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Imkerei : Nach der Rapsblüte hungern die Bienen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Imkerverein Eckernförde und Umgebung sorgt sich um ausreichend Nahrung für Bienen und Insekten nach der Rapsblüte

von
erstellt am 08.Apr.2016 | 06:02 Uhr

Kosel | Er ist goldgelb, zuckersüß und das Ergebnis der Arbeit tausender fleißiger Bienen – der Honig. Und auch wenn die Honigernte 2015 recht gut war, wie Heinz Neubert, Vorsitzender des Imkervereins Eckernförde und Umgebung feststellt, so sehen die Imker doch dunkle Wolken aufziehen. „Die Landschaft wird immer leerer“, sagt Neubert, der seit 1983 die Imkerei als Hobby pflegt.

Einen Grund sieht Neubert in der Änderung der Fruchtfolge in der Landwirtschaft. So wird weniger Raps und mehr Mais angebaut, so seine Beobachtung. Außerdem wird oft auf Zwischenkulturen zur Gründüngung mit Klee oder Sommerraps verzichtet. Das alles sorgt unter anderem dafür, dass Insekten generell weniger Blüten finden, so Neubert. Ebenso hat er beobachtet, dass viele Blütenpflanzen verschwunden sind, die früher an Wegrändern, entlang von Knicks und Feldern wuchsen.

Ist es für die Imker der Region in der Regel kein Problem eine gute erste Ernte (Tracht) aus ihren Bienenstöcken zu ernten, so fällt die Sommertracht bei vielen aus, oder ist mau, wie Neubert aus dem Kreis seiner Kollegen weiß. Er selber muss seine Bienen ab dem Spätsommer zufüttern, damit sie nicht verhungern. Die Tiere finden dann in der Landschaft zu wenig Blüten mit Nektar oder Pollen.

Glück hat der Imker, dessen Bienen im Sommer ausreichend Linden anfliegen können, um dort Nektar zu ernten. Wertvoll sind auch ausgedehnte Brombeerhecken, die bis spät in den Sommer immer wieder blühen. Die Honigbiene ist dabei nur die Leitart. Geht es ihr gut, dann würden davon auch alle anderen Insekten profitieren, so Neubert.

Für Gartenbesitzer ist es ganz einfach etwas für Insekten zu tun. So könnten nicht nur Insektenhotels platziert werden, es könnten auch viele Pflanzen und Sträucher gepflanzt werden, die Insekten Nahrung bieten, und zwar vor allem im Anschluss an die Rapsblüte. Neubert ist überzeugt, dass wenn die Menschen mehr über die Zusammenhänge wissen, dann auch bereit sind, ihre Gartenpflanzen entsprechend auszuwählen. Fachliche Beratung gibt es beispielsweise im Gartenbaubetrieb Meyer in Holzdorf. So empfehlen die Mitarbeiterinnen Annette Dreier und Sabine Voß speziell für den Spätsommer und Herbst unter anderem Fette Henne, Herbstastern, Mädchenauge, Sonnenhüte, Oktober Steinbrech, aber auch Katzenminze, Kugeldistel sowie Buschklee und den sogenannten Bienenbaum. Ganz sicher gäbe es auch in jedem Garten Platz für Efeu, der besonders wenn er älter ist, sehr lange und viele Blüten im Herbst trägt, so Dreier. In ihrem Garten lässt sie auch Gänseblümchen und andere Beikräuter wachsen, so fänden Insekten auch im Herbst immer frischen Nektar. Gut geeignet sind darüber hinaus Lavendel, Essigbaum, Beerensträucher und die Mahonie.

Viel für die Bienen könnten auch Landwirte tun. Sie setzten zwar heute insektenverträgliche Pflanzenschutzmittel ein, Gefahr droht den Insekten und Bienen aber in der Art der Anwendung. Werden beispielsweise in Blüte stehende Rapsfelder tagsüber und bei Bienenflugwetter mit dem Pflanzenschutz besprüht, dann werden die Flügel der Insekten verklebt und durch den Druck der Besprühung die Tiere auf den Boden gedrückt. „Dann kommen die allermeisten nicht mehr hoch“, sagt Neubert. Eine Hilfe wäre hier, wenn Landwirte eher am Morgen oder Abend oder bei bedecktem Himmel sprühen. Er habe das Glück, dass viele Flächen um Bohnert herum von seinem Schwager bewirtschaftet werden. Sie würden sich oft abstimmen. Landwirtschaft und Imker hätten doch beide gut von vielen Bienen und Insekten, die besonders im Obstanbau wertvoll für die Befruchtung der Pflanzen sind.

„Viele Insekten sind aber schon ausgestorben“, sagt Neubert. Und in manchen ländlichen Regionen seien die Honigerträge der Imker teils schon geringer, als die von Imkern, die ihre Körbe in städtischen Bereichen aufstellen. Dort gebe es das ganze Jahr über Blütenpflanzen und auch Grünanlagen, die im Sommer bewässert werden.

Das Interesse an der Imkerei steigt wieder, sagt Neubert. Auch wenn erfahrene Imker ihr Hobby aufgeben, so gebe es auch viele junge Leute, die das Hobby erlernen wollen. So war beim Gettorfer Imkerverein eine Schulung überbucht, die Nachfrage war sehr gut, so Neubert. Und auch wenn die jungen Imker nicht mehr die Anzahl Bienenstöcke haben, wie die, die im Alter aufgeben, so macht ihm das doch Mut. Sehr gerne stehen die 33 Mitglieder des Vereins Eckernförde und Umgebung zur Beratung zur Verfügung. Monatlich bieten die Imker gemeinsam mit dem Imkerverein Gettorf in Revensdorf ein Treffen an.

Um die Gefahren durch die amerikanische Faulbrut-Erkrankung rechtzeitig zu erkennen, schicken die Eckernförder dieses Jahr für ein Monitoring zehn Proben zur Prüfung ein, berichtet Neubert. Die Gefahren durch das im Honig enthaltene Gift aus dem Jakobskreuzkraut sieht Neubert für diese Region als gering an. Es gebe hier nur wenige Standorte, so Neubert. Zudem blühe die Pflanze erst Ende Mai, Anfang Juni, wenn der Raps verblüht ist. Das bedeute, dass in die Frühtracht vor allem Nektar aus Rapsblüten und Frühblühern gelange, und nur in sehr geringen Mengen Jakobskreuzkrautnektar.

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Treffen des Imkervereins Eckernförde und Umgebung und Imkervereins Gettorf an jedem zweiten Donnerstag im Monat, 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Revensdorf. Infos Heinz Neubert, Tel. 04355/99  99  93.

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