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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 05:28 Uhr

Mutter kauft Sohn Gras: Bewährung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fünf Monate für zwei Gramm Marihuana

von
erstellt am 10.Okt.2014 | 06:56 Uhr

Sie hatte Angst davor, dass ihr 17 Jahre alter Sohn in die falschen Kreise gerät und hat ihm deshalb sein Marihuana selbst gekauft, damit er es zu Hause konsumiert: Eine 41 Jahre alte Eckernförderin stand gestern wegen der Abgabe von Betäubungsmitteln an einen Minderjährigen vor dem Schöffengericht. Der Minderjährige war ihr Sohn, den sie vor zwei Jahren dabei erwischte, wie er in einer der Obdachlosenunterkünfte in der Ostlandstraße mit Bekannten Marihuana rauchte. Dort hatte er seinen älteren Bruder besucht, der seit einigen Monaten dort lebte.

Die Mutter ist leidgeprüft, hat ihre Erfahrungen mit Drogen gemacht. Selbst war sie zwei Jahre lang heroinabhängig, wird seit acht Jahren substituiert und gilt als drogenfrei. Ihr Bruder starb an seinem Drogenkonsum, ihre 24 Jahre alte Tochter und der 21 Jahre alte Sohn sind beide heroinabhängig, wobei die Tochter zurzeit in der Justizvollzugsanstalt Lübeck einsitzt. Und auch ihr langjähriger Freund, von dem sie seit einigen Jahren getrennt lebt, hat Drogen konsumiert. Ihr früherer Freund war erstochen worden.

Als sie ihren jüngsten Sohn beim Konsum von Marihuana erwischte und ihr ein Bekannter außerdem erzählte, dass er auch noch Marihuana kaufen wollte, kam ihr die Idee, ihn zu Hause „kontrolliert“ rauchen zu lassen, um den Kontakt zur Drogenszene zu vermeiden. Zweimal kaufte sie jeweils ein Gramm für ihn.

Weder Staatsanwalt noch Richter konnten diese Entscheidung nachvollziehen. „Naiv“ sei die Annahme, dadurch den Konsum weiterer Drogen zu verhindern. Die Mutter hätte mit ihrem Sohn zum Beispiel eine Drogenberatung aufsuchen können.

Dennoch wurde ein minderschwerer Fall angenommen. Berücksichtigung fand unter anderem das Geständnis der Angeklagten und ihre Lebensgeschichte. Auch hatte sie bislang keine Vorstrafen. Daneben ging es nur um geringe Mengen einer weichen Droge.

Das Gericht kam dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach und verurteilte die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Verteidigung hatte vier Monate gefordert. Das Gericht stellte der Hartz-IV-Empfängerin eine positive Sozialprognose aus.

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