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Parkinson : Neue Lebensqualität durch eine starke Gemeinschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bernd Carstens plant zusammen mit der Deutscher Parkinson Vereinigung eine neue Regionalgruppe in Eckernförde. Er ist selber von der Krankheit betroffen und leitet bereits eine Gruppe in Kappeln.

Ein starrer Gesichtsausdruck, teilnahmsloses Auftreten, ein leicht geöffneter Mund und leise Stimme. Anzeichen, die auf den ersten Blick harmlos wirken und nicht selten übersehen werden. Doch sie können bereits ein Hinweis auf Parkinson geben. Oft kommt es dabei auch zu einer Bewegungsarmut. Bei manchen ist es nur das Mitschwingen der Arme beim Gehen, was auf einmal aufhört, bei anderen ist es ein allgemeines Steifheitsgefühl.

Für Bernd Carstens aus Karby war es erstmal ein Schock, als der Neurologe ihm 2002 Parkinson attestierte. Bemerkt habe er die Veränderung an seinem Körper bei einem Spaziergang mit seiner Frau. „Auf einmal sagt sie, Bernd warum schwingst du denn deinen Arm nicht mehr mit?“ Anfangs habe er sich das auch nicht erklären können. Sein Hausarzt habe ihn dann sofort zu einem Neurologen überwiesen. „Das ist auch nicht immer üblich, aber in meinem Fall hat es gut geklappt.“ Die endgültige Diagnose habe er dann auch sehr schnell erhalten. „Normalerweise kann das schon ein paar Wochen in Anspruch nehmen, aber bei mir ging es erstaunlich schnell.“ Er wurde dann mit Tabletten eingestellt. 15 Stück müsse er mittlerweile einnehmen.

Die Tabletten unterstützen die Dopaminproduktion des Körpers. Dieses wird vor allem für den Bewegungsapparat und die Feinmotorik benötigt und kann bei Parkinsonpatienten nicht mehr durch den Körper hergestellt werden, da die dafür verantwortliche Substanz langsam abgebaut wird.

Bernd Carstens ist gut eingestellt mit den Tabletten. „Ich lebe quasi wie vorher auch, nur das mein Geruchs- und Geschmackssinn nachgelassen haben und ab und zu meine Stimme leiser wird.“

Diese Phase, wo man noch nicht viel von der Krankheit merkt, nennt man auch „Honey Moon Zeit“. Von Patient zu Patient sei diese Phase unterschiedlich lang. „Ich habe Glück, ich lebe noch immer im Honey Moon,“ erzählt Carstens. Aber irgendwann sei der Körper resistent gegen die Tabletten, dann müssen andere Handlungsmethoden angewandt werden. Bis jetzt fahre er einmal im Jahr für drei Wochen nach Bad Segeberg, um sich neu Einstellen zu lassen auf die Tabletten. Weitere Behandlungen seien bis jetzt nicht notwendig.

Das ihm so etwas zusteht, habe er durch eine Selbsthilfegruppe erfahren. Die Deutsche Parkinson Vereinigung bietet in zirka 20 Regionalgruppen in Schleswig Holstein regelmäßige Treffen an, bei denen sich Betroffene und ihre Angehörigen mit anderen über Erfahrungen austauschen können, Informationen erhalten und ihr Selbstbewusstsein durch verschiedene Aktionen stärken können.

Die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. ist eine von betroffenen Personen gegründete Selbsthilfe Vereinigung, die rund 23.000 Mitglieder zählt. Ziel der Vereinigung ist die Verbesserung der Lebensumstände der Patienten und deren Partner.

Bernd Carstens habe von der Regionalgruppe durch die Zeitung erfahren. „Ich bin damals einfach mal hingegangen.“ Heute ist er der Regionalleiter der Gruppe in Kappeln. „Wir haben dort 32 Mitglieder.“ Das Gerücht, man treffe sich dort nur zum Kaffeetrinken halte sich zwar hartnäckig, aber die vielen Aktionen hätten schon bewiesen, dass es nicht so sei. So wird zum Beispiel Acyrlmalen, Tanzen oder Qi Gong angeboten. Demnächst soll es sogar ein Kurs über räumliche Kunst angeboten werden. „Da wollen wir zum Beispiel Specksteine schleifen,“ erklärt Ehefrau Carstens. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann der Gruppe beigetreten. Es sei ganz wichtig, dass auch für die Betreuungspersonen etwas gemacht wird. Regelmäßig treffe sie sich mit anderen Frauen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Bernd Carstens möchte nun eine weitere Regionalgruppe in Eckernförde gründen. „Viele Parkinsonkranke aus Eckernförde haben mich angeschrieben.“ Einige davon seien bereits in Gruppe in Kappeln eingetreten, aber die Fahrerei sei auf Dauer eine enorme Belastung.

Die Gründungsveranstaltung ist für den 31. August in den Räumlichkeiten des Familienzentrums Eckernförde geplant. Ab Elf Uhr stellt Carstens die Aktivitäten der Gruppe Kappeln vor. Es ist geplant die Treffen an jedem zweiten Montag im Monat in der Klönstuuv des Familienzentrums stattfinden zu lassen.

Für eine Gründung sind mindestens 15 Neumitglieder erforderlich. Aus diesem Grund erhofft sich Carstens regen Zuspruch. „Ziel ist, den James (James Parkinson, Entdecker der Krankheit) zu vergessen. Wir wollen mit der Gruppe die Lebensqaulität der Menschen verbessern.“ Oft ziehen sich die Betroffenen aus dem sozialen Leben komplett zurück. „Das ist falsch,“ erklärt Carstens. Gemeinsam könne man lernen, sich aus der Einsamkeit herauszuwinden, Beziehungen aufzubauen und zu vertiefen.

Ziel ist es, auch die Angehörigen in die Gruppe zu integrieren, um Gemeinsam das Konzept der Verbesserung der Lebensumstände zu verwirklichen.

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erstellt am 21.Aug.2013 | 14:56 Uhr

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