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Bössenroths “Im Gebirge“ : Neuer Glanz für alten Meister

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Münchner Sponsor stefan Tischler hat die Restaurierung des Gemäldes „Im Gebirge“ von Carl Bössenroth finanziert. Museumsleiter Uwe Beitz hat ein weiteres Bössenroth-Werk im Internet ersteigert.

Eckernförde | Gleich zweimal gibt Carl Bössenroth (1863-1935) viel Anlass zum Freuen: Zum einen ist sein Gemälde „Im Gebirge“ zum zweiten und nun wohl letzten Mal gründlich restauriert. Zum anderen ist es dem bisherigen Museumsleiter Dr. Uwe Beitz gelungen, vor zwei Wochen einen neuen Bössenroth für das Eckernförder Museum zu ersteigern.

Am Sonnabend stellte Uwe Beitz das restaurierte Bössenroth-Bild „Im Gebirge“ vor. Aus diesem Anlass fanden sich der bisherige Museumsleiter, Restauratorin Ursula Lins, Restaurator Ralf-Peter Schröder und Sponsor Stefan Tischler aus München im Bössenroth-Zimmer des Museums ein. Ursula Lins hatte dieses Bild bereits 2002 in Angriff genommen: Es war viel zu tun gewesen. Wie sie ausführte, fand sie das Bild in keinem guten Zustand vor: Durch Feuchtigkeitseinwirkung war die Malschicht stark gefährdet. Es musste gespachtelt, der Untergrund als Bildträger planiert werden. Risse und Löcher in der Leinwand wurden durch Verschweißen, Verkleben, Verkitten geschlossen. Ursula Lins reinigte die stark verschmutzte Rückseite des Gemäldes und führte eine insgesamt gründliche Oberflächenreinigung der Malschicht durch.
Lins: „Aus Kostengründen wurde auf die Abnahme des stark glänzenden, vergilbten Firnisses vorläufig verzichtet.“ Das war im Jahr 2002, und das “Gebirge“ hing – noch immer stark vergilbt –in der Bössenroth-Ausstellung 2010.

Und nun? Jetzt war „vorläufig“ vorüber. Mit Stefan Tischler hatte sich in München ein Sponsor gefunden, selber begeisterter Bössenroth-Sammler und aktuell hoch motiviert, der mit seiner Spende das Eckernförder Museumsgemälde endgültig rettete. Seine Begeisterung für speziell diesen Maler hat Familientradition: Bereits im Haus des Großvaters gab es einen „echten“ Bössenroth, den „Marienplatz bei Nacht“. Schon als Kind habe er dieses Bild fasziniert betrachtet. Später habe er das Pendant „Marienplatz bei Tag“ erwerben können. Er verehre diesen deutschen Impressionisten, der lange in München lebte. Als er von der Ausstellung und Bilder-Sammlung dieses Malers im „hohen Norden“ hörte, reifte sein Plan, für Restaurierungsarbeiten dem Eckernförder Museum finanziell bei Seite zu stehen: „Dr. Beitz hat Großartiges geleistet; er hat mit seinem Werkverzeichnis Bössenroths Bilder aus dem Nebel des Vergessens geholt.“

Der Weg war frei für die zweite Stufe der Wiederherstellung. Restaurator und Museumsmitarbeiter Ralf-Peter Schröder löste den Originalrahmen vom großformatigen Bild und arbeitete ihn auf. Dipl.-Restauratorin Ursula Lins konnte das Gemälde endlich vom alten, gelblichen Firnis befreien und letzte „Durchstoßungen“ reparieren. Reinigungsvorgänge und weitere Retuschen folgten. Nun ist das Gemälde in seiner ursprünglichen Farbigkeit zu erkennen – eine kühle Farbigkeit, aus der ein fahles Sonnenlicht verhalten leuchtet. Liegt da ein wenig Schnee auf den Gipfeln der Berge? Vermutlich ist es Herbst und – ganz ruhig. Im Wasser spiegeln sich die Felsen der Bildmitte, Bäume und Büsche stehen dunkel, in weiter Ferne ist beim genauen Hinsehen ein Ruderboot auszumachen. Es zieht eine Wasserlinie hinter sich her. Ursula Lins kennt inzwischen jeden Quadratzentimeter in dieser Landschaft und freut sich nach so vielen Sunden der intensiven Arbeit wie ein Kind: „Bei der Restaurierung ist noch so viel zum Vorschein gekommen – man erkennt jetzt den Pinselduktus, sogar die einzelnen Strukturen des Farbauftrags.“ Man möge doch „mal so von der Seite“ gucken, da ließen sich die hellgrauen und dunkleren Farbsetzungen im Himmel ganz genau erkennen.

Aber nicht nur die Restauratorin ist voller Freude, alle im Raum sind glücklich über den Erfolg. Und zum Strahlen hat Uwe Beitz noch einen zusätzlichen Grund: Er ersteigerte zum Ende seiner Dienstzeit vor zwei Wochen einen weiteren Bössenroth – auf der Internetverkaufsplattform ebay. Der Künstler hatte als Marinemaler in Kiel Kriegsschiffe und U-Boote skizziert. In den Monatsheften von Velhagen und Klasing wurden 1916 einige dieser Ölbilder (15) als Illustrationen abgedruckt. Nun besitzt das Museum nicht nur das Monatsheft mit der Reproduktion, sondern auch das Original.

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