zur Navigation springen

Neuer Gildeherzog und ein gnadenloses Strafgericht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Es war ein schönes Jahr, ich habe es gerne gemacht!“ Majestät „Manfred der Tanzfreudige“ (Manfred Jensen-Zielasko) zog am Montagabend bei der Gildeversammlung der Bürgerschützengilde von 1570 im Stadthallenrestaurant eine kurze, aber emotionale Bilanz seines Regentenjahres.

Gildevorsitzender Aribert Bramhoff begrüßte neben zahlreichen Mitgliedern und Gästen auch Mike Vorbeck (27) als neuen Gildebruder. Feierlich wurden Fähnrich Jörn Sommer und Fahnenjunker Kai Wiese vereidigt. Viele Jahrzehnte ist Manfred Kornath im Offizierskorp tätig, dafür ehrten ihn die Gildemitglieder; Oberst Lars Vondenhoff ernannte Kornath zum Ehrenmajor. Für die Bürger der Stadt war Gottlieb Flügge als Gildeherzog das Gesicht der Umzüge. Stolz in „Schapptüüch“ – Anzug, Zylinder, weißen Handschuhen und Gehstock – führte er mit festem Schritt die Umzüge an. Dieses Amt gab er nun unter großem Applaus aus Altersgründen an Gunter Niemann ab, der der Versammlung mit einem fröhlichem Zylindergruß dankte.

Bramhoff ehrte anschließend Matthias Häußler für seine 30-jährige Gildemitgliedschaft. 20 Jahre ist Gunter Niemann, zehn Jahre sind Peter Neumann und Sönke Rix dabei. Schützenmeister Kelvin Stapelfeldt gab nicht nur die Verhaltensregeln und die Schießliste zum Königsschießen bekannt, sondern lüftete auch das Geheimnis der Gildemeisterschaft 2016: Freihand fünf Schuss: Norbert Ehrich, 19 Ringe; halbe Auflage fünf Schuss: Wolfgang Ruhnke (48 Ringe), Anlage fünf Schuss: Kelvin Stapelfeldt (49 Ringe). In der Gesamt-Gildemeisterschaft, bestehend aus je fünf Schuss Anlage und halbe Anlage, erreicht Wolfgang Ruhnke mit 92 Ringen den ersten Platz, Norbert Ehrich (90 Ringe) den zweiten und Kelvin Stapelfeldt (89 Ringe) den 3. Platz.

Große Freude bei allen Anwesenden entfachte die „Gildelade“, das Gildegericht. Verfehlungen werden geahndet und mit Strafen von einer Tonne Bier (50 Euro), einer halben Tonne Bier (25 Euro) und einem Gildetaler (5 Euro). Die Anklage entpuppt sich stets als sehr kreativ: Da geht es um die falsche Sockenfarbe des Vorsitzenden, der seit Jahren „Designersocken in Gelb“ von seiner Frau Luise liebevoll gestrickt zur vorgeschriebenen Gilde-Kleiderordnung trägt, bis hin zum flappsigen Ausdruck „Geier“ für den ehrwürdigen Papagoyenvogel – solche und ähnliche „Schandtaten“ werden gnadenlos bestraft. Kaum ein Gericht hat wohl je erlebt, das sich jemand beschwert, nicht angeklagt zu werden. Gildebruder Peter Sager tat es: „Dat is noch ni vorkamen, dat ik nich verordeelt worrn bün, dat nehm ik ju övel!“ Ihm konnte geholfen werden: Da er seine Redezeit weit überschritten hatte, folgte die Strafe auf dem Fuße: eine Tonne Bier. Wer die Gildesprache Plattdeutsch nicht beherrscht und diese auch nicht schreiben kann, ist arm dran. Gildemeister Carsten Höneise bekam dieses zu spüren. Auf Empfehlung von Heiner Evers, musste er für die falsche Schreibweise des „Vörsitter“ drei Gildetaler zahlen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen