Kultur : Neue Musik erinnert an das Vergessen

Das ensemble reflexion K musizierte diesmal zu sechst (v.l.): Martin von der Heydt (Klavier), Gerald Eckert, Joachim Striepens (Klarinette),  Lenka Zupkova (Violine), Beatrix Wagner (Flöte), und Birgit Schmieder (Oboe).
Das ensemble reflexion K musizierte diesmal zu sechst (v.l.): Martin von der Heydt (Klavier), Gerald Eckert, Joachim Striepens (Klarinette), Lenka Zupkova (Violine), Beatrix Wagner (Flöte), und Birgit Schmieder (Oboe).

Das letzte Konzert der Reihe „Neue Musik“ 2013 fand am Wochenende statt. Werke von in KZ ermordeten Komponisten wurden hier vorgetragen.

Avatar_shz von
11. November 2013, 18:14 Uhr

„Erinnerungen an das Vergessen“ – unter diesem paradox anmutenden Titel stand das aktuelle Konzert der Reihe „Neue Musik“ Eckernförde in der St.-Nicolai-Kirche. Das ensemble reflexion K musizierte diesmal mit sechs Mitgliedern. Die Leiterin dieser flexiblen Gruppierung, Beatrix Wagner, hatte ihre Flöten mitgebracht, Birgit Schmieder spielte auf den Geschwisterinstrumenten Oboe und Englischhorn, Joachim Striepens hatte eine ganze Reihe verschiedener Klarinetten dabei, Martin von der Heydt nutzte den vorhandenen Flügel und Lenka Zupkova brachte ihre Violine zum Einsatz. Überraschend war der Auftritt von Gerald Eckert als Schlagzeuger.

Eingerahmt wurde das Konzert in zwei Kompositionen von Gerald Eckert: „Nen VI“ von 2007 für Oboe, Flöte und Klarinette bildete den Auftakt. Mit Kontrabass-Klarinette, Flöte, Klavier und Schlagzeug wurde das abschließende Stück des Konzertes musiziert: „empty rooms“ entstand 2009. Beide Werke, die sich mit zeitlichen Aspekten auseinandersetzten, bildeten je einen Höhepunkt des Konzertes. Eckert, der momentan in Südkorea einer Musik-Professur nachkommt, hat in Eckernförde ein begeistertes Publikum, das seine Werke liebt und zunehmend zu verstehen scheint.

Neben weiteren zeitgenössischen Werken von Sciarrino und Walter Zimmermann erklang auch das namensgebende Stück „Eine Erinnerungen an das Vergessen“ des palästinisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi. Ein Klavierwerk, das sehr eindrücklich und aufwühlend von Martin von der Heyd interpretiert wurde, gab einen ersten spannenden Einblick in das Wirken des in Berlin lebenden Komponisten. Eine Vertiefung bei späteren Konzerten wäre erfreulich.

Eine Besonderheit dieses Konzertes waren zwei Kompositionen von Tonsetzern, die im Konzentrationslagern gestorben waren. Erwin Schulhoff (1894-1942 Wülzburg) komponierte 1929 die „Sonate für Flöte und Klavier“. Von Pavel Haas (1899-1944 Auschwitz) erklang „Suite für Oboe und Klavier op. 17“ von 1939. Haas komponierte das beeindruckende Werk im KZ Theresienstadt. Ermordet wurde er in Auschwitz. Beide Werke sind als Übergang von der üblichen klassischen Komposition zu der „Neuen Musik“ zu verstehen und somit unter geschichtlichen Aspekten besonders interessant. Es ist ein markantes Merkmal der Musikreihe in Eckernförde, dass immer spannende Randaspekte dieser Musikgattung beleuchtet werden und regelmäßige Besucher zu einem immer umfassenderen Verständnis geleitet werden.

Dies war das letzte Konzert der Reihe „Neue Musik“ in Eckerförde für dieses Jahr. Das nächste Konzert findet unter dem Titel „Corporel - spirituell“ am 14. Februar um 20 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche mit Werken von Globokar, Boulgakova und Gerald Eckert statt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen