Amphibienschutz : Natur erobert Teich und Wiese zurück

Wolfgang Herda an „seinem“ Lieblingsteich. Im Hintergrund eine Steilwand, wo der Eisvogel Brutmöglichkeiten finden kann.
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Wolfgang Herda an „seinem“ Lieblingsteich. Im Hintergrund eine Steilwand, wo der Eisvogel Brutmöglichkeiten finden kann.

„Froschland“-Fläche mit fünf Teichen auf Privatland in Loose hat sich gut entwickelt. Rind sieben Monate nach der Herstellung haben viel Pflanzen und Tiere die Fläche besiedelt. Was fehlt, ist die extensive Schafbeweidung der Fläche.

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
22. Juli 2014, 06:00 Uhr

Loose | Dass sich noch im Dezember ein Bagger durch eine Viehweide neben dem Kasmarkergehölz arbeitete, und in die weiche Erde insgesamt fünf Teiche schob und modellierte, davon ist heute, rund sieben Monate später kaum etwas zu sehen. „Die Natur hat sich alles zurück geholt“, sagt Wolfgang Herda (63), dessen Familie eine rund 15 000 Quadratmeter große Fläche für das Projekt Froschland zur Verfügung stellte (wir berichteten). Gefördert vom Landwirtschaftsministerium entstanden neue Lebensräume für Amphibien, um die Vernetzung von Lebensräumen für Amphibien zu verbessern.

„Der Standort hier ist absolut super“, hatte im Dezember während der Bauzeit die betreuende Biologin Melanie Schubert von Froschland gesagt. Für Wolfgang Herda hat sich diese Erwartung erfüllt. Besonders im Frühjahr war die Vegetation explodiert und sehr viele Tiere, Vögel und Insekten hatten sich auf der Fläche eingestellt, sagt Herda. Im Frühjahr sei er täglich bis zu acht Stunden auf der Fläche gewesen, und hätte mit Freude beobachtet, wie alles wuchs und sich entwickelte. Er trug Steine zusammen, legte Steinhaufen an, die Rückzugsbereiche für Amphibien und Insekten schaffen. An anderen Stellen hatte er nach Rücksprache mit Froschland einzelne Wasser- und Sumpfpflanzen gepflanzt, quasi als Initialzündung, so Herda, der der Natur gerne etwas auf die Sprünge helfen mag. Gepflanzt wurden nur standorttypische Pflanzen wie unter anderem Deutsche Schwertlilie, Fieberklee, Knabenkraut, Tannenwedel und mit der Schwanenblume die Pflanze des Jahres 2014. Den größten Teil der Pflanzen konnte Herda aus den Teichen und Anlagen auf seinem Grundstück entnehmen.

Jeder der fünf neu angelegten Teiche sei verschieden, weise unterschiedliche Tiefen und Uferprofile und Ausrichtungen zur Sonne auf, sagt Herda. Dass die Tierwelt die künstlich geschaffenen Lebensräume annimmt, schließt Herda daraus, dass im Frühjahr ein lautes und durchdringendes Froschkonzert zu hören war. Vor allem Laubfrösche und Erdkröten sorgten für viel Nachwuchs. „Die erhofften Moorfrösche haben sich noch nicht eingestellt, aber die Hoffnung gebe ich nicht auf“, sagt er. Dafür seien Kamm- und Teichmolche ebenso vertreten wie unzählige Arten von Libellen, die an warmen Tagen Eier ablegten. Dauert bei ihnen die Reproduktion noch rund drei bis vier Jahre, je nach Nahrungsangebot für die räuberisch lebenden Larven, so seien Wasserläufer, Rückenschwimmer, Wanzen und Furchenkäfer schon jetzt stark vertreten. Nahrung, die viele Vögel bei einer Zwischenlandung nutzten. Ob Schwalben, Reiher, Gänsesäger, Mandarinenten, Kanadagänse, oder Damwild und Marderhund, jeder Tag hält Überraschungen bereit. Inzwischen hat Herda auch einzelne Eisvögel beobachtet, Nester hätten sie aber in die angelegte Steilkante an einem der Teiche noch nicht gebaut.

Auch wenn Herda einige Pflanzen einbrachte, die Kraft der Natur ist unübersehbar. Überall wächst und sprießt es, zahlreiche Gräser, Seggen und typische Sumpfpflanzen haben die Wasserstellen eingefasst. Leider auch Rohrkolben und Wasserpest, die über den Wind und das Gefieder von Vögeln eingebracht wurden, so Herda. Besonders froh sei er über die große Anzahl von Groß Sägern. Acht Paare brüteten erfolgreich in Nistkästen, die Herda aufhängte. Insgesamt über 80 Kästen hängte er auf. Weitere Kästen möchte er für Waldkauz und Turmfalken aufhängen.

Wer die Teiche zurzeit sieht, mag erschrocken sein, wie klein sie geworden sind, sagt Herda. Aufgrund des vielen Windes, der Hitze der an sich nur geringen Niederschläge sank der Wasserspiegel deutlich ab. Während diese natürlichen Faktoren bei vier Teichen zutreffen, sei bei einem weiteren Teich vermutlich ein nicht beseitigtes Drainagerohr die Ursache für den Wasserverlust, so Herda. Da müsse noch mal nachgebessert werden. Ansonsten sei er mehr als zufrieden und glücklich. Die Krönung wäre jetzt noch die extensive Beweidung durch Schafe – wer Interesse hat, kann sich bei Herda melden.

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