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Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 08:34 Uhr

Nach 1860 Seemeilen zurück im Heimathafen

vom

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Fleckeby | Skipper Andreas Tietzsch (55) aus Kosel und seine Crew sind am 1. Juli mit der "Milan" in Fleckeby gestartet (wir berichteten). Die Crew nahm Kurs auf Aarhus, wo das berühmte Tall Ships Race beginnen sollte. In der Eckernförder Zeitung berichtet Andreas Tietzsch über die Regatta und die vielen Tage auf See. Heute wird die "Milan" zurück erwartet.

Die Hansestadt Riga bot den Gästen der Tall Ships Races zehn Jahre nach der ersten Veranstaltung wieder ein beeindruckendes Programm: Captains Dinner in einer Festhalle von 1913, Crewparty mit Live-Musik für die 3100 Teilnehmer des Rennens. Am Tag vor der Verabschiedung revanchierten sich die Gäste aus aller Welt mit einer Crewparade durch das hanseatisch geprägte Zentrum von Riga. Die Straßen waren gesäumt von unzähligen Zuschauern, die begeistert auf die Späße ihrer Gäste eingingen. Mit einem Feuerwerk über dem Hafen verabschiedete sich die Stadt Riga von den Tall Ships Races. Bei strahlendem Sonnenschein verließ die Parade von über 100 Booten unter den Augen von zehntausenden begeisterten Zuschauern am Sonntagmorgen die Stadt.

Am Nachmittag des nächsten Tages trafen sich die Regattateilnehmer an der Startlinie, um vor der lettischen Hafenstadt Ventspils das zweite Rennen in die polnische Hafenstadt Stettin zu beginnen. Im Captains Briefing waren die Kapitäne und Skipper zuvor auf den Ablauf und extreme Wetterbedingungen mit Starkwind und Windböen bis 50 Knoten hingewiesen worden. Um 16 Uhr starteten die Großen der Rahseglerszene, wie Alexander von Humboldt II, Krusenstern, Mir und Statsraad Lehmkuhl. Im 15 Minuten-Rhythmus ging es für die Klassen B - D weiter auf die Strecke von über 310 Seemeilen, also fast 600 Kilometer in südwestlicher Richtung. Wir entschieden uns mit Milan für den direkten Weg.

Nachdem die Küste von Lettland verschwunden war, gab es für mehrere Tage keine Landsicht mehr. Das angekündigte Wetter erforderte oft das Einreffen der Segel sowie wetterbedingte Kursänderungen, die uns nicht unbedingt dem Ziel näher brachten. Und oft wurden wir wieder mal wie im 1. Race begleitet von Wellen mit bis zu drei Meter Höhe. Die Küsten von Gotland, Öland und Bornholm blieben beim Passieren außer Sicht. Schweres Wetter, nasse Kleidung, feuchte Kojen und "kalte" Kombüse lösten nicht bei allen Begeisterung aus. Auch wenig Schlaf durch den ungewohnten Vierstunden-Wach Rhythmus über mehrere Tage sorgten für eine kräftige Belastung.

50 Seemeilen vor dem Ziel wurden wir dann unerwartet überrascht von einer anhaltenden Flaute, so dass wir feststellen mussten, dass wir die Ziellinie nicht im vorgegebenen Zeitlimit erreichen konnten. Das ist natürlich eine große Enttäuschung für die Crew. Kleiner Trost war, dass fast alle anderen Schiffe ebenfalls das Ziel nicht erreichten.

Mit einem gigantischen Fest endete dieses Tall Ship Race in Szczecin (Stettin) für die 3100 Teilnehmer auf 91 Schiffen. Die Stadt hat drei Jahre für dieses Fest geworben. Schiffe aus 16 Nationen mit Seglern aus 34 Ländern nahmen teil. Die Erlebnisse von Schwerwetter, durchsegelten Nächten unter fantastischem Sternenhimmel, Sonnenauf- und Sonnenuntergängen, immer wieder ändernden Wetterbedingungen haben die einzelnen Crews zusammengeschweißt. Crewaustausch mit anderen Schiffen und die vielfältigen Hafenaktivitäten haben allen Teilnehmern ein unvergessliches "Wir-Erlebnis" erfahren lassen, sodass viele neue Freundschaften geschlossen wurden. Nach 1860 Seemeilen endet hier diese unvergessliche Seereise.

Dieser Gemeinschaftsgeist der Tall Ships Races sorgt dafür, dass auch 2014 viele Teilnehmer, voraussichtlich auch der WSF Fleckeby, wieder am Tall Ship Race teilnehmen werden - vom 3. Juli bis 5.August in der Nordsee mit den Häfen Harlingen, Fredrikstad, Bergen und Esbjerg.

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