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Jubiläumswoche : Nach der Krise in eine gesicherte Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Waldorf-Kindergarten und die Freie Waldorfschule feiern runde Geburtstage. Nach den Krisenjahren sei die Schule wieder „in jeder Hinsicht zukunftsfähig“, sagte Geschäftsführer Holger Neumann bei der Festveranstaltung. Es wurden neue Strukturen aufgebaut.

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erstellt am 26.Sep.2014 | 06:03 Uhr

Die Zahl 3 war so etwas wie der rote Faden der Festveranstaltung der Eckernförder Waldorfgemeinde gestern Vormittag in der Mehrzweckhalle der Freien Waldorfschule. Zum einen, weil in dieser Woche gleich drei Waldorf-Jubiläen gefeiert werden – 100 Jahre Schulgebäude, 35 Jahre Kindergarten, 30 Jahre Schule. Zum zweiten wurde beim gestrigen Festakt das dreiteilige Erziehungsmotto des Waldorf-Anthroposophen Rudolf Steiner – das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen –, als Leitziel der pädagogischen Arbeit immer wieder genannt. Und drittens haben die Redner mehrfach auf die „Dreiheit des Menschen“ aus Körper, Seele und Geist abgehoben. Die Festveranstaltung stand aber nicht nur im Zeichen der in eingängigen Worten beschriebenen Vorzüge und Qualitäten der anthroposophischen Erziehung und Menschenbildung, sondern gewährte durch die künstlerischen und akrobatischen Aufführungen auch einen vielsagenden Einblick ins Schulleben.

Das Lehrerehepaar Ulrike und Ralf Paulsen führte durch das außerordentlich abwechslungsreiche und intensive Programm, in der auch viele Ehemalige zu Wort kamen. Als Mann der ersten Stunde und neben Hans-Dieter Kreuzkam einer der beiden Gründungsväter der Waldorfschule Eckernförde, blickte Karl-Günter Mastaglio auf die Anfänge vor 30 Jahren zurück. „Das Wesen Waldorfschule“ habe die alt-ehrwürdigen Räume in der Schleswiger Straße mit Leben erfüllte. Wenn man das Leben als Bewältigung von Krisensituation begreift, wie Mastaglio ausführte, sei es entscheidend, diese zu überwinden, schöpferisch damit umzugehen und daraus Neues zu entwickeln.

Und genau dieser Prozess der Erneuerung ist gerade in vollem Gang. Geschäftsführer Holger Neumann sprach offen von einer gerade überwundenen „handfesten wirtschaftlichen Krise“. Die sei auch dank des Entgegenkommens der Förde Sparkasse und der GLS Bank überwunden worden und habe einen Prozess der Erneuerung in wirtschaftlich, organisatorischer und pädagogischer Hinsicht ausgelöst. „2013 haben wir wieder schwarze Zahlen geschrieben, das wird auch 2014 der Fall sein“, freute sich Neumann über die geglückte Abwendung der wirtschaftlichen Talfahrt, die nur durch das Zusammenwirken aller Beteiligten möglich gewesen sei. „Die Kollegen haben einiges auf sich genommen, um die Zukunft der Kindergärten und der Schule zu sichern“, sagte Neumann. In der Krise sei ein „Ruck durch die Schule gegangen“. Man habe die pädagogische Leitung und kaufmännische Geschäftsführung getrennt und neue Führungsgremien aufgebaut. Mit der Bewältigung der Krise und der Neuausrichtung habe man die Gründungsphase endgültig abgeschlossen und sei nun „in jeder Hinsicht zukunftsfähig“.

An die Anfänge und rapide Entwicklung der Waldorfbewegung erinnerte der Lehrer und langjährige ehemalige Geschäftsführer Bernd Hadewig, der zusammen mit seiner Frau Susanne maßgeblich an der Gründung und am Aufbau von Kindergarten und Schule mitgewirkt hat. Er lobte die „tatkräftigen Anfangseltern“, die teilweise „Tag und Nacht gearbeitet“ hätten, um die Kita-Räume im Pastorengang am 15. September 1979 mit 17 Kindern beziehen zu können. Fünf Jahre später spielte sich das gleiche bei der Neugründung der Schule ab. Hadewig gebrauchte das Bild eines „Hefeteigs“, um die existenzielle Bedeutung des Kindergartens für die Schule zu beschreiben. In diese Kerbe schlug auch Joachim Kebschull von der Kindergartenvereinigung. Die Kindergärten seien „die Schatzkammern der Waldorfschulen“, die Arbeit verdiene höchsten Respekt.

Bürgermeister Jörg Sibbel nutzte die Gelegenheit, um dem Waldorfkindergarten und der Waldorfschule für ihre Arbeit zu danken. Die Einrichtungen seien nicht nur aus pädagogischer Sicht wichtig und wertvoll, sondern bereicherten auch das kulturelle Leben in der Stadt. Die Waldorfschule genieße einen „ausgezeichneten Ruf“, von ihr gehe „ein eigenständiger Geist“ aus. Diesen gelte es zu bewahren.

Die zwei Kitas im Pastorenweg und Erlengrund werden von rund 100 Kindern besucht, die Waldorfschule hat 439 Schüler. Als Kindergärtnerinnen der ersten Stunde wurden Susanne Hadewig, Christina Kreuzkam, Ute Walther und Andrea Langenohl auf die Bühne gerufen – und gefeiert. Ebenso erging es den Lehrern Waltraud und Rupert Schulte, Eva Pohl, Heidemarie Utecht, Ulrike und Ralf Paulsen, Bernd Hadewig sowie Schularzt Dr. Breiter und besonders Sekretärin Anne Behrend und Hausmeister Wolfgang Salge.

Till Steinbring wurde 1993 eingeschult und hat 2006 sein Abitur an der Waldorfschule gemacht. Jetzt lebt er in Würzburg, und promoviert nach seinem Physikstudium in Astronomie. „Moin!“ begrüßte er die Gäste mit Inbrunst an seiner alten Wirkungsstätte, der er viel zu verdanken habe. Dort seien die Grundlagen für seinen Lebensweg gelegt worden, er fühle sich für die weiteren Aufgaben gut gerüstet. Bianca Wriedt dankte im Namen der Eltern allen Beteiligten für die unermüdliche Arbeit und das große Vertrauensverhältnis, das an der Schule herrsche.

Die Reden wurden durch beeindruckende musikalische, darstellerische und akrobatische Darbietungen des Oberstufenorchesters, mehrerer Klassen und des Zirkus Radefiz bereichert.

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