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Eckernförder Zeitung

22. August 2017 | 11:54 Uhr

Jäger als Grüne : Naturschutz im Jagdrevier

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Kreisjägerschaft Eckernförde legt vermehrt Wert auf Umwelt- und Jugendarbeit. Dazu gehört auch das Schaffen, Pflegen und Betreuen von Land als Rückzugsgebiet für Wild.

Eckernförde | Der Bestand des Schalenwilds im Altkreis ist weiterhin groß, der des Niederwilds dagegen ist leicht rückläufig – das ist die sehr kurze Zusammenfassung der Wildzahlen, die gestern die Kreisjägerschaft Eckernförde im Vorfeld ihrer Jahreshauptversammlung bekanntgegeben hat. Für das Schwarzwild rechnet der Kreisjägerschaftsvorsitzende Otto Gravert wegen des zu warmen Winters mit einem starken Zuwachs.

Aufgabe der Jäger ist es unter anderem, einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten. Gleichzeitig sorgen sie mit ihren Abschüssen im Gebiet der Kreisjägerschaft für 150 Tonnen „bestes Biofleisch“, wie Damwild-Hegegemeinschafts-Leiter Hans-Jürgen Langbehn sagt. Sie betonen dabei die von ihnen geleistete Umweltarbeit. Dazu gehört laut Langbehn das Schaffen, Pflegen und Betreuen von 8500 Hektar im Land. 5000 Bäume und Sträucher werden von den Jägern jährlich gepflanzt. Und auf nichtproduktiven Flächen würden Biotopvernetzungen und Rückzugsgebiete für das Wild geschaffen.

An Bedeutung zugenommen hat die Jugendarbeit: „Wir stellen bei den jungen Menschen vermehrt eine Entfremdung von der Natur fest“, sagt Otto Gravert. Deshalb versucht die Jägerschaft mit der Bildungsinitiative „Lernort Natur“ gegenzulenken. 250 Kinder erfahren pro Jahr im Jagdlehrrevier Grönwohld die Natur am eigenen Leib. Das alles geschehe auf ehrenamtlicher Basis. Erst im Januar hat der Landesverband mit Katalin Brattig eine neue Position im Bereich der Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit geschaffen.

Doch auch an die erwachsene Bevölkerung wenden sich die Jäger: Mit einer neuen App für Smartphones (Totfund- und Wildtierkataster) können tote Wildtiere, die zum Beispiel beim Spaziergang gefunden werden, gemeldet werden. Die Daten helfen dabei, einen Überblick über den Bestand zu erhalten. Gleichzeitig appelliert Jagdschutzobmann Christopher von Dollen an Hundehalter, ihre Tiere im Wald an die Leine zu nehmen und in Feld und Flur unter Kontrolle zu haben. „Es gab mehrere Fälle von wildernden Hunden.“

800 Mitglieder zählt die Kreisjägerschaft Eckernförde (davon 80 Frauen), die sich 114 Reviere teilen. Ein großes Thema ist die derzeitige Sanierung ihres Schießstandes in Baumgarten, in dessen Boden sich durch die Munition eine hohe Bleischrotkonzentration entwickelt hat. Deshalb muss die obere Bodenschicht abgetragen und ausgesiebt werden. Mit einer Wiedereröffnung wird im Herbst oder Winter gerechnet.

Bleimunition ist seit dem 1. April passé: Laut neuem Jagdgesetz muss Kugelmunition bleifrei sein, um eine Belastung von Natur und Wildfleisch zu vermeiden. Die Jäger kritisieren das: Zum einen gebe es keine eindeutige toxische Wirkung, sagen sie, zum anderen sei die Tötungswirkung geringer. Das Tier sterbe langsamer und leide mehr. „Der Tierschutz wird hier vernachlässigt“, so Langbehn.

Bei einem aktuellen Thema halten sich die Jäger zurück: Zwei nicht-bestätigte Wolfssichtungen habe es im Gebiet der Kreisjägerschaft gegeben. Der Wolf ist nicht im Jagdrecht enthalten, darf also auch nicht geschossen werden. Aus Sicherheitsgründen würden die Jäger ihn jedoch mittelfristig gern im Jagdrecht aufgenommen wissen. Ansonsten gelte: „Die Bevölkerung will den Wolf, dann muss sie auch mit den Gefahren leben.“

 

 

 

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erstellt am 17.Apr.2015 | 05:48 Uhr

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