Nein zum sexuellem Missbrauch

Vanessa und Rita-Marie (v. l.)  vor der Spielstation 'Wie kann ich nein sagen'. Foto: karkossa-schwarz
Vanessa und Rita-Marie (v. l.) vor der Spielstation "Wie kann ich nein sagen". Foto: karkossa-schwarz

Wanderausstellung des Kieler Präventionsbüros "Petze" in der Grundschule Fleckeby / Schülern ein positives Körpergefühl vermitteln

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09. Juni 2012, 09:49 Uhr

fleckeby | Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Thema, mit dem sich auch die Schulen als Schnittstelle zwischen Elternhaus und Jugendhilfe beschäftigen müssen. Die Grundschule Fleckeby geht hier mit einem guten Beispiel voran. Zurzeit ist die Wanderausstellung "Petze", schulische Prävention von sexuellem Missbrauch von Jungen und Mädchen" des Kieler Präventionsbüros Petze in der Schule zu Gast.

"Ein äußerst wichtiges Thema", erklärt Schulleiter Uwe Leopold, der sich mit seinem gesamten Kollegium in einer Lehrerfortbildung intensiv vorbereitet hat. Sechs Spielstationen auf mehreren Stellwänden sind in einem ansonsten leeren Klassenraum verteilt. Lehrerin Hiskea Witt und ihre Schüler der Klasse 4 b probieren alles aus. Als Maximilian sich auf den Jubelthron setzt, schicklich mit einem roten Umhang gekleidet, ist lauter Beifall von einer Kassette zu hören. "Cool", beschreibt der Zehnjährige sein Gefühl. Auf diese Weise erfährt er, dass er, Maximilian, wichtig und wertvoll ist. Der Junge lernt, ein Gefühl wahrzunehmen und auch ausdrücken zu können, ein positives Gefühl, welches das Kind stark macht.

Seine Klassenkameradinnen Rita-Marie und Vanessa stehen vor der Spiegelwand-Station. "Ich darf nein sagen" ist dort in großen Buchstaben zu lesen. "Kinder müssen wissen, dass sie Rechte haben und Erwachsene nicht über sie verfügen dürfen", erklärt Lehrerin Witt. Ihre beiden Schülerinnen wissen jetzt genau, wie sie nein sagen können: Mit der Stimme, den Füßen oder den Augen. Vanessa und Rita-Marie probieren die Variante "Nein sagen mit den Händen" aus. Entschlossen heben sie beide Hände, strecken die Arme vor ihren Körper aus und spreizen die Finger. Ein deutliches Signal für jedermann - halt, bis hierher und nicht weiter.

"Wir wollen unseren Schülern das Gefühl vermitteln, mein Körper gehört mir, und ich darf nein sagen", beschreibt Schulleiter Leopold das Ziel der Ausstellung. Angesichts der Zahlen, dass fast 90 Prozent der sexuellen Missbrauchsfälle nicht von außen, sondern innerhalb der Familien geschehen, seien ein äußerst sensibler Umgang und Aufklärung, auch der Eltern, dringend geboten. Diese habe man vorab zu einem Informationsabend in die Schule eingeladen. Die Reaktion der Eltern sei äußerst positiv gewesen, so Leopold.

Sich des eigenen Körpergefühls bewusst zu sein trifft auch schon auf jüngere Kinder zu. Deshalb beschäftigen sich die Erstklässler ebenfalls mit der Ausstellung, auf die die Schule neun Monate warten musste. Zwar könnten sie das noch nicht so in Worte fassen wie die Großen, aber das sei auch nicht notwendig: "Wir möchten, dass die Kinder das Gefühl verinnerlichen", so der Schulleiter.

"Ich bin schlau, ich hole mir Hilfe" lautet der Titel einer Stellwand. Auf die Frage, warum die Ausstellung "Petze" heißt, weiß Gian Luca schnell zu antworten: "Es ist nicht petzen, wenn man jemand anderem erzählt, dass man ein unheimliches Gefühl hat", erklärt der Zehnjährige. Im Gegenteil, das sei dann genau das Richtige in der Situation. Er weiß jetzt auch, dass es "gute" und "schlechte" Geheimnisse gibt. Bei letzteren nutzen die Täter das Wissen, dass es für Kinder eine Ehrensache ist, Geheimnisse nicht zu verraten. Häufig verstärken sie die Geheimhaltungen durch Drohungen.

Alle sieben Klassen der Fleckebyer Grundschule werden diese Ausstellung besuchen, so Schulleiter Uwe Leopold. Eine Nachbereitung im Unterricht sei für alle Lehrer selbstverständlich, so dass jeder Schüler mit einem gestärkten Selbstbewusstsein und einem guten Körpergefühl nach Hause gehen könne.

www.petze-kiel.de

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