Dienstagsinterview : Neue Steuer ein Wettbewerbsnachteil

Torsten Denker (l.) und Peter Tramm halten die Anwendung der Damper Übernachtungssteuer in der Praxis für nicht anwendbar.
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Torsten Denker (l.) und Peter Tramm halten die Anwendung der Damper Übernachtungssteuer in der Praxis für nicht ptaktikabel.

Damper Campingplatzbetreiber kritisieren neue Übernachtungssteuer und fühlen sich benachteiligt

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
20. Februar 2018, 06:33 Uhr

Damp | Seit 1. Januar 2017 erhebt die Gemeinde Damp eine sogenannte Übernachtungssteuer. Jeder Damper Beherbergungsbetrieb muss für Übernachtungsgäste einen Obolus je Nacht zahlen. In der Praxis sieht es so aus, dass die Übernachtungsbetriebe am Jahresanfang der Gemeinde, in dem Fall der Amtsverwaltung, eine Erklärung über die Anzahl der Übernachtungen machen müssen. Die Betriebe sind gegenüber der Gemeinde steuerpflichtig. Sie müssen die Steuer aus den vom Unternehmen kalkulierten Übernachtungspreisen abführen. Die Verwaltung ermittelt dann die Steuerschuld, die der Betrieb abführen muss.

Schon vor der Einführung der Übernachtungssteuer gab es Kritik. Hauptkritik war die Verzerrung des Wettbewerbs und die Unverhältnismäßigkeit der Höhe der Steuer vor allem bei geringen Übernachtungspreisen wie auf Campingplätzen. Über ihre Erfahrungen aus der einjährigen Praxis sprach Schwansen-Redakteur Dirk Steinmetz mit Peter Tramm und Torsten Denker, Inhaber und Betreiber des Campingplatzes Damp-Dorotheeenthal.

EZ: Sie haben nun ein Jahr lang die Übernachtungssteuer angewendet. Welche Variante der Abrechnung haben sie für ihren Campingplatz gewählt und wie sind die Reaktionen?

Torsten Denker: Wir unterscheiden nicht zwischen Touristen-Camper und Dauercamper. Statt einer Pauschalsteuer von 90 Euro je Dauercamper-Stellplatz im Jahr, lassen wir die Dauercamper jede Übernachtung notieren. Die Ergebnisse reichen wir dann zur Ermittlung der Steuer ans Amt weiter.

EZ: Sie könnten auch alle Dauer-Camper um eine Pauschale bitten, warum nicht?

Peter Tramm: Das ist doch ungerecht. Manche Camper kommen drei Wochen im Sommer, sollten wir für sie genauso 90 Euro zahlen wie für andere, die monatelang hier sind? Andere übernachten gar nicht hier, die kommen tagsüber aus Kappeln auf den Platz, treffen Freunde und sitzen vor ihrem Wagen. Schlafen tun sie wieder in Kappeln.

EZ: Wie war denn die Reaktion der Urlauber auf die Steuer?

Denker: Die Touristen-Camper haben die Steuer in 2017 nicht gemerkt. Sie zahlen ihren normalen Preis und wir übernehmen die Steuer. Die, die mitbekommen haben, dass die Gemeinde Damp die Steuer für die Betriebe eingeführt hat, schütteln den Kopf. Und wenn sie dann fragen, was wird mit den Einnahmen gemacht, und ich erzähle, davon wird im Winter eine Eisbahn aufgebaut, dann sagen sie, „und was haben wir davon?“ Wie soll ich das vermitteln? Von dem touristischen Angebot haben die Camper gar nichts.

EZ: Das heißt also, Sie als Betrieb zahlen allein die Steuer?

Denker: Ja, für die Touristen-Camper zahlen wir alles und bei den Dauer-Campern haben wir in 2017 die ersten 20 Euro je Person übernommen. Kommen sie öfter im Jahr über Nacht, müssen sie dafür selber etwas zahlen. Das machen wir, um unsere Kunden nicht zu verprellen. Aber sie müssen selber nach bestem Wissen und Gewissen ihre Übernachtungsliste führen.

Tramm: Es kann ja auch nicht unsere Aufgabe sein zu klären wer, wann, wie oft und mit wie vielen Personen tatsächlich über Nacht auf dem Platz war. Das können wir nicht leisten und wir wollen unsere Gäste nicht überwachen. Das geht doch nicht. Das verstößt doch gegen das Grundgesetz.

