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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 14:02 Uhr

Umfrage : Neue Zeiten – mehr Konkurrenz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

EZ hört sich nach Verlegung des Wochenmarktes am Dienstag zur Resonanz um / Blumenhändlerin verabschiedet sich nach 15 Jahren

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Gettorf | Drei Monate sind vergangen, seit die Gemeindevertretung Gettorf die Wochenmarktzeiten geändert hat. Standen die Händler neben Freitagvormittag bisher Dienstagnachmittag von 14 bis 18 Uhr in der Gettorfer Fußgängerzone, sollte der Wochenmarkt nun auch am Dienstag vormittags stattfinden. Zeit für eine Bilanz von Händlern und Kunden.

Petra Siebert ist Verkäuferin im Fischwagen von Fischermeister Arne Bening. Bisher habe sie keine erheblichen Veränderungen im Kaufverhalten der Kunden bemerkt: „Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Es könnte natürlich noch einen Tick besser sein. Aber das muss sich auch erstmal alles einspielen.“ Dass der Wochenmarkt ab 8 Uhr öffne, sei möglicherweise ein Nachteil. „Das ist für einige Berufstätige eventuell schon zu spät, wenn sie vor der Arbeit einkaufen wollen.“

Eine endgültige Bilanz will auch Obsthändlerin Anika Böttiger noch nicht ziehen: „Momentan ist der Umsatz okay. Könnte besser, könnte schlechter sein.“ Einen deutlichen Vorteil böten die frühen Marktzeiten erst in den Sommermonaten. „Dann kaufen die Leute ohnehin lieber früh ein, als in der Mittagshitze. Außerdem sind Sonne und Wärme für unsere Ware natürlich auch nicht besonders gut.“ Darüber hinaus kann die Obsthändlerin der Verschiebung der Wochenmarktzeiten durchaus etwas Positives abgewinnen: „Mit zwei Kindern hat man auch selber mehr vom Tag.“

Torsten Kalinka verkauft Backwaren auf dem Wochenmarkt in Gettorf. Er profitiert von den früheren Verkaufszeiten in der Fußgängerzone: „Vormittags kaufen die älteren Leute lieber ein. Generell ist vormittags mehr los als nachmittags.“ Kalinkas Kunde Max Rethwisch ist geteilter Meinung, wenn es um die politischen Entscheidungen hinsichtlich des Gettorfer Wochenmarktes geht: „Dass der Markt jetzt auch am Dienstag vormittags stattfindet, finde ich gut. Aber es ist eine falsche Entscheidung der Gemeinde, einem kleinen Dauermarktbeschicker plötzlich einen großen Stand vor die Nase zu setzen.“ Max Rethwisch erklärt, bisher sei Marianne Bredemeyer die einzige Blumenverkäuferin auf dem Wochenmarkt gewesen. Nun habe die Gemeinde einem Händler mit deutlich größerem Sortiment die Standgenehmigung erteilt. Max Rethwisch hat wenig Verständnis dafür: „Da kann doch so ein kleiner Stand nicht mithalten.“

Seit 15 Jahren verkauft Marianne Bredemeyer ihre Blumen auf dem Wochenmarkt in Gettorf. Über ihren neuen Standnachbarn ist sie alles andere als glücklich: „Ich bin stinksauer. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, auf so einen kleinen Wochenmarkt einen so großen Stand zu setzen.“ Ohnehin sei die Entscheidung der Gemeindevertretung, den Wochenmarkt auf den Vormittag zu verlegen, ein Fehler gewesen: „Nachmittags konnten die Berufstätigen noch einkaufen, die kommen jetzt natürlich nicht mehr.“

Bürgermeister Jürgen Baasch kann die Aufregung nicht verstehen: „Die Beschicker selbst haben uns doch mit dem Wunsch angesprochen, den Markt auf den Vormittag zu legen.“ So habe Backwarenhändler Torsten Kalinka der Gemeindevertretung versichert, dass auch andere Marktbeschicker Interesse an dem Gettorfer Wochenmarkt zeigen würden, wenn er vormittags stattfinde. „Also sind wir dem Wunsch nachgekommen und haben die Satzung dahingehend geändert, in der Hoffnung, dass nicht nur mehr Kundschaft, sondern auch mehr Beschicker Interesse zeigen.“ Zwar verstehe der Bürgermeister die Verärgerung von Marianne Bredemeyer, trotzdem könne man es nicht allen recht machen „und wie heißt es: Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Bredemeyer zieht ihre Konsequenzen. Dienstags werde sie zukünftig nicht mehr auf dem Wochenmarkt in Gettorf stehen. „Ich werde nicht hier sitzen und zusehen, wie die Leute Paletten vom anderen Blumenhändler wegschleppen.“ Susanne Sell hat gerade 20 Hornveilchen bei Marianne Bredemeyer gekauft. Ihr ist egal, ob der Wochenmarkt vor- oder nachmittags stattfinde. „Ich bin Hausfrau, da bin ich flexibel. Andererseits, am Nachmittag war hier immer mehr los. Da hat man sich auch mal auf einen Kaffee hingesetzt und geschnackt. Besonders gern mit Frau Bredemeyer.“

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