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Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 13:05 Uhr

Natur : „Naturpark Waabs“ bleibt eine Idee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Waabser Bürger hat viele Ideen für FlaRak-Gelände / Sein Ziel: kostenneutrale naturnahe Entwicklung für Mensch und Natur

von
erstellt am 15.Jun.2017 | 06:42 Uhr

Waabs | Naturschutz, Bauhof und weitere Nutzungen würden sich nicht ausschließen, davon ist Joachim Gerd Kersten (73) überzeugt. Auf dem rund elf Hektar großen ehemaligen FlaRak-Gelände (Flugabwehrraketen-Gelände) in Kleinwaabs könnte mit einem naturnahen Konzept ein zukunftsweisendes Projekt „Naturpark Waabs“ für die Waabser und ihre Urlauber entstehen. „Ich bin schon etwas enttäuscht“, sagt der Rentner, der vor zwei Jahren aus dem Osnabrücker Land nach Waabs zog. Der Antrag der Wählergemeinschaft Waabs zur Bildung einer Interessengruppe zur naturnahen Entwicklung des FlaRak-Geländes fand bei der Sitzung der Gemeindevertretung in dieser Woche keine Mehrheit. Kersten hatte sich angeboten, die Gruppe zu organisieren.

Kersten, der als Chemietechniker arbeitete, war 35 Jahre im Osnabrücker Land in der Stiftung Ornithologie und Naturschutz (SON) aktiv. Als Neubürger der Gemeinde Waabs hatte er vor zwei Jahren die Fläche in Flintholm voller Freude entdeckt. „Da hat sich seit über 20 Jahren Nutzungspause soviel Natur entwickelt“, sagt Kersten. So kam er auf die Idee, einen Teil der Fläche zu schützen und durch behutsame Eingriffe, wie Pflanzungen und die Anlage von Wegen, die übrige Fläche für Waabser und Urlauber zugänglicher zu machen. „Ohne großen Aufwand könnte viel erreicht werden“, stellt Kersten fest. So, wie sich der Eingang zu der Fläche jetzt präsentiere, sei er wenig einladend.

Ideen und Anregungen für eine naturnahe Nachnutzung der Anlage hat Kersten in Maasholm beim Naturerlebniszentrum (NEZ) gefunden. Dort war bereits vor vielen Jahren eine ehemalige FlaRak-Fläche durch die Gemeinde und einen Verein gestaltet worden. Dort betreut ein Verein die Anlage, auf der ebenso wie in Waabs, der örtliche Bauhof untergebracht ist.

Kersten hat bereits Kontakt zu Firmen und Institutionen geknüpft, durch die es möglich wäre, dass finanzielle Ausgaben für die Fläche kompensiert werden könnten. „Für die Gemeinde könnte es kostenneutral sein“, so Kerstens Einschätzung. So könnte ein Teil der Fläche aufgeforstet werden, auf einer anderen Fläche könnten Obstbäume gepflanzt werden, so dass eine für Mensch und Tier wertvolle Streuobstwiese entstehen könnte. An anderen Stellen könnten Knicks angelegt werden, die das Areal für kleinteiligere Nutzungsideen unterteilen. Weiterhin möglich sein soll die Nutzung von Flächen für Veranstaltungen, wie auch die Zeltlager der Jugendfeuerwehren. Damit Natur und Mensch beide etwas von der „tollen Fläche “ haben, könnte ein Verein Angebote koordinieren, gegebenenfalls auch realisieren und gleichzeitig notwendige Pflegearbeiten, wie die Rasenmahd, den Knick- und Baumschnitt koordinieren. Der Verein könnte in enger Absprache mit der Gemeinde Wege anlegen und auch beispielsweise einen Aussichtsturm auf dem FlaRak-Berg errichten. „Der Blick auf die Ostsee, die Landschaft und in die untergehende Sonne ist ein Genuss von hier oben“, stellt Kersten fest.

Nachdem die Gemeindevertretung die offizielle Bildung der Interessengruppe ablehnte, will sich Kersten mit weiteren Bürgern und politischen Parteien beraten. „Klar könnten sie auch ohne den Segen der Gemeinde aktiv werden, aber solange der politische Wille gegen die Ideen ist, macht das doch wenig Sinn“, bemerkt der Waabser. Seine Idee für einen „Naturpark Waabs“ will er aber noch nicht aufgeben. Vielleicht kommt ja noch Bewegung in das Thema, denn letztlich sei das Angebot doch genau richtig für den „sanften Tourismus“, meint Kersten.

Info:Flugabwehrraketen-Gelände Kleinwaabs

Die Bundeswehr gab 1994 die Liegenschaft in Kleinwaabs auf. Dort war eine Flugabwehrraketen-Stellung (FlaRak) stationiert. 1998 wurde das rund elf Hektar große Areal mit Auflagen von der Gemeinde erworben.  Auf dem Gelände durfte der Bauhof eingerichtet werden. Darüber hinaus galt eine 15-jährige Bindungszeit, in der keine weitere Nutzung erfolgen durfte. Die Bindung ist ausgelaufen, seit dem  wird immer wieder über eine Nachnutzung der Fläche beraten. 2002 wurde eine Ländliche Struktur- und Entwicklungsanalyse erstellt. 2014 bildete sich ein Bürgerforum, das Ideen entwickelte. Zuletzt wurde 2016 eine Studie erarbeitet, die bei einer Einwohnerversammlung vorgestellt wurde. Beschlüsse zu einer Nachnutzung erfolgten bislang nicht.

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