöglich.

Einen Einblick in die wirtschaftliche Lage der Geschäftsleute in der Innenstadt gab Steuerberater Lars Sörensen als Vertreter des Wirtschaftskreises Eckernförde (WKE) und berichtete teilweise von Umsatzrückgängen von 38 Prozent innerhalb der vergangenen zehn Jahre. „Die Gründe mögen vielfältig sein, aber wenn jetzt auch noch Parkplätze wegfallen und eine Gestaltungssatzung zu enge Vorgaben macht, dann tut das weh.“ Sein Appell an die Politik: „Sorgt für genügend Parkplätze in der Innenstadt.“

Als Wirtschaftszweig mit Zukunft wurde der Tourismus ausgemacht: „Wir müssen das nehmen, was wir haben und gut vermarkten“, sagte Waldemar Behn. „Wir müssen die Stadt attraktiv halten, dazu gehört auch die Architektur.“ Zwar brauche Eckernförde neuen Wohnraum, aber: „Geht das auch in hübsch?“ Mehrere Neubauten stießen ihm unangenehm auf, und eine Frage beschäftige ihn schon lange: „Wann entlässt endlich einer diesen Architekten vom GWU?“ Viele Gäste kämen nach Eckernförde, weil die Stadt so hübsch sei. „Wir müssen viel dafür tun, damit das so bleibt.“ Auch ein neues Hotel am Exer brauche die Stadt. „Das mit den Parkplätzen bekommt man gebacken. Da darf man nicht kleinkariert denken.“

Auch Katharina Heldt, CDU-Fraktionsvorsitzende in der Ratsversammlung, sprach sich für ein Hotel am Exer aus. Ob allerdings eine Seebrücke standortentscheidend sei, bezweifle sie. Wichtig sei ein Ersatz für die wegfallenden Parkplätze und eine ansprechende Gestaltung.

Daniel Günther, CDU-Oppositionsführer im Kieler Landtag, konzentrierte sich auf die übergeordnete Landesebene: Die Politik müsse den Mut haben, bestimmte Versprechungen nicht zu machen, sondern in die Infrastruktur zu investieren, auch wenn das keine Stimmen bei der nächsten Wahl gebe. Außerdem müsse auf allen Ebenen schneller geplant werden. „Die Politik entmachtet sich, indem sie immer mehr Gutachter und Beiräte einbezieht, so dass Entscheidungen immer später gefällt werden.“ Das Ergebnis: „Alle dürfen mitreden, werden aber trotzdem immer unzufriedener.“

Strukturförderung, Rahmenbedingungen und Regionalranking – zwei Stunden wurde diskutiert mit einer erfrischenden Offenheit.

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erstellt am 23.Sep.2015 | 06:12 Uhr

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