EZ: Ist das denn wirtschaftlich sinnvoll? Warum legen Sie die Steuer nicht um und weisen die Gäste darauf hin, dass das eine Steuer der Gemeinde ist?

Tramm: Das geht nicht. Unsere Preise sind über Jahre klar kalkuliert. Überlegen Sie mal. Die einfache Übernachtung kostet pro Nacht und Person 3,50 Euro. Wenn ich da 1 Euro Übernachtungssteuer für die Gemeinde drauflegen würde, muss ich am Ende nach Abzug der Mehrwertsteuer fast 31 Prozent als Übernachtungssteuer abführen. Das steht doch in keinem Verhältnis. Und einfach drauf legen können wir nicht. Die Preisbildung hat sich über Jahre entwickelt und natürlich stehen wir in Konkurrenz zu Plätzen in Nachbargemeinden. Dort gibt es das nicht. Das ist hier ein Nachteil.

Denker: Vor allem die Touristen-Camper schauen nach dem Preis. Die vergleichen im Internet, bevor sie anreisen. Würden wir auf unsere Preise die Steuer drauflegen, sind wir teurer als die anderen Plätze. Das können wir nicht machen. Und wenn dann noch nicht einmal eine Gegenleistung für die höheren Kosten (aus Sicht der Gäste) zu nennen ist, was dann?

EZ: Sie sind also überzeugt, dass die Steuer ein klarer Wettbewerbsnachteil ist?

Tramm: Ja, in jedem Fall. Zudem wäre die Steuer vielleicht besser zu vermitteln, wenn davon auch eine Verbesserung des Badestrandes Damps in Richtung Waabs sowie eine spürbare Verbesserung beispielsweise der Wander-und Reitwege finanziert werden würde.

EZ: Haben Sie die Sorge, dass Ihre Kunden abwandern?

Denker: Wenn wir die Steuer draufpacken würden, ja, die Sorge ist da. Vor allem die Gewinnung neuer Gäste wird immer schwieriger, weil eben immer der Preis vergleichen wird.

EZ: Gibt es weitere Aspekte, die Sie nach einem Jahr Anwendung der Steuer als unpassend oder nicht ausgereift empfanden?

Tramm: Oh ja. Was ist mit Dauerplatzmietern, die zwei Stellplätze haben, aber dennoch nicht mit mehr Personen dort wohnen? Müssen die zweimal 90 Euro Pauschale zahlen, obwohl es ja nicht mehr Übernachtungen sind? Was ist mit Begleitern von Menschen mit Behinderungen, die auf deren Hilfe angewiesen sind und sie begleiten müssen? Was ist mit Bürgern der Gemeinde Damp, die einen Dauerplatz haben. Sie zahlen ja schon Steuern an ihre Gemeinde? Was ist mit Campern, die sowohl einen Stellplatz haben als auch einen Liegeplatz im Damper Hafen?

EZ: Ist die Steuer aus Ihrer Sicht anwendbar? Was sagen Sie aus der Praxis?

Denker: Nein, so wie sie jetzt ist, ist sie nicht anwendbar. Und sie sorgt ja auch in der Campergemeinschaft für Unruhe. Jeder unserer rund 260 Dauercamper hat Gesprächsbedarf. Das kostet uns extrem viel Zeit, das zu erläutern. Und die Einführung der Steuer fällt in eine Zeit, in der Schleswig-Holstein schon abgehängt wird durch den A7-Ausbau. Da überlegen sich viele, ob sie noch hier rauf kommen.

EZ: Wie ist das neue Jahr angelaufen, ist die Steuer noch ein Thema bei den Gästen?

Denker: Und wie. Die rufen an oder fragen, wenn sie hier vorbeischauen. Zurzeit können wir aber nichts Neues sagen.

EZ: Wie werden Sie in Zukunft mit der Steuer umgehen? Werden Sie sie akzeptieren?

Denker: Akzeptieren tun wir sie nicht, aber wir handeln und wenden sie rechtskonform an. Und wir bitten die Dauer-Camper, wieder ihre Liste zu führen, damit auf der Grundlage die von uns zuzahlende Steuer ermittelt werden kann.

EZ: Werden Sie rechtliche Schritte prüfen?

Tramm: Ja, das werden wir prüfen.

Denker: Es gibt bestimmt eine gerechtere Form, um alle Betriebe, die aus dem Tourismus eine Wertschöpfung haben, zu erreichen, und zwar viel einfacher.

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