zur Navigation springen

Windkraft : Naturschützer entsetzt über Windvorrangflächen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vereine üben Kritik an Landesregierung und Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft in Schwansen

von
erstellt am 30.Dez.2016 | 06:59 Uhr

Barkelsby | Mit Entsetzen reagieren vier in Schwansen beheimatete Naturschutzvereine auf die, auf der Halbinsel Schwansen von der Landesregierung ausgewiesenen Vorrangflächen für Windkraft. In einer gemeinsamen Pressemitteilung stellen der Nabu-Ortsverein Kappeln-Nordschwansen, der Verein Seeadlerschutz Schlei, der in Gründung befindliche Verein Naturfreunde Gammelby und die World Wide Peace Foundation fest, dass es nach dem Stand der derzeit veröffentlichten Karte zu Windvorrangflächen zum Bau von Windkraftanlagen in unbeschränkter Höhe kommen könnte. Damit würden Windkraftanlagen inmitten von Vogelzuglinien, inmitten von Seeadlerbrutgebieten, inmitten des Naturparks Schlei und inmitten der Naturlandschaft Schwansen möglich werden.

Die Vereine befürchten, dass für viele Vogelarten damit eine signifikante Tötungs- und Vertreibungsgefahr bestehe. Zugleich sei es aus Sicht der Vereine nicht einzusehen, „dass für das persönliche Ziel des Ministerpräsidenten und des Umweltministers seltene Arten und zu schützende Populationen gefährdet werden“, heißt es weiter. Mit den Planungen widerspreche die Landesregierung ihrem Jahresbericht 2016 zur biologischen Vielfalt – Jagd und Artenschutz. Darin, so die Vereine, beklage der Energiewendeminister den „…in großen Teilen des Landes fortschreitenden Wandel der ehemals reichen Kulturlandschaft, die zunehmend verarmt“, und sehe die biologische Vielfalt vielerorts nach wie vor als gefährdet an.

Hinsichtlich der Seeadler sprechen die Vereine von täglich rund 20 Individuen, die auf ihren Nahrungsflügen über die Halbinsel fliegen. Auch wenn die Adler sich überwiegend von Fisch und Wasservögeln ernähren würden und daher die Schlei, die Ostsee und die Seen als Nahrungshabitate aufsuchten, so würden sich gerade im Winter viele Seeadler an den Luderplätzen der Jäger bedienen. „Die Schleiregion ist Seeadlergebiet mit jährlich mehreren besetzten Horsten. Die in der Karte eingetragen Flächen liegen teilweise in unmittelbarer Nähe zu Schlafbäumen von Seeadler“, stellen die Vereine fest. Eine Bebauung der Halbinsel Schwansen mit Industrieanlagen würde die Seeadlerpopulation deutlich gefährden und reduzieren, so die Befürchtung der Autoren der Pressemitteilung.

Mit Blick auf den Singschwan berichten die Vereine von 1500 bis 3000 Tieren, die, je nach Härte des Winters, in der Region überwintern. Etwa Mitte März eines jeden Jahres ziehen die Schwäne wieder zurück in ihre Brutgebiete. Nur selten brüten die Tiere in Schleswig-Holstein. In den vergangenen Jahren gab es, so die Beobachtung der Vereine, in Schwansen mehrere Verdachtsbrutplätze. Regelmäßig wurden Gruppen bis zu 500 Individuen auf abgeernteten Flächen beobachtet. Seien auf bestimmten Flächen mehr als zwei Prozent des Landesüberwinterungsbestandes, der bei 5000 bis 6000 Singschwänen liegt, dokumentiert, so gelte diese Fläche als SPA (Special Protection Area) und stehe somit im europäischen Rang, heißt es in der Mitteilung. Durch die Fruchtfolge wechselten diese Flächen jährlich. Aus ihren Nahrungshabitaten fliegen die Schwäne abends zu ihren Schlafgewässern auf Schlei, Ostsee und den Seen. Hierbei durchflögen sie die geplanten Windvorrangflächen morgens und abends, so die Vereine.

Darüber hinaus dienten die Felder an Schwansens Ostseeküste und das Naturschutzgebiet Schwansener See den Zugvögeln als Überwinterungsplatz und als Zwischenrastplatz. Viele Vögel fliegen weiter in Richtung Westküste, so die Beobachtung der Vereine. Hierbei überquerten sie in großer Anzahl nahezu alle geplanten Windvorrangflächen. „Der Vogelzug ist wissenschaftlich erwiesen. Eine Bebauung dieser sensiblen Bereiche ist nicht nur als Affront gegen den Vogelschutz, sondern als Verstoß gegen das Tötungsverbot zu bewerten“, stellen die Autoren fest. Die drei Vereine fordern daher die Herausnahme aller Windvorrangflächen auf der Halbinsel Schwansen aus der Planung.

Dabei erinnern die Autoren der Pressemitteilung an den Bau im Windpark Loose/Waabs, wo ein schwerer Eingriff in das Landschaftsbild erfolgte und Gefahren für Seeadler und weitere Arten geschaffen wurden. Die Vereine fordern die genehmigende Landesbehörde auf, die selbst aufgestellten Regeln in Form von Genehmigungsauflagen zu überprüfen.

Die Naturschutzvereine halten es für nicht hinnehmbar, dass die Region mit Industrieanlagen bebaut werden soll. „Wir fordern daher alle Kommunalpolitiker in den Gemeinden auf, deutliche Zeichen gegen diese Zerstörung zu setzen“, stellen sie fest. Zugleich fordern die Vereine den Verein Naturpark Schlei sowie die Ostseefjord Schlei GmbH, als Lokale Touristik Organisation, auf, sich ebenfalls zu den Eingriffen zu äußern.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen