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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 02:24 Uhr

Aralsee : Naturidyll mitten in der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit wenig Mitteln ist an der B 76 ein Areal entstanden, das viele Vögel als Brutstätte und Rückzugsort nutzen.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2015 | 05:55 Uhr

Eckernförde | Er liegt mitten in der Stadt am Rande einer vierspurigen Bundesstraße und ist doch ein Refugium für viele Vögel: Der Aralsee zwischen B 76 und Grünem Weg, genau gegenüber der namensgebenden Tankstelle. Schwäne, Enten und Kanadagänse kann man beobachten. Diese Arten brüten dort auch alle. Häufig sind an dem stadtnahen Gewässer auch jagende Graureiher zu beobachten. „Insbesondere die Schwäne brauchen eine lange, offene ’Startbahn’ zum Abfliegen“, sagt der städtische Experte für Naturschutz und Landschaftspflege, Diplom-Geograph Michael Packschies. „Hoch aufwachsende Erlen würden die Inseln als Bruthabitat entwerten.“ Deshalb werden sie jedes Jahr von Mitarbeitern des Unternehmens „Umwelt – Technik – Soziales“ (UTS) im Winter geschnitten. Für diese Arbeit müssen sie extra mit einem Boot über das Gewässer auf die kleinen Inseln übersetzen. Die Erlen würden den Bodenbrütern zudem den Platz nehmen und keinen offenen Sicherungsblick mehr gewährleisten.

Der Aralsee auf der Feuchtwiese ist ein von Menschenhand geschaffenes Biotop mit inzwischen vielfältiger Flora und Fauna. „Ursprünglich war das drei Hektar große Gelände Weideland“, erinnert sich Michael Packschies. Pferde und Rinder grasten dort, zwischendurch auch Schafe. Doch irgendwann hatte sich im Bereich des heutigen Sees Stickstoff angesammelt, so dass aus dem Weideland an dieser Stelle eine große Brennesselfläche wurde. Da kam die Idee auf, den nährstoffverseuchten Bereich auszubaggern und durch das Grundwasser einen etwa 5000 Quadratmeter großen See anzulegen, was im Jahr 1999 auch geschah.

Nichts wurde seither an der Fläche verändert, keine Gräser gepflanzt und auch keine Fische eingesetzt. Von allein entwickelte sich die Natur, wuchsen Schilfrohr, Rohrkolben, Sumpfschwertlilie, verschiedene Seggenarten und Binsen. Die Fläche wurde für Vögel interessant, die hier ungestört brüten können und auf den Inseln vor Füchsen geschützt sind. Rundherum grasen dort Galloway-Rinder. „Ursprünglich war angedacht, auf dem See eventuell auch mal das Schlittschuhlaufen zu erlauben“, sagt Michael Packschies. Da aber kurz nach der Anlage des Sees die Multifunktionsfläche im Skaterpark gebaut wurde, entfiel dieser Gedanke wieder, so dass das Areal seit 16 Jahren tatsächlich von kaum einem Menschen betreten wurde. Auch ist Packschies von keinem nächtlichen Unfug je zu Ohren gekommen.

Durch den Fahrradweg ist später ein kleiner Teil des Areals abgetrennt worden, wo das Schilfrohr im Gegensatz zum Rest des Grundstücks gemäht wird. Hier wachsen nämlich Orchideen, die vom Schilf nicht verdrängt werden sollen. „Und wir hatten erst kürzlich auch Weidevieh auf der Fläche“, scherzt Michael Packschies. „Ein Imker hatte seine Bienenstöcke dort aufgestellt, um die Lindenblüte in der Nähe, am Exer und in der Preußerstraße ausnutzen zu können.“ Kröten und Frösche dagegen sind hier noch nicht in nennenswerter Zahl gesichtet worden. Der Amphibientunnel, der in direkter Nachbarschaft beim Ausbau der B  76 angelegt wurde, ist dementsprechend mehr als Ausdruck der Hoffnung zu sehen.

 

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