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Mensch des Jahres 2013 : Neue Bedingungen fürs Lernen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Lehrerin Astrid Witt setzt sich für neue Formen der Wissensvermittlung ein und stärkt ihre Schüler mit vielfältigen Angeboten.

Sie selbst fand Schule langweilig. Genau deshalb hat Astrid Witt, Lehrerin am Gymnasium Altenholz, heute einen kritischen Blick auf den Unterricht. Unermüdlich und beispiellos versucht sie mit vielfältigen Aktionen die Potenziale ihrer Schützlinge zu wecken und ihnen Lust am Lernen zu vermitteln.

Mathe und Sport auf Lehramt studierte die 64-Jährige nach ihrem Abitur nur den Eltern zuliebe. Den Abschluss in der Tasche, zog es sie ins Ausland. „Die Sehnsucht war einfach zu groß“, erinnert sich Witt, die Teile ihrer Kindheit auf Kuba und in Afrika verbrachte – ihr Vater war Statistiker bei der UNO. Die Olympischen Spiele 1972 in München begleitete sie noch als Chefhostess auf der Ruderanlage – sie selbst war Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, und auch bei der Fußballweltmeisterschaft zwei Jahre später sog sie internationales Flair in sich auf, bevor sie nach Gran Canaria zog, um dort als Direktionsassistentin in einem Hotel zu arbeiten. Die Heirat führte sie zurück nach Deutschland, ins Schwabenländle. „Da kriegte ich keinen Job, aber vier Kinder“, erzählt die Stranderin. Elf Jahre blieb sie dort, bis sie für sich und die ganze Familie die Koffer packte: Für sieben Jahre ging es in die USA. Dort fand sie einen Job als Immobilienmaklerin. Zurück in Deutschland landete sie im Callcenter einer Bank. Mit der Zeit reifte der Entschluss, in ihren eigentlichen Beruf zurückzukehren, was ihr sehr viel Spaß machte. Eines aber konnte sie nicht begreifen: Warum Kinder mit großen Augen und voller Neugier in die fünfte Klasse kommen und zwei Jahre später absolute Verweigerer sind. Bei Professor Manfred Spitzer in Ulm, Fachmann für Neurodidaktik, bildete sie sich fort. „Das war das Beste, was mir je widerfahren ist“, sagt Witt. „Kinder wollen lernen, wenn sie lernen dürfen, was sie interessiert. Sie verweigern, wenn ihnen stur aufoktruiert wird, was sie zu lernen haben“, erklärt Witt.

Der Ansatz, dass die Rahmenbedingungen Einfluss auf ein erfolgreiches Lernen haben, ließ sie nicht mehr los, und sie initiierte eine Interview-Serie mit Fachleuten aus der ganzen Welt. Weil die Technik in Deutschland zu teuer war, führte sie über eine Plattform in den USA unter dem Titel „What the Expert knows“ 80 Interviews im Internet. „Aber Englisch ist oft ein Hindernis, so dass diese Informationsquelle für viele nicht verfügbar ist. Das tut mir richtig weh“, sagt Witt, die das Projekt gern auf Deutsch wiederholen würde. Die Resonanz aus Australien, Neuseeland, Singapur und Kanada macht ihr Mut: „What the Expert knows“ hat 5000 Follower.

Parallel rief Witt die Sozial-AG ins Leben, die Gymnasiasten und Bewohner des Meritus-Seniorenheims für Aktivitäten zusammenführt, die Nachbarschaftshilfe, bei der Jugendliche älteren Mitbürgern bei Bedarf helfend zur Hand gehen, und baute Seniorpatenschaften am Gymnasium auf. „Da, wo die Gesellschaft den regelmäßigen Austausch zwischen Großeltern und Enkeln nicht mehr ermöglicht, fehlt etwas“, stellt Witt fest. Derzeit arbeitet sie daran, dass vom Australier Len Histon entwickelte Wizzdom Game in Deutschland bekannt zu machen. Es besteht aus 32 Spielen, die darauf ausgerichtet sind, die natürlichen Fähigkeiten hervorzuholen, mit denen jeder geboren wird, die einem aber im Laufe der Zeit aberzogen werden. Witt: „Es bringt Frieden in die eigene Seele und stärkt die Gemeinschaft.“

Beim Meditieren holt sich die Lehrerin die Kraft, die sie für all ihre Projekte braucht. Und die Kinder sind ihr Antrieb. „Ihnen das Gefühl zu geben, dass sie etwas geschafft haben, das macht mich zufrieden. Jeder hat Fähigkeiten – wenn wir die zum Wohle aller anzapfen, belebt das Geber wie Nehmer“, ist sie überzeugt.

❍Wer für Astrid Witt stimmen möchte, wählt 01375/80 40 12 30 03 oder schickt eine sms mit dem Inhalt „shz ez 3“ an die Nummer 42020. Auch übers Internet unter www.shz.de/menschdesjahres kann abgestimmt werden.

 

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erstellt am 30.Okt.2013 | 11:34 Uhr

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