750 Jahr-Feier der Gemeinde Brodersby : Neues Dorfwappen aus Eichenholz

Aus einem Eichenstamm stellt her Svea Schaffner das Dorfwappen her.
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Aus einem Eichenstamm stellt her Svea Schaffner das Dorfwappen her.

Das Konzept, Dorfgeschichte in zahlreichen Höfen zu präsentieren, kam bei den Besuchern gut an. Auch viele ehemalige Brodersbyer nahmen am Sonnabend am Fest teil.

shz.de von
16. Juli 2018, 06:04 Uhr

Wenn Vergangenheit auf Gegenwart trifft, dann hört man oft: „Erinnerst du dich noch?“ Möglicherweise war das die meistgestellte Frage am Sonnabend in Brodersby. Das Dorf feierte das 750. Jahr nach seiner Gründung und lud seine zahlreichen Besucher an zehn verschiedenen Standorten zu einem Spaziergang durch die Vergangenheit ein.

Bereits kurz nach 13 Uhr wurde es laut auf dem Festplatz Auf der Sportkoppel. Nachdem Svea Schaffner aus Friedrichshafen sorgfältig die Zähne ihrer großen Motorsäge und der kleinen Schwerter geschärft hatte, begann sie, einen 75 Jahre alten, 1,20 Meter hohen Eichenstamm zu bearbeiten. Die Sägezähne fraßen sich durch das Splintholz, die Späne stoben und Rindenstück für Rindenstück legte die gelernte Holzmechanikerin und Kettensägenkünstlerin den harten Kern des Stammes frei. Vier Stunden später sollte er das Brodersbyer Wappen mit Eichenblatt, Ähre und Schwan tragen. „Mal sehen, wie oft ich unterbrochen werde“, lachte die Frau mit der Kettensäge.

„Eine sportliche Leistung“, kommentierte der Jurist Bernd Hoffmann. Er und seine Frau Anik Kähler waren aus Weimar in das Heimatdorf von Anik Kähler gekommen, um das Dorffest zu erleben. Die Lehrerin erinnert sich gut an die Zeit im Dorf, kennt die meisten Leute hier und lobt, mit wie viel Liebe die Brodersbyer ihr Jubiläum vorbereitet haben. Besonders schön findet sie das Konzept, die Dorfgeschichte in zahlreichen historischen Höfen zu präsentieren. Da ist zum Beispiel der ehemalige Bauernhof der Familie Schütt. Große Bildtafeln zeigen, wie sich das Leben auf dem Land Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts abgespielt hat, als die Kühe noch mit der Hand gemolken wurden, Pferde die Heuwender zogen und das Korn in dem hölzernen Dreschmaschinenungetüm der Firma Holthaus aus den Ähren gedroschen und von den Spelzen befreit wurde. Dank der Sammelleidenschaft der Oldtimer Interessengemeinschaft Nordschwansen gab es für die Besucher die alte Technik sowohl zum Anschauen als auch zum Anfassen. Alltägliche landwirtschaftliche Arbeiten wie beispielsweise das Buttern in der ehemaligen Meierei (heute im Besitz der Familie Klette) oder die Gewinnung und Verarbeitung von Schafwolle konnten in Vorführungen ebenso nachvollzogen werden wie die Herstellung von Honig. Wollhandarbeiten wie Meiereiprodukte waren danach auch gern gekaufte Mitbringsel, sodass sich der Förderverein Trauerarbeit Schwansen über eine Spende von 400 Euro freuen und der Förderverein Grundschule Karby seine Kasse mit 150 Euro aufbessern können. Später am Abend bekamen noch 19 von den 44 Brodersbyern, die schon das 700. Dorfjubiläum mitgefeiert hatten, als Dankeschön für ihre Treue ein Stück Schiene der alten Kleinbahn geschenkt. Denn alle wohnen noch im Ort und die älteste von ihnen ist Erna Heine mit 94 Jahren.

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