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Brekendorf – Ein Paradies für Fledermäuse : Neue Quartiere für Fledermäuse

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neue künstliche Nisthöhlen für die Fledermäuse in den Hüttener Bergen / Brekendorf beliebtes Revier fürs Fledermaus-Monitoring

von
erstellt am 08.Dez.2017 | 06:06 Uhr

Brekendorf | Sie heißen Wasserfledermaus, Großer Abendsegler, Fransenfledermaus oder Rauhausfledermaus. Etwa 15 verschiedene Arten gibt es in Schleswig-Holstein, viele davon leben auch in den Hüttener Bergen. Lautlos spüren sie mit Ultraschall und Echolot im Schutz der Dunkelheit Insekten auf. Eine faszinierende Spezies sind Fledermäuse, das findet auch Matthias Göttsche, der vom Land für die Bestandsaufnahme, das Monitoring der Fledermäuse, beauftragt wurde. Gestern war Göttsche im Brekendorfer Forst, um dort gemeinsam mit Förster Rainer Mertens und den beiden ehrenamtlichen Fledermausschützern Sönke Behrends und Katarina Wollherr neue Nistkästen an den Bäumen zu befestigten. „Es sind Kunsthöhlen“, sagt Göttsche über die Beton-Holz-Konstruktionen, die den Fledermäusen im Wald als Quartier dienen. Neben den Kunsthöhlen nutzen die Tiere aber auch die natürlichen Höhlen in den Bäumen, überwiegend sind es Buchen. Es war 2005, als Matthias Göttsche die Kunsthöhlen der Fledermäuse im gesamten rund 420 Hektar großen Revier abgebaut und wieder in Schuss gebracht hat und anschließend wieder dort aufgehängt, wo sie zum einen von den Tierschützern gut zu erreichen sind und zum anderen auch ein sinnvolles Quartier für die Fledermäuse darstellen. Etwa 60 Stück hatte das Team dabei, die von den schleswig-holsteinischen Landesforsten beschafft wurden, außerdem 25 Fledermausgroßhöhlen, die den Weibchen mit ihrem Nachwuchs als so genannte Wochenstuben dienen. Auch 60 Meisen-Kästen wurden geliefert, die aber auch von anderen Vogelarten belegt werden können.

Mit den neuen Quartieren sind es jetzt um die 200 Stück, die allein in den Brekendorfer Forsten hängen. „In den Hüttener Bergen finden die Fledermäuse ein großes zusammenhängendes Waldgebiet vor, außerdem Feuchtgebiete“, betont Göttsche.

In den vergangen Jahrzehnten hat sich so auch mit Hilfe des Artenschutzprogrammes eine vielfältige und stabile Population gebildet. In den Höhlen konnten die Fledermausexperten im vergangenen Jahr allein in Brekendorf gut 100 Exemplare zählen. Die beständige Fledermauspopulation zeigt auch, dass die vielseitigen Anstrengungen für mehr Naturschutz im Wald greifen. Das Konzept des Miteinanders von Forstwirtschaft und Naturschutz scheint aufzugehen. Besonders die Population der Rauhautfledermaus ist von großer Bedeutung. „Die Hüttener Berge sind da von überregionaler Bedeutung“, sagt Göttsche, vielleicht sogar von noch größerer Bedeutung für die nur sechs bis sieben Gramm leichte Tier. Interessante Daten erhält man auch von der Teichfledermaus. Hier wisse man mittlerweile, dass diese Art migriert. Viele der Weibchen kommen aus Skandinavien und paaren sich in den Hüttener Bergen mit ihresgleichen. Etabliert hat sich der Große Abendsegler, mit rund 25 Gramm die größte Art in den Hüttener Bergen. „Sie wurde in der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere hochgestuft“, so Behrends. Die naturnahe Waldbewirtschaftung komme der Art da sehr gelegen.

Verschiedene Konstruktionen an Kunsthöhlen gibt es, jede Fledermausart hat da so ihre Vorlieben. Im Inneren der Kästen befinden sich meist Spalten, „denn Fledermäuse lieben den Bauch-Rücken-Kontakt“, sagt Behrends, der eigentlich in Ammersbek bei Ahrensburg wohnt, viele Jahre in Ascheffel gelebt hat und für das Fledermausmonitoring immer wieder in seine alte Heimat kommt.

Bei den kleineren Arten sind es bis zu 40 Tiere, die sich in einem Kasten befinden. Die geräumigeren Kästen sind die Wochenstuben. Hier bringen die Weibchen die Jungtiere zur Welt, die von der Mutter gesäugt werden, bis sie flügge sind. Es sind meist mehrere Weibchen mit ihrem Nachwuchs, die sich in der Wochenstube zusammenfinden, die Mütter gehen jagen, die Jungtiere wärmen sich gegenseitig.

Alle Fledermausarten sind geschützt, ihr Bestand gefährdet, wie Matthias Göttsche betont. Ursachen dafür seien nach Auskunft Göttsches fehlende natürliche Quartiere in alten Bäumen, aber auch Windkraftanlagen würden viele Fledermäusen das Leben kosten. Auch bei der energetischen Sanierung von Häusern werden Quartiermöglichkeiten hermetisch abgeriegelt.

Da die Fledermäuse nachtaktiv sind, ist die Erforschung der Spezies mit viel Aufwand verbunden. Aber die lohne sich, meint Matthias Göttsche. Viele Wissenschaftler seien vor allem daran interessiert, wie es die kleinen Säugetiere schaffen, so alt zu werden. „Manche werden bis zu 30 Jahre alt“, so der Experte. Diese lange Lebenszeit sei im Hinblick auf ihre Größe sehr ungewöhnlich. Diesem „Methusalem-Gen“ wolle man auf den Grund gehen.

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