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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 14:18 Uhr

Nahversorgung in Innenstadt gefährdet

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schließung des Aldi Marktes an der Reeperbahn hat Folgen für die Nahversorgung im Innenstadtbereich / Senioren sorgen sich um Einkaufsmöglichkeiten

Helga Westermann ist traurig. Die Eckernförderin steht vor dem Aldi Markt in der Kreisbahnstraße an der Reeperbahn, der vorgestern geschlossen wurde. Jahrelang hat die Rentnerin in dem Aldi Markt eingekauft. „Der Markt war so klein, und die Mitarbeiter waren immer so kundenfreundlich“, sagt sie. „Ich habe immer hier eingekauft. Wohin soll ich jetzt gehen?“, fragt sich die 70-Jährige.

Mit der Schließung des Aldi Marktes verliert die Innenstadt einen weiteren Lebensmitteldiscounter für die Nahversorgung. Bereits im Juni 2014 schloss dort Markant seine Türen. Somit bleiben der Innenstadt nur noch der Sky Markt an der Reeperbahn und Netto im Schulweg. Während das Zentrum versorgungstechnisch ausblutet, gibt es stattdessen üppige Einkaufsmöglichkeiten am nördlichen und südlichen Stadtrand in der Ostlandstraße (Markant, Aldi, Lidl) und im Hörst (Famila, Aldi, Lidl, Edeka, Penny) sowie bei Sky im Kakabellenweg. Für viele Senioren aus dem Stadtzentrum ist das aufgrund der Entfernung nur bedingt eine gute Alternative. Viele von ihnen fahren kein Auto mehr und sind auf Busse angewiesen. „Der Aldi Markt im Hörst ist mir zu weit weg“, sagt Helga Westermann. Sie wird jetzt bei Netto einkaufen, obwohl das nicht ihre bevorzugte Alternative ist. Auch in Borby gibt es keinen weiteren Markt außer der Ostlandstraße.

Fraglich ist auch die Zukunft der verbleibenden Märkte Sky und Netto. Nach Informationen unserer Zeitung ist Netto seit zweieinhalb Jahren auf der Suche nach einem Grundstück, um sich zu vergrößern. Bislang waren die Anfragen bei der Verwaltung nicht erfolgreich. Die Geschäftsführung von Netto wollte dazu keine weitere Stellungnahme abgeben. Sollte der Kinostandort auf dem Sky Markt Wirklichkeit werden, ist auch dort mit einer vorübergehenden Schließung von Sky während der Bauphase zu rechnen.

Bürgermeister Jörg Sibbel versteht die Sorgen der Bürger und betonte auf EZ-Anfrage: „Wir haben großes Interesse an der Nahversorgung im gewohnten Umfang.“ Trotz der Schließung von Aldi strebe die Stadt ein vergrößertes Angebot in der Innenstadt an. „Wir überlegen, auf dem Bahnhofsareal ein Einzelhandelsangebot entstehen zu lassen“, so Sibbel, „wir sind dabei, das Baurecht zu schaffen.“ Der Bürgermeister machte noch einmal deutlich, dass nicht die geplante Nooröffnung für die Schließung von Aldi und Markant verantwortlich sei, sondern dass es „ausschließlich unternehmerische Entscheidungen“ gewesen seien. Die Stadt habe beiden Märkten im Zuge der Planungen Ersatzflächen an der Reeperbahn und im Schulweg angeboten, die diese jedoch abgelehnt hätten.

Am Donnerstagabend hatte Peter Genz in der Einwohnerfragestunde der Ratsversammlung nach dem Aus von Markant und Aldi auf den „Versorgungsnotstand“ in der Innenstadt hingewiesen. Wenn nun auch noch Sky neu gebaut werde und mit einer Kino-Etage ausgestattet wird, werde auch dieser Markt „für ein Jahr dicht“ sein, bliebe nur noch der kleine Netto-Markt im Schulweg, sagte der 81-Jährige. Genz bezeichnete diese Entwicklung als „Folge einer fehlerhaften städtebaulichen Entscheidung, die Verbrauchermärkte am Stadtrand zu konzentrieren. Und in der Innenstadt klaffe derweilen ein „schwarzes Loch“. „Das ist bei allen alten Leuten ein großes Thema und eine sehr ernte Frage, mit der Sie sich beschäftigen sollten!“, sagte Genz der versammelten Ratsversammlung und Verwaltung. Katharina Heldt und Heinz-Michael Kornath (CDU) zeigten Verständnis für die Nöte und Sorgen vor allem der älteren, weniger mobilen Bürger und verwiesen auf den Bahnhof als möglichen Standort für einen Verbrauchermarkt. „Wir brauchen die Versorgung sofort, nicht in fünf bis sieben Jahren“, entgegnete Genz. Viele ältere Menschen könnten wie er selbst auch kein Auto mehr fahren und könnten es nicht auf sich nehmen, mit dem Bus an die Stadtränder zu fahren, um ihre Großeinkäufe zu tätigen. Heldt verwies zudem darauf, dass die CDU seinerzeit auf dem Skaterpark im Schulweg einen Verbrauchermarkt mit Kino ansiedeln wollte, dafür aber keine Mehrheit in der Ratsversammlung gefunden hat. „Dann wären wir jetzt ein Stück weiter. Jetzt haben wir das Problem“, so die CDU-Stadträtin.

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erstellt am 01.Apr.2017 | 10:00 Uhr

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