Nackte Zahlen und beste Zutaten

porträt kühl 1

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17. März 2017, 09:21 Uhr

2014haben die Hebammen in der Imland Klinik Eckernförde 611 Geburten begleitet. Imland Rendsburg brachte es auf 897. Ein deutlicher Unterschied. 2015 ist der Abstand mit 690 zu 937 Geburten schon etwas geschmolzen, 2016 merklich geschrumpft: 826 zu 960. Die Zahlen in beiden Häusern stimmen also – Eckernförde hat Level-3-Niveau (mindestens 700 Geburten jährlich), Rendsburg kratzt an Level 2 (1000 Geburten). Beide Modelle – Beleger in Eckernförde und Hauptabteilung in Rendsburg – haben ihre Berechtigung. Mit unterschiedlichem Aufwand.

Wobei zu fragen wäre, ob die Ressourcen zwischen Eckernförde und Rendsburg sinnvoll und gerecht verteilt sind. Denkbar wären möglicherweise Kooperationen auf ärztlicher Ebene, um beiden Standorten gerecht zu werden. Das gilt insbesondere für die Pädiatrie und die Geburtshilfe. Schließlich ist Imland ein Haus mit zwei Standorten, die beide eine Grund- und Regelversorgung bieten und keine Konkurrenten sind.

Es wäre ja alles in Ordnung, wenn man Eckernförde in Ruhe arbeiten ließe. Macht man aber nicht. Die erneut aufgebrochene Unruhe schadet der aufstrebenden Geburtshilfe, die ohne Kinderstation nicht sein kann, wie die Leistungsträger der Abteilung – Hebammen und Belegärzte – sagen, und was wohl von den Stationsschwestern geteilt werden dürfte, die von allen Seiten für ihre Arbeit gelobt werden.

Die Belegfrauenärzte brauchen ihre Zuschüsse zur Haftpflichtversicherung, die pro Jahr 25  000 bis 40  000 Euro pro Nase verlangt, die Beleghebammen ihre vereinbarten Zahlungen für ihre Nebentätigkeiten wie Reinigungs- und Notrufdienste. Derzeit landen die Zuschüsse und Aufwandsentschädigungen auf Sperrkonten, sie fehlen seit Anfang des Jahres im monatlichen Budget der Frauenärzte und Hebammen. Und da die Summen nicht unerheblich sind, tut das auch richtig weh.

Noch schmerzhafter für die Mediziner und Geburtshelferinnen ist aber die psychische Belastung der erneuten Existenzkrise. Die Kinderstation ist offiziell schon dicht, weil die Belegkinderärzte die von der Geschäftsführung der Klinik aufgedrückten Zusatzdienste einfach nicht leisten können und notgedrungen ausgestiegen sind. Der Geburtshilfe, für die sich ja alle so ins Zeug legen, droht das Aus, weil erstens die Kinderstation als Unterbau fehlt und es schwere rechtliche Bedenken wegen des neuen Anti-Korruptionsgesetzes gibt. Die Prüfungen laufen.

Eckernförde ohne Geburtshilfe ist eigentlich nicht vorstellbar. Gerade weil sie so besonders ist, von den Frauen und jungen Familien nur Bestnoten erhält und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, die wissen, worauf es im Kreißsaal ankommt und wie man auch in kritischeren Situationen klaren Kopf behält.

Die besten Zutaten für eine erfolgreiche Station.

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