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Eckernförderin auf den Färöern : Musikkarriere mitten im Atlantik

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Anna Hüdepohl aus Eckernförde ist als Solistin beim Neujahrskonzert des Symphonieorchesters der Färöer Inseln aufgetreten. Seit sieben Jahren lebt sie auf der Inselwelt zwischen Island und Schottland.

Akkordeonlehrerin auf den Färöer Inseln. Wer diesen Berufswunsch hegt, könnte sich wahrscheinlich genausogut um eine Stelle als Literaturkritiker auf Bora Bora oder Golflehrer in der Sahel-Zone bewerben – nicht unmöglich, aber auch nicht gerade wahrscheinlich. Anna Hüdepohl aus Eckernförde aber hat es geschafft. Vor sieben Jahren ging die heute 35-Jährige mit ihrem Instrument auf die Inselwelt zwischen Island und Schottland. Jetzt ist sie als Solistin beim Neujahrskonzert der Färöer Inseln aufgetreten und damit überall in dem kleinen Land bekannt.

Die Färöer Inseln sind eine autonome Nation innerhalb des Königreiches Dänemark. 48 000 Einwohner leben hier, davon allein 25 000 in der Hauptstadt Torshavn – so wie Anna Hüdepohl. Ihre Leidenschaft für das Akkordeon entdeckte sie im Alter von acht Jahren, als sie erstmals Unterricht in der Eckernförder Akkordeonschule von Hans-Jürgen Schröder erhielt. Nach ihrem Abitur an der Jungmannschule studierte sie klassisches Akkordeon im dänischen Aarhus und absolvierte nach ihrem Diplom noch zwei Jahre die „Solistenklasse“, eine Extraausbildung zur künstlerischen Reifung und späteren Solokarriere.

Kaum war sie fertig, sah sie die Annonce in einer Musikzeitschrift: „Akkordeonlehrerin für Musikschule auf den Färöer Inseln gesucht.“ Eine Herausforderung für Anna Hüdepohl, denn auch wenn Musik eine sehr große Rolle auf den Faröern spielt, gab es noch keinen Akkordeonlehrer in der Inselwelt. „Ich musste meine Klasse selbst aufbauen“, sagt sie. Dass das nicht in einem Jahr zu machen war, konnte sie sich denken. Mittlerweile lebt sie seit sieben Jahren auf den Färöern, hat eine Familie gegründet und unterrichtet 35 Akkordeonschüler im Alter zwischen fünf und 16 Jahren. „Das Tolle an den Färöern ist, dass es so viele Künstler und so viele kunstinteressierte Menschen gibt“, schwärmt Anna Hüdepohl. Allein 15 bis 20 Färinger studieren an den Hochschulen der Welt Musik, was auf die Einwohnerzahl gerechnet eine überdurchschnittliche Quote ausmacht. Einen ihrer Schüler konnte sie schon zur Hochschule für Musik nach Esbjerg schicken.

„Es gibt hier ein Musikermilieu, das man so leicht nirgendwo anders findet. Das ist schon was Besonderes.“ Auf einem entsprechend hohen Niveau befinden sich die Musiker beim Neujahrskonzert, das stets vom einzigen Fernsehsender der Faröer übertragen wird. Anna Hüdepohl: „Das ist eines der größten Ereignisse hier und musikalisch auf sehr hohem Niveau. Das sieht sich jeder an.“

65 Kollegen haben in dem Symphonieorchester gespielt, dessen Konzert am vergangenen Sonnabend mit einem hundertköpfigen Chor live im Fernsehen übertragen wurde. Zwei Solisten gab es: eine Sopranistin aus St. Petersburg und Anna Hüdepohl am Akkordeon. „Ich bin schon öfter von den Kollegen gefragt worden, ob ich nicht als Solistin auftreten möchte“, sagt sie. Eine große Ehre, doch in den ersten Jahren fehlte ihr die Zeit dazu. Jetzt hat es geklappt: Zwei Tango-Stücke hat sie gespielt von Astor Piazolla und Carlos Gardel, die vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurden. „Die Menschen sprechen einen hier zwar nicht auf der Straße darauf an“, sagt sie. „Aber bekannt dürfte ich hier jetzt sein.“ Bekannt als Akkordeonlehrerin auf den Färöer Inseln. Berufswunsch erfüllt.

 

>Die Auftritte von Anna Hüdepohl sind auf der Internetplattform Youtube zu sehen. Einfach „Anna Hüdepohl“ in die Suchleiste eingeben.

 

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erstellt am 17.Jan.2014 | 06:26 Uhr

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