zur Navigation springen

Eiserne Hochzeit : Nach „Hutdiebstahl“ ein Paar fürs Leben

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ehepaar Erika und Karl Heinz Meißner aus Ludwigsburg feiern heute ihre Eiserne Hochzeit

von
erstellt am 10.Mai.2017 | 06:27 Uhr

Waabs | Fast ein Leben lang sind sie zusammen. Durch dick und dünn hat sie ihr Leben geführt. Erika (81) und Karl Heinz (86) Meißner feiern heute das Fest der Eisernen Hochzeit. Am 10. Mai 1952 gaben sie sich auf Gut Ludwigsburg das Ja-Wort. Wie man das schafft? Einen Geheimtipp für 65 Ehejahre haben sie nicht. Es passte halt, sagen sie, wobei es eben auch Höhen und Tiefen gab, die sie gemeinsam meisterten.

Mit frischer Milch und einem „Hutdiebstahl“ fing alles an. Karl Heinz Meißner arbeitete ab 1950 auf dem Gut Ludwigsburg. Geboren 1931 in Kappeln lernte er ab 1946 in der Landwirtschaft auf einem Hof bei Plön. Um 1950 kam er nach Ludwigsburg, arbeitete in der Landwirtschaft des Gutes und wohnte in den Arbeiterhäusern. Da lebte seine Frau schon auf dem Gut. Sie ist in Westpreußen geboren worden. Als älteste von sechs Geschwistern war sie schon früh gefordert, ihre Mutter zu unterstützen, während ihr Vater als Soldat im Krieg war. Sie wuchs in der Nähe Danzigs auf. Mit Elbing, Petershagen und Tiedenhof verbindet sie ihre Kindheit. Als der Krieg 1945 auch Westpreußen erreicht, musste die Mutter mit ihren Kindern flüchten. „Wir wurden in Stegen eingeschifft und haben alles überstanden“, erinnert sich Erika Meißner. In absoluter Dunkelheit mussten sie über schmale Planken ihre Flucht auf eine Schiff starten. Fast acht Wochen waren sie mit dem Schiff auf der Ostsee Richtung Westen unterwegs. In Dänemark durfte weder ihr Schiff festmachen noch durften sie an Land gehen. So ging die Reise weiter und sie gelangten nach Eckernförde. Dort kamen tausende von Flüchtlingen an. Mit ihrer Mutter und den Geschwistern wurden sie dem Gut Ludwigsburg zugeteilt. Ihr Vater kam erst Anfang der 50er- Jahre aus der Kriegsgefangenschaft zurück zur Familie.

Zu Karl Heinz Meißners Aufgaben auf Gut Ludwigsburg gehörte es, Milch an die Familien zu verteilen. Als er im Jahr 1951 Milch verteilte, da riss ihm seine Zukünftige den Hut vom Kopf und rannte weg. „Da musste ich hinter ihr her“, erinnert sich der Jubilar gerne. Er ging zu Erikas Mutter und fragte nach seinem Hut. Seitdem sind sie ein Paar. Im Mai 1952 wurde geheiratet.

Bis 1967 wuchs die Familie. Sie bekamen sieben Kinder. Während er sich bei Paul-Werner Carl um die Landwirtschaft kümmerte, versorgte seine Frau die Kinder. „Der Haushalt war mein Hobby“, sagt sie heute. Im Garten wurden Schweine und Hühner gehalten und auf etlichen Quadratmetern Boden Gemüse und Obst angebaut. „Einfach kaufen gehen, das konnte man nach dem Krieg nicht“, erinnert sich Erika Meißner. 1965 bauten sie ein Haus in Barkelsby. In Sorge, seinen guten Mitarbeiter zu verlieren, schenkte Familie Carl Meißners ein Grundstück in Ludwigsburg. Und so bauten sie 1968 ihr zweites Haus, in dem sie noch heute leben.

Als 1982 der Posten des Platzwartes auf dem Campingplatz Ludwigsburg bei Paul-Werner Carl frei wurde, überlegte Karl Heinz Meißner nicht lange. Bis 2003 kümmerte er sich um den Platz und die vielen hundert Touristen in der Saison. „Da habe ich viel erlebt“, blickt er gerne zurück. Selber machten sie gerne Urlaub auf den spanischen Sonneninseln oder bereisten mit der ganzen Familie Bayern und die Schweiz. Dort lebt eine Schwester von ihm. „Ich glaube die Schweiz kennen wir besser als Schleswig-Holstein“, sagt er. Mehrmals waren sie auch mit dem Auto in Polen und besuchten die Heimat und eine Cousine von Erika Meißner. Mit Begeisterung filmte Meißner auf den Reisen oder bei Familienfesten. Am Computer schnitt er die Filme dann zusammen, „das ist mein Hobby“. Zuletzt waren sie 2002 in Polen. Außerdem ist Karl Heinz Meißner sehr gerne mit dem Rad in der ganzen Region unterwegs. Im Vorjahr stieg er auf ein E-Bike um und ist glücklich.

Inzwischen reisen sie nicht mehr soviel und auch seine Radtouren werden kürzer. Erika Meißner geht es gesundheitlich nicht so gut, ihre Mobilität ist eingeschränkt. Mehr und mehr Aufgaben im Haushalt übernahm ihr Mann „alles Sachen, die ich früher nie machte“, sagt er. Aber auch für die Jubilarin ist es nicht immer einfach. Aber sie sind ein gutes Team, ergänzt ihr Mann. Zusammen mit ihm und den Familien der Kinder blicken sie immer nach vorne.

Im Kreise ihrer Kinder, der sieben Enkelkinder und der vier Urenkel wird das Jubiläum in Kürze gemeinsam gefeiert.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen