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Leben : Neue Lunge schenkt 20 Jahre Lebensfreude

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Brekendorferin feiert besonderes Jubiläum nach Transplantation

Brekendorf | Es war der 18. Mai 1997 als Dorothea Jochimsen in Kiel eine neue Lunge transplantiert wurde. Das ist jetzt 20 Jahre her. „Ich lebe so gern. Ich gehe so gern aus. Ich tanze so gern”, berichtet die Brekendorferin voller Lebensfreude. Vor 20 Jahren wurde ihr ein neues Leben geschenkt: Der damals 54-Jährigen wurde in der Uniklinik in Kiel eine Lunge transplantiert – und fortan ging es in ihrem Leben wieder bergauf. „Als mir wenige Tage nach der Operation der Beatmungsschlauch aus dem Hals gezogen wurde, sollte ich selbstständig atmen. Ich konnte es kaum fassen, ich kriegte Luft. Ich war so glücklich. Ich hätte springen und lachen können“, schildert Jochimsen dieses unglaubliche Glücksgefühl, das sie bis heute empfindet.

Dem vorausgegangen waren furchtbare Jahre. 1987 habe sie das erste Mal plötzlich und unvermittelt unter Atemnot gelitten. Die Ärzte diagnostizierten Bronchialasthma und behandelten Jochimsen mit Cortison und Sprays. Doch die Luftnot wurde immer schlimmer. Bei einer dieser Attacken habe er den Notarzt gerufen und dieser habe den Rettungshubschrauber, der gerade in der Nähe war, geschickt, berichtet ihr Ehemann Bernd Jochimsen. Seine Frau war schon blau angelaufen, die sofort verabreichten Infusionen retteten ihr das Leben. Sie wurde ins Rendsburger Krankenhaus eingeliefert. Von hier aus wurde die Patientin in die Forschungsklinik nach Borstel überwiesen. „Endlich stellte man fest, an welcher Krankheit ich litt. Ich war zunächst erleichtert. Sie diagnostizierten bei mir die seltene Erbkrankheit ‚Alpha-1-Antitrypsin-Mangel‘. Doch dann sagte mir der behandelnde Arzt, dass es dafür keine Medikamente gebe. ‚Muss ich sterben?‘, fragte ich und der Arzt antwortete ‚Ja‘“, erinnert sich Jochimsen. Der Mediziner habe dann erläutert, dass es eventuell noch die Möglichkeit einer Lungentransplantation gebe. Erst Mitte der 80er-Jahre war die erste Lungentransplantation durchgeführt worden, die Forschung steckte sozusagen noch in den Kinderschuhen, und die Ärzte der Kieler Uniklinik erklärten der Brekendorferin, dass sie noch einige Jahre warten müsse.

Da Dorothea Jochimsen nicht mehr arbeitsfähig war, mussten ihr Mann und sie den gemeinsam geführten örtlichen Kaufmannsladen aufgeben. Es folgte zusätzlich ein Lungenemphysem und ab dann war die einst so aktive und sportliche Frau auf den Rollstuhl und das Sauerstoffgerät angewiesen. „Ich konnte nicht mehr ausgehen. Ich war eigentlich nur noch zu Hause. Ich habe fünf Jahre meines Lebens nur so dahingesiecht“, erinnert sich Jochimsen an die folgenden Jahre. Doch 1997 war es dann endlich soweit: Der Pieper, den die schwerkranke Frau stets bei sich trug, ging los – es gab ein Spenderorgan in der passenden Größe. Mit einem Krankenwagen wurde Jochimsen zur Uniklinik gefahren, und in einer knapp sechsstündigen Operation haben die Ärzte die Verpflanzung der neuen Lunge vorgenommen. Nach künstlichem Koma und Intensivstation lag die Patientin weitere drei Wochen auf Station und konnte dann bereits entlassen werden.

„Ich bin so dankbar. Mir wurde ein neues Leben geschenkt“, schildert Jochimsen. Sie wisse nicht, von wem die gespendete Lunge stamme, doch sie denke oft an die Hinterbliebenen. Mit einer großen Bitte wendet sich Jochimsen an die Öffentlichkeit: „Es gibt zu wenig Organspender. Die Spendenbereitschaft ist zurückgegangen. Bitte tragen Sie einen Organspendeausweis bei sich.“ Heute geht es der 74-Jährigen wieder richtig gut. Dorothea Jochimsen muss allerdings weiterhin jeden Tag 20 Tabletten einnehmen, damit der Körper das Organ nicht abstößt. Auch regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in der Uniklinik sowie zusätzliche Klinikaufenthalte bei jedem Infekt gehören nun zu ihrem Leben. Doch sie sei unendlich glücklich, dass sie wieder so ein aktives Leben führen könne, freut sich Jochimsen. Mit Gartenarbeit, Haushalt und ganz viel Sport halte sie sich fit – und besonders schön sei es, so berichtet es die Brekendorferin, dass sie für ihre beiden zehn und 13 Jahre alten Enkelsöhne da sein könne, die oft und gern bei Oma und Opa zu Besuch seien.

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erstellt am 20.Mai.2017 | 06:37 Uhr

